Das aktuelle Wetter NRW 5°C
Formel 1

Formel-1-Bestechung - Gribkowsky muss für acht Jahre in Haft

27.06.2012 | 16:10 Uhr
Formel-1-Bestechung - Gribkowsky muss für acht Jahre in Haft
Der ehemalige Landesbank-Vorstand Gerhard Gribkowsky muss lange ins Gefängnis. Er hatte Bestechungsgeld von Formel-1-Boss von Bernie Ecclestone angenommen.Foto: rtr

München.  Der ehemalige Landesbanker Gerhard Gribkowsky muss für achteinhalb Jahre ins Gefängnis. Der 54-Jährige hatte vor einer Woche gestanden, 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone angenommen zu haben. Nun drohen Ecclestone und der Formel 1 großer Ärger.

Lange Haft für Ex-Bankvorstand Gerhard Gribkowsky und massive Bestechungsvorwürfe gegen Formel-1-Chef Bernie Ecclestone: Mit einer Verurteilung Gribkowskys zu achteinhalb Jahren ist am Mittwoch vor dem Landgericht München I der Schmiergeld-Prozess um den Verkauf der Formel-1-Anteile der Bayerischen Landesbank zu Ende gegangen. Der Prozess könnte nun zu einer Anklage des Briten Ecclestone in München führen.

Der geständige Gribkowsky hat nach Auffassung des Gerichts von Ecclestone 44 Millionen Dollar (heute knapp 35 Millionen Euro) Schmiergeld erhalten, weil er den Verkauf der Formel-1-Anteile der BayernLB in Ecclestones Sinn im Jahr 2005 an den Finanzinvestor CVC für 839 Millionen Dollar auf den Weg brachte. Die Bank hatte als Gläubiger die Formel-1-Anteile nach der Pleite des Medienmoguls Leo Kirch erhalten, Gribkowsky sollte die Beteiligung an der Rennserie dann wieder zu Geld machen.

Richter fand Gribkowskys Geständnis überzeugend

Das Gericht blieb mit der Haftstrafe unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Diese hatte zehneinhalb Jahre Haft für den ehemaligen Risikovorstand gefordert. Richter Peter Noll hatte Gribkowsky aber bereits in der Vorwoche für sein Geständnis in dem seit Oktober laufenden Prozess eine Strafe von sieben Jahren und zehn Monaten bis zu neun Jahren zugesagt. Gribkowsky wurde wegen Bestechlichkeit in Tateinheit mit Untreue und Tatmehrheit der Steuerhinterziehung verurteilt.

Richter Noll sagte, Gribkowsky habe ein überzeugendes Geständnis abgelegt. "Die Kammer schließt sich dem an und zwar aus eigener Überzeugung." Es sei aber nicht so, dass der Angeklagte - wie von ihm und seinen Verteidigern gesagt - irgendwann keinen Ausweg mehr gehabt habe. Er hätte vielmehr auch noch die Gelegenheit gehabt, sich nicht bestechen zu lassen.

Trotz Schmiergeld: Formel-1-Rechte-Verkauf war ein "gutes Geschäft" für die BayernLB

Das Gericht habe aber auch deshalb eine niedrigere Strafe als von der Anklage gefordert verhängt, weil der Verkauf der Formel-1-Anteile trotz des Schmiergelds "ein gutes Geschäft" für die BayernLB gewesen sei. Es habe die Gefahr der völligen Wertlosigkeit der Formel-1-Anteile bestanden. Außerdem sei zu berücksichtigen, dass Ecclestone "die treibende Kraft" der Schmiergeld-Zahlungen gewesen sei und "den Angeklagten ins Verbrechen geführt hat".

Oberstaatsanwalt Christoph Rodler griff Ecclestone ebenfalls an. Der Prozess habe eindeutig gezeigt, dass die Zahlungen Ecclestones an Gribkowsky Bestechungsgelder waren, sagte der Ankläger. Ecclestone sei damit, anders als von ihm zeitweise dargestellt, nicht Opfer von einer Erpressung durch Gribkowsky, "sondern Mittäter einer Bestechung". Die Münchner Staatsanwaltschaft prüft seit Monaten bisher ohne Ergebnis eine Anklage Ecclestones.

