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Geocaching-Konferenz

Geocacher wehren sich gegen Kritik von Jägern und Naturschützern

08.06.2012 | 15:48 Uhr
Schatzsuche im Wald: Wenn Geocacher mit einem GPS-Empfänger oder einem Smartphone versteckte „Schätze“ suchen, stoßen sie nicht immer auf Verständnis bei Jägern und Naturschützern.

Schwerte.   Geocaching, die Schatzsuche im Wald ist in der Kritik. In Schwerte diskutieren bis Sonntag 350 Geocacher aus Nordrhein-Westfalen über ihr Umweltverhalten und die Probleme mit Jägern und Naturschützern.

Mit Wanderern, Mountainbikern und Pilzsuchern verbindet Geocacher die Liebe zur Natur. Doch das Verstecken und Suchen von „Schätzen“, kleinen Schachteln oder Plastikbehältern, mit Hilfe eines Satellitenempfängers im Wald ist Jägern und Naturschützern ein Dorn im Auge. 350 Geocacher diskutieren bis Sonntag in Schwerte auf einer überregionalen Konferenz über ihr Umweltverhalten und die Kritik daran. Mit dem Dortmunder Jan Tacke (37) aus dem zehnköpfigen Organisationsteam sprach Michael Schmitz.

Was ist Anlass Ihrer Konferenz?

Jan Tacke: Die negative Presse macht uns schon Sorgen, sie fällt ja nicht vom Himmel. Einer der Gründe ist: Es gibt Geocacher, die sich nicht ordentlich verhalten. Auf der anderen Seite haben Geocacher keine Lobby. Die Jäger sind organisiert, die Naturschützer auch. Wir müssen uns vernetzen, wir müssen den Dialog suchen und die positiven Dinge, die wir tun, hervorheben.

INFO
Baumschonendes Klettern im Programm

Auf dem Programm Auf dem Programm der Geocaching-Konferenz „GecKo“ im Naturfreundehaus Ebberg in Schwerte steht u.a. eine Höhlenbegehung und Exkursion in Dortmund-Syburg durch 400 Jahre alte Bergwerksstollen.

Es gibt auch Schnupperkurse für baumschonendes Klettern. „Eine strittige Sache“, sagt Jan Tacke von der Konferenzleitung, „aber manche Förster zeigen uns Bäume, die sich dafür eignen und welche nicht.“

Mehrere Zehntausend Verstecke in NRW

Über was sprechen Sie genau?

Über das Thema „Geocaching und Natur – ein Spannungsfeld?!“ Geocaching hat einen Boom erlebt. Mittlerweile ist es keineswegs mehr ein Außenseiterhobby. Allein in Nordrhein-Westfalen wird die Zahl der Geocacher auf 25.000 geschätzt.

Nach wie vielen Verstecken in freier Natur suchen sie?

Weltweit gibt es 1,7 Millionen sogenannte caches, in Deutschland bewegen wir uns bei rund 180.000, davon mehrere Zehntausend in NRW. Rund um unseren Konferenzort Schwerte werden es 2500 sein.

Wie sind Geocacher organisiert: in Vereinen oder sind es überwiegend Einzelgänger?

Geocacher sind in der Regel gar nicht organisiert, es ist ein Individualistenhobby. Man vernetzt sich übers Internet, die größte Plattform heißt geocaching.com. Von dort aus kann man auf die Suche nach Koordinaten und Caches gehen. Persönlich trifft man sich bei lokalen Stammtischen oder Events.

„Wir hegen unser Revier“

Naturschützer und Jäger fühlen ihre Belange von diesem Hobby beeinträchtigt.

Geocaching ist ein Hobby, das sich quer durch die Gesellschaft zieht. So groß und breit dieser Querschnitt ist, ist auch das Verhalten der Geocacher. Als es nur wenige Hundert in Deutschland gab, ist es nicht aufgefallen, wenn sich mal einer falsch verhalten hat. Jetzt ist ist die Zahl größer und die Öffentlichkeit nimmt Anstoß daran. Unsere Grundsätze sagen aber, das wir unser Spielfeld, die Erde und ihre Natur, respektieren und schützen wollen. Mit den CITOS hegen wir unsere Reviere auch wie Angler oder Jäger das tun.

Was ein CITO ist, müssen Sie uns mal kurz erklären.

Das ist ein Kürzel für „Cache in, trash out“. Wir gehen in die Natur, legen ein Versteck an und nehmen den Müll mit, den wir unterwegs finden. Es gibt Cacher, die haben immer einen Müllbeutel dabei, aber es gibt auch organisierte Events. In Dortmund haben wir die Bittermark aufgeräumt und 2,5m2 Müll entfernt.

Um auf die Vorwürfe zurückzukommen. Der Nabu beschwerte sich über regelrechte „Trampelpfade“ vor einer Fledermaushöhle in der Eifel, in der 30.000 bis 50.000 Tiere überwintern. Jäger kritisieren, dass der Fressrhythmus des Wildes gestört wird, wenn Geocacher nachts mit Taschenlampe unterwegs sind oder dort klettern, wo Uhus oder Falken nisten.

Es gibt eine Fledermausschutzzeit von 1. Oktober bis 31. März. Alle mir bekannten Caches werden in dieser Zeit zugemacht, das heißt: In der Schutzzeit wird dort nicht gesucht.

Video
Im Westfalenpark Dortmund kann man Geocaching lernen. Das ist Schnitzeljagd per GPS.

Mit Förster diskutiert

Darf man von Ihrer Konferenz eine Art bindende Selbstverpflichtung erwarten?

Wir wollen zunächst Brücken bauen zu Jägern und Förstern. Eigentlich auch zu den Naturschutzverbänden. Leider haben uns BUND als auch Nabu abgesagt bei unserer Podiumsdiskussion. Wir wollen über den Dialog negative Vorfälle vermeiden und umweltpädagogisch einwirken. Man kann nur schützen, was man kennt. Ich weiß nicht, wo der Wanderfalke brütet und dieses Gebiet meiden, wenn mir das nicht jemand erklärt hat.

Gibt es Beispiele für einen solchen Dialog?

In Kleve hatte vor einer Woche ein Revierförster die Geocacher eingeladen, die in seinem Revier Verstecke angelegt haben. Wir haben über Probleme diskutiert, wenn zum Beispiel ein Cache an einer Äsungsstelle des Wildes platziert ist oder über Routen, die wir gehen dürfen. Das war ein sehr nützlicher Dialog für beide Seiten. In Hattingen haben Geocacher beim Bau eines Biotops für Eidechsen geholfen.

Brauchen Geocacher eine Erlaubnis, Verstecke in der Natur anzulegen?

Es gibt das Waldbetretungsrecht, das uns wie Spaziergängern, Pilzsammlern oder Mountainbikern erlaubt, zu Erholungszwecken in den Wald zu gehen. Bei privaten Grundstücken muss das Einverständnis des Eigentümers vorliegen.

Herr Tacke, wie begrüßen sich denn Geocacher untereinander