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Schutz oder Zensur? Sperre für Kinderporno-Seiten
19.03.2009 | 14:03 Uhr 2009-03-19T14:03:00+0100
Essen. Die Bundesregierung will den Zugang zu Kinderpornografie im Internet erschweren. Entsprechende Seiten sollen gesperrt werden. Kritiker befürchten, dass damit im Netz eine Infrastruktur aufgebaut wird, mit der auch ganz andere Inhalte zensiert werden können - etwa politisch unliebsame.
Es ist jetzt fast sieben Jahre her, als der Düsseldorfer Regierungspräsident Jürgen Büssow mit einem Schneeball versucht hat, die Hölle abzukühlen. 2002 ließ der Sozialdemokrat zwei Internetseiten mit rechtsradikaler Hasspropaganda sperren. Das sollte dem Jugendschutz dienen. Gebracht hat die Aktion nichts, braunes Gedankengut ist damals wie heute überall im Netz präsent.
Der Überzeugung manches Politikers, das Internet könne und müsse kontrolliert werden, hat das aber keinen Abbruch getan. Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) etwa fordert seit Jahren regelmäßig, aber vergebens, die Sperrung von gefährlichen oder gefährdenden Internetseiten. Genauso regelmäßig werfen ihm Kritiker vor, im Internet eine Infrastruktur aufbauen zu wollen, mit dem das Netz zensiert werden kann.
Einer der dunkelsten Abgründe im Internet
Kommenden Mittwoch ist Schäuble einen Schritt weiter. Dann legt das Familienministerium dem Bundeskabinett einen Vorschlag für eine rechtliche Grundlage für die Sperrung von Internetseiten mit kinderpornografischen Inhalten vor. Das Eckpunktepapier haben maßgeblich Beamte des Innenministeriums mit erarbeitet.
Kinderpornografie als einer der wohl dunkelsten Abgründe im Internet ist ein Millionengeschäft, und allein zwischen 2006 und 2007 stieg die Zahl der Internetnutzer, die bei der Beschaffung von Kinderpornografie erwischt wurden, um 111 Prozent. Laut Bundeskriminalamt werden zunehmend Bilder und Filme vom Missbrauch und der Misshandlung von Kleinkindern und Säuglingen gehandelt.
Die geplanten Sperrungen sollen – ganz vereinfacht ausgedrückt – so funktionieren: Das Bundeskriminalamt erarbeitet Sperrlisten, mit den Adressen von Internetseiten mit kinderpornografischem Inhalt. Diese Listen gehen an die deutschen Provider, also die Unternehmen, die den Zugang ins Internet ermöglichen. Die speisen diese Listen in ihre Router ein, also in die Knotenpunkte im Netz, über die die Seitenanfragen von Nutzern laufen. Will ein Nutzer eine Seite mit verbotenem Inhalt aufrufen, erscheint statt der Seite ein Stopp-Schild.
Komplizierter ausgedrückt: Die vom Nutzer aufgerufene IP-Adresse wird mit der Sperrliste verglichen. Ist die Adresse problematisch, wird die Anfrage auf einen Proxy-Server umgeleitet. Dort wird die URL-Adresse analysiert und gegebenfalls geblockt. Mit diesem Hybridverfahren soll verhindert werden, dass alle hinter der IP-Adresse stehenden Webangebote gesperrt werden, also auch solche, die strafrechtlich unbedenklich sind.
Kinderpornografie - nur ein vorgeschobener Grund?
Das Problem: Ist einmal im Internet die Struktur geschaffen, um Sperrungen so durchzuführen, könnten die Listen zukünftig beliebig um andere Inhalte erweitert werden. Begehrlichkeiten gibt es genug: So sind bereits Stimmen laut geworden, die ausländische Glücksspielseiten sperren wollen; die Unterhaltungsindustrie will Seiten blocken, die gegen das Urheberrecht verstoßen; nicht zuletzt könnten theoretisch auch Seiten mit politisch unliebsamen Inhalten gesperrt werden.