Schwere Vorwürfe gegen Formel-1-Boss Bernie Ecclestone

Gribkowskys Verteidiger Daniel Amelung kritisierte die Anklagebehörde dafür, Ecclestone nicht zusammen mit Gribkowsky vor Gericht gebracht zu haben. "Die Staatsanwaltschaft hätte es in der Hand gehabt, ohne große Probleme Herrn Ecclestone mit anzuklagen." Sie sei aber "gebisslos" gegen den Formel-1-Chef vorgegangen.

Das Urteil kann jetzt noch unabsehbare Folgen für die Formel 1 bekommen. Das "Handelsblatt" hatte berichtete, dass die internen Verhaltensregeln dem Autobauer Daimler die Zusammenarbeit mit Partnern verbietet, die Schmiergeld zahlen. Dies würde eine Zusammenarbeit des Mercedes-Teams von Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher mit Ecclestone dem Blatt zufolge im Fall erwiesener Schmiergeldzahlungen verbieten.(afp)



Kommentare
27.06.2012
18:15
Formel-1-Bestechung - Gribkowsky muss für acht Jahre in Haft
von Das-musste-mal-gesagt-werden | #1

Mein Mitleid mit dem ehemaligen Bankmanager hält sich sehr in Grenzen. Denn nicht Bernie E., sondern der sportbegeisterte Fan musste am Ende die Zeche bezahlen.

Aus dem Ressort
LIVE! Lukaku trifft - Everton führt mit 1:0 in Wolfsburg
Live-Ticker
Der VfL Wolfsburg will vor heimischem Publikum die Niederlage aus dem Hinspiel wieder gut machen. Gegen die Engländer gab es im September eine 1:4-Pleite. Mit einem Sieg am heutigen Abend würde das Team von Trainer Hecking vorzeitig die nächste Runde erreichen - das Spiel im Live-Ticker.
Breitenreiter rügt nach Foul an Reus "Hetzjagd" auf Bakalorz
Reus
Nach dem Foul von Paderborns Bakalorz an BVB-Star Reus und der folgenden scharfen Kritik, hat Trainer Breitenreiter seinem Spieler den Rücken gestärkt. "Es muss nicht sein, einen einzelnen Spieler einer solchen Hetzjagd auszusetzen", sagte er. Reus hatte die Entschuldigung von Bakalorz angenommen.
Streit zwischen Schalke und Viagogo endgültig beendet
Viagogo
Ein Schiedsspruch hat den Streit zwischen der Ticketbörse Viagogo und dem Bundesligisten Schalke 04 nun endgültig beendet. Weder FC Schalke 04 noch Viagogo stehen demnach aus dem Vertrag sowie dessen Beendigung wechselseitig noch Ansprüche zu. Viele Fans hatten gegen die Partnerschaft protestiert.
Kritik an S04-Manager Heldt darf sein – aber nicht von Jones
Kommentar
Beim FC Schalke 04 ist die Wirkung des Trainerwechsels verpufft. Die Kritik konzentriert sich mehr und mehr auf Manager Horst Heldt. Nach dem 0:5 gegen Chelsea meldete sich mit Jermaine Jones aber auch jemand zu Wort, der dies besser gelassen hätte. Ein Kommentar von Peter Müller.
Real Madrid verzichtet auf Christen-Kreuz im Vereinslogo
Real Madrid
Real Madrid kooperiert mit der National Bank of Abu Dhabi, einer der größten Banken im arabischen Raum. Auf der Kreditkarte, die auch als Mitgliedsausweis dient, fehlt im Logo der Königlichen das kleine Kreuz über der Krone. Die Madrilenen wollen offenbar keinen Ärger mit ihren Partnern riskieren.
Umfrage
Jermaine Jones hat auf Twitter mit Horst Heldt abgerechnet. Peinliche Aktion oder berechtigte Kritik?

Jermaine Jones hat auf Twitter mit Horst Heldt abgerechnet. Peinliche Aktion oder berechtigte Kritik?