Die DEG und die kreisenden Adler
13.01.2010 | 10:30 Uhr 2010-01-13T10:30:00+0100
Düsseldorf. Offenbar sind die Mannheimer an einer Verpflichtung des Düsseldorfer Cheftrainers Harold Kreis interessiert. Ein Freiluftmatch in der Arena in der Saison 2010/2011 ist bei der DEG ein Thema.
DEG-Cheftrainer Harold Kreis rang gestern nach Worten. Aber nur kurz. „Ich finde die Aussage seltsam”, erklärte der Deutsch-Kanadier den unerwarteten Werbeversuch von Adler Mannheims Noch-Manager Marcus Kuhl. Der hatte vor dem 5:2-Sieg der DEG gegen Ingolstadt erklärt, dass es eine logische Konsequenz wäre, für die neue Saison einen Eishockey-Cheftrainer Marke Harold Kreis zu verpflichten (die NRZ berichtete).
Ligaspiele in offenen Stadien erfahren eine Renaissance.
Die altehrwürdigen Zeiten, als man nicht nur an der Brehmstraße noch unter freiem Himmel Eishockey spielte, sind lange vorbei. Trotzdem erfahren Liga-Matches in offenen (Fußball-)Arenen rund um den Jahreswechsel eine gewisse Renessaince. Im Januar 2007 sahen 30 076 Zuschauer im Wankdorf-Stadion das Schweizer NLA-Match zwischen dem SC Langnau und dem SC Bern. Am 28. Dezember 2009 waren 31 144 Fans im Göteborger Fußballstadion Nya Ullevi dabei, als sich mit Västra Frölunda und Färje-stads BK zwei der besten schwedischen Teams duellierten. Das größte Ausrufezeichen setzte am 9. Januar 2010 die „Eishockey-Nation” Österreich. Zum Kärnten-Derby Klagenfurter AC gegen Villacher SV füllten 30 500 Interessenten das Fußball-EM-Stadion bis auf den letzten Platz.
Gestern stellte sich die Frage, wie ernst es den Quadratstädtern ist. Kreis hat als 890-maliger Adler-Verteidiger großen Kredit bei den Fans, die seit 2004 sechs Trainerrauswürfe in Serie erlebten: Bill Stewart, Helmut de Raaf, Stephane Richer, Greg Poss, Dave King und nun Doug Mason.
Preistreiberei oder mangelnde Cleverness
Zum dritten Mal schon macht „Co” Teal Fowler den Feuerwehrmann. Und bekam von seinem Chef in der Pressekonferenz zu hören, wie das fast ikonenhafte Trainer-Profil für die Saison 2010/11 auszusehen hat. Ist's eine Preistreiber-Taktik gegenüber der DEG oder mangelhafte Cleverness von Kuhl, der als künftiger „Sport-Direktor” deutlich mehr Zeit für Eishockey jenseits des DEL-Teams haben soll? Fowler dürfte wenig begeistert gewesen sein.
Was die kuriose Sache mit einer Prise Pfeffer garniert: Kuhl und Kreis mögen sich nicht. „Wir haben eine gemeinsame berufliche Vergangenheit, uns aber auseinander gelebt und nennen uns nicht Freunde”, erklärte Coach Kreis. Dass man im Sinne eines Adler-Erfolgs die Animositäten ausblenden würde, gilt bei Insidern trotzdem nicht mehr als ausgeschlossen.
Dass Geld im Hopp'schen Adler-Reich keine Rolle spielt, beweist die Verpflichtung eines neuen Co-Trainers für den Saisonrest. Ex-KEV-Chefcoach Martin Jiranek macht seit gestern den Zuarbeiter, um den Titelfavorit von Platz neun noch unter die Top 6 zu bringen. Dazu passt auch, dass mit Ex-NHL-Coach Andy Murray ein nicht gerade preiswerter Trainer im Visier scheint.
Würde sich Mannheim tatsächlich aber auf Kreis einschießen, zieht DEG-Manager Lance Nethery monetär den Kürzeren. Doch so weit ist es noch nicht. Nethery möchte Kreis behalten. Und hat mit ihm auch schon über die Zukunft gesprochen. Problem bleibt wohl bis nach der Play-off-Runde die Etatfrage. Ob Kreis so lange warten mag?
Alternativen neben Mannheim gibt es nicht viele. In der gut honorierenden Schweizer NLA sind alle Erstliga-Posten bis auf den in Biel über die Saison hinaus besetzt. Nethery gibt sich gelassen. Ob der Kanadier in sparsamen Zeiten über eine erneute Doppelfunktion als Manager und Trainer nachdenkt, ist derzeit Spekulation. Bei der DEG hat er es vom 4. November 2007 bis zum 10. April 2008 bekanntlich gemacht. Wie sein Vorgänger Michael Komma bis 5. Oktober 2004 rund zweieinhalb Jahre lang.
Apropos Finanzen: Ein Freiluftmatch in der neuen DEL-Saison während der Fortuna-Fußballwinterpause in der Arena ist bei der DEG, wie die NRZ erfuhr, nicht nur ein emsig diskutiertes Thema. Es könnte auch die Aussicht auf einen etwas erhöhten Etat nähren, sofern genügend Zuschauer kommen. Wie zuletzt bei Liga-Spielen in der Schweiz, Schweden oder sogar Österreich (lesen Sie dazu auch die „Infobox”).
„Damit würden wir überregional große Aufmerksamkeit erzielen. Allerdings bedeutet das auch eine Riesenorganisation, die eine Menge Geld kostet”, so Manager Nethery.
Rund 200 000 Euro würden für das Spielfeld fällig, das bei der WM in der Schalker Arena am 7. Mai steht. Wahrscheinlich müsste am Ende der Arena-Rasen ausgetauscht werden, was rund 80 000 Euro kostet. „Ein Freiluftmatch macht nur Sinn, wenn wir mit einem Gewinn rechnen dürfen”, so Nethery.
DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke hatte unlängst in einem Interview erklärt, dass er sich ein „Winter Classic” a la NHL auch in der DEL vorstellen könne. Weil in der Düsseldorfer Arena das Dach schließbar ist, wäre ein solches Match hier (winter-)wetterunabhängig machbar.
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