Kritiker verweisen hierbei gerne auf die Online-Kontodatenabfrage, die einst als Waffe gegen den Terrorismus eingeführt wurde, jetzt aber von jedem Finanzamt und jeder Arbeitsagentur durchgeführt werden kann. Die Aktivisten vom Chaos Computer Club bezeichnen den Kampf gegen Kinderpornografie als vorgeschobenen Grund, mit dem am „ehesten gesellschaftliche Akzeptanz für Sperrmaßnahmen erreicht werden kann”, so ein Sprecher. Gesellschaftliche Probleme könnten nicht mit technischen Mitteln gelöst werden. Mit einer solchen Filterung werde eine Infrastruktur aufgebaut, die "eine ungehinderte und unüberwachte Kommunikation behindert und den Weg für unkontrollierte Filterungen von unliebsamen Content freimacht".
Provider werden zu Überwachern
Auch der Verband der deutschen Internetwirtschaft (eco) und der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) ist wenig von dem Vorhaben angetan. Die etwa 2000 Provider würden vom Staat in eine rechtlich bedenkliche Überwacherrolle gedrängt, warnen sie.
Wolfgang Schäuble jedenfalls will auf Nummer sicher gehen: Abseits des Gesetzgebungsverfahrens soll zwischen Providern und Bundeskriminalamt ein Vertrag geschlossen werden, mit dem die Provider ihre freiwillige Unterstützung für Sperrmaßnahmen zusichern. Eco hat seinen Mitgliedern bereits abgeraten, diesen Vertrag zu unterzeichnen.
Nicht zuletzt bezweifeln Experten die Wirksamkeit von Internetsperrungen. In Ländern wie Finnland, Schweden, Dänemark oder der Schweiz sind damit keine messbaren Erfolge im Kampf gegen Kinderpornografie erzielt worden. Technisch einigermaßen versierte Konsumenten „werden immer Mittel und Wege finden, an das inkriminierte Material zu gelangen”, so die Einschätzung eines Beamten des Landeskriminalamtes bei einer Anhörung im nordrhein-westfälischen Landtag.

14:56
An dieser Stelle sei mal darauf aufmerksam gemacht, dass hier eine Überwachungsinfrastruktur geschaffen wird, die sich auch für alle anderen Zwecke einsetzen läßt. Oder glaubt jemand, wenn diese ersteinmal besteht, dass nicht ein Aufbegehren der Musik- oder Filmindustrie folgen wird.
Und Sicherheit seh ich da keine, denn zum einen kann jeder halbwegs bedarfte Mensch einen Proxyserver nutzen. Wenn es auch nur ein Free-CGI-Proxy ist, den ich unter dem Suchbegriff auch zu hauf in allen gängigen Suchmaschinen antreffen werde.
Wer es aber wirklich erst meint und genug kriminelle Energie besitzt, wird einfach über ein fremdes WLAN seine Onlinebedürfnisse zu stillen wissen. Sicherheitsarme WEP-Verschlüsselte WLANs gibt es immer noch zur Genüge. Wer sich jetzt noch ein bischen mit Aircrack-ng (Suchbegriff) auskennt oder die entsprechenden Videotutorials auf den gängigen Tubebroadcastern zu suchen versteht kann hier seiner kriminellen Energie folgen. Oder man macht es sich einfach und nimmt das rundum Paket Backtrack, eine Linuxdistribution (Live-CD) die alles bietet, was man so braucht um die Sicherheit von WLANs zu prüfen.
Wenn man ein Gesetz nicht verhindern kann, so sollte man alles daran setzen, es ad absurdum zu treiben!
18:09
Ich habe mich ebenfalls mit der Materie beschäftigt und einen Artikel darüber geschrieben warum die Zensur nichts bringt, außer für die Einschränkung der Meinungsfreiheit. http://www.elexpress.de/archives/2009/04/18/akzeptiert-die-zensur-und-schaut-weg/
00:53
Das nenne ich doch mal einen wirklich aufschlußreichen Beitrag. Herzlichen Glückwunsch!
Ich merke schon, dass ich meinen Standpunkt etwas einfacher darstellen muss. Mit ein bisschen Mühe komme ich sogar auf das Niveau eines typischen BILD Lesers herunter. Vielleicht hilft das beim Verständnis ... ;-)
Ich lehne Kinderpornografie in jeder Form entschieden ab. Weiter bin ich der Meinung, das die Verbreiter und u.U. auch die Konsumenten von Kinderporografie in den Knast gehören.
Trotzdem halte ich den Einsatz von Zensur für den völlig falschen Ansatz. Erstens, weil die dazu vorgesehenen Mitel technisch völlig wirkungslos sind. Zweitens, weil sich mit der gleichen Argumentation auch andere Webinhalte zensieren oder verbieten lassen und damit unsere Grundrechte unverhältnismäßig eingeschränkt werden.
Kleiner Exkurs ins Staatsrecht: Ein staatlicher Eingriff in Grundrechte ist - wenn überhaupt - nur dann zulässig, wenn die eingesetzten Mittel geeignet sind, das angestrebte Ziel zu erreichen und Vater Staat kein milderes Mittel zur Verfügung steht. Alle diese Voraussetzungen sind hier meiner Ansicht nach nicht erfüllt.
Kommen wir mal zurück zur Heuchelei. Man kann nicht zum Schutze der Kinder Webinhalte sperren und gleichzeitig zulassen, das z.B. Darstellungen von vergewaltigten oder sonst zu irgendwelchen Fotos gezwungenen erwachsenen Frauen weiter im Netz gezeigt werden. In beiden Fällen geht es um den Schutz der Menschenwürde und der körperllichen Unversehrtheit. Da spielt das Alter überhaupt keine Rolle.
Wer bei Kinderpornos nach Zensur schreit und sich gleichzeitig an entsprechenden Fotos erwachsener Fotos aufgeilt ist für mich ein Heuchler. Ich gebe gerne zu, dass vermutlich der Großteil des Bildmaterials mit erwachsenen Frauen auf freiwilliger Basis entstanden und damit zumindest rechtlich unbedenklich ist.
Das kann man als Betrachter aber leider nie so genau wissen, Deshalb kann man auch nicht ausschließen, dass diese Bilder unter Zwang oder Einsatz von Gewalt zustande gekommen sind.
Im Zweifel müsste man solche Darstellungen konsequenter Weise ebenfalls zensieren oder verbieten.
Wenn man aber erst einmal mit dem Zensieren angefangen hat, dauert es meist nicht mehr lange, bis auch andere Inhalte zensiert werden, die bestimmte Persnengruppen für geschmacklos, widerwärtig oder politisch nicht korrekt finden. Das halte ich für eine mehr als bedenkliche Entwickung,
So, und jetzt kannst Du Deine eigene Erbse wieder ein bisschen rappeln lassen. Vielleicht kommt dabei mehr raus als beim letzten Versuch.
Weitere Ausführungen/Details über die sexuellen Interessen meiner Mitmenschen oder gar Mutmaßungen über die meinen finde ich in diesem Zusammenhang allerdings nur mäßig spannend ... ;-)
23:43
Und wenn es sein muss, poste ich das hier jeden Tag! Ich lasse mich doch nicht von so einer lächerlichen Figur beleidigen!
23:41
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23:36
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23:30
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10:41
@Ärgalisch: Echt? Das sollte gar nicht witzig sein. Möchte da etwa jemand weiter ungestört Möpse im Internet betrachten und wäre ärgalisch, wenn das nicht mehr so einfach ginge? Tstststs ... ;-))
00:34
@Saubermann, kauf dir einen Laser, damit kannst du Haare noch genauer spalten. Du Witzfigur!