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"Spec Ops - The Line" - Pazifismus mit der Waffe in der Hand

07.07.2012 | 09:45 Uhr
Ein ernstzunehmendes Anti-Kriegs-Spiel liefert Take2 mit "Spec Ops - The Line".Foto: Take2

"Spec Ops - The Line" vom deutschen Entwickler Yager vollbringt das Kunststück, ein Shooter mit Botschaft zu sein - auch wenn diese mit teils arg konventionellen Mitteln verbreitet wird. Ein erstes ernstzunehmendes Anti-Kriegs-Spiel, dass nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch begeistert.

Rund 830 Meter ragt der Burj Khalifa in den Himmel über Dubai und kündet wie kein anderes Bauwerk auf der Welt vom Größenwahn der Menschheit. Im neuen Take2 -Shooter "Spec Ops: The Line" erlebt man dort oben den Höhepunkt einer Reise in die tiefsten Abgründe der Psyche. Gleichzeitig liefert das Berliner Studio Yager den Beweis, das Ballern nicht zwangsläufig banal sein muss.

Antikriegsfilme wie "Westfront 1918", "Im Westen nichts Neues" oder "Die Brücke" zeigten schon früh mit drastischen Bildern die Schrecken und Sinnlosigkeit des Krieges. Im Games-Bereich hingegen gab es bislang keinen Titel, der dem Terminus "Antikriegsspiel" gerecht wurde. Zu schmal war vielen Entwicklern der Grat, von einer mahnenden, distanzierten Position in stumpfe Gewaltexzesse abzurutschen.

Realität, Wahnsinn und Moral

Mit "Spec Ops - The Line" wagt das Berliner Entwicklerstudio Yager nun den bis dato beispiellosen Versuch - und orientiert sich dabei in hohem Maße an Joseph Condrads Roman "Heart of Darkness", der als Vorlage für den Film "Apocalypse Now" diente. Konrad heißt auch jener Colonel, der sich mit seiner Einheit von der US-Armee losgesagt hat und in Dubai, verwüstet von einem Sandsturm biblischen Ausmaßes, ein eigenes Reich aufgebaut hat.

Spiele-Bewertung
Spec Ops: The Line

Hersteller: Yager
Vertrieb: 2K Games
Erhältlich ab: 29.06.2012
Preis: ca. 60 Euro
EAN Code: 5026555251501
Schwierigkeit: Für Fortgeschrittene
Alter: ab 18 Jahren
Multiplayer: 2-8 (WWW)

Bewertung
Grafik: sehr gut
Steuerung: gut
Sound: sehr gut
Spielspass: sehr gut
Gesamt: sehr gut

Während der acht- bis zehnstündigen Kampagne von "Spec Ops" sollen der aus der Schulterperspektive gesteuerte Captain Walker und seine beiden Kameraden Lugo und Angel dem Colonel das Handwerk legen. Eine Mission, bei der die Grenzen zwischen Wahrheit und Lüge, Realität und Wahnsinn, Moral und Selbstgerechtigkeit verschwimmen.

"Spec Ops" macht es einem nicht leicht

Entscheidungen müssen getroffen werden, deren Optionen allesamt untragbar erscheinen. Sollen ein möglicher Informant gerettet und Zivilisten geopfert werden? Bestraft man einen Wasserdieb, einen Mörder oder keinen von beiden? Und wie verhält man sich gegenüber einer aufgebrachten Menschenmenge, die mit Steinen wirft und zuschlägt?

"Spec Ops - The Line"

"Spec Ops" macht es einem nicht leicht, das eigene Handeln in den richtigen Kontext zu rücken - und das konsequent bis zum Ende. Allerdings verpassen es die Macher auch, dem Spieler echte Entscheidungsfreiheit zu gewähren. Vor allem in Schlüsselszenen. Stattdessen muss man aus dramaturgischen Gründen Grausamkeiten begehen, deren Folgen zuweilen arg plakativ zur Schau gestellt werden.

Yager lehnt Gewalt ab

Nichtsdestotrotz ist "Spec Ops - The Line" etwas Besonderes. Kaum ein Spiel demontiert seine Helden derart rücksichtlos. Und noch seltener wurde bislang vermittelt, wie hässlich Krieg ist - und dass es am Ende kein Richtig oder Falsch gibt, geschweige denn Antworten auf die Frage nach dem Sinn des Ganzen. Platter Hurra-Patriotismus im Stile eines "Call of Duty" bleibt komplett außen vor.

Der Gewalt stehen die Entwickler von Yager über weite Strecken zwar ablehnend gegenüber. Allerdings kommt auch "Spec Ops" spielerisch nicht umhin, dem üblichen Regelwerk von Deckungs-Shootern zu folgen, durch akute Munitionsarmut den permanenten Waffenwechsel zu provozieren und immer wieder stationäre Geschütze aufzustellen, die mit anrückenden Gegnern in "Moorhuhn"-Manier kurzen Prozess machen. Auch Sand kann hier als Waffe verwendet werden - etwa, wenn Fensterscheiben zerschossen werden und eindringende Sandmassen Widersacher unter sich begraben.

Gegenentwurf zu "Apocalypse Now"

Technisch bewegt sich "Spec Ops: The Line" dank der Unreal Engine 3 als Grafikgerüst auf hohem Niveau. Dubai als exotischer Schauplatz, zeitgemäße Animationen, geschickt agierende Gegner sowie eine grandiose Song-Auswahl - Yager leistet sich kaum Fehler.

Fazit: "Spec Ops" ist ein Spiel, das man nicht nur aufgrund der unterschiedlichen Endsequenzen mehrmals in Angriff nimmt, sondern eins, das im Gedächtnis haften bleibt - als spielerischer Gegenentwurf zu "Apocalypse Now" und als Beweis, dass das Medium Spiel erwachsen und selbstkritisch geworden ist. (_teleschau - der mediendienst)

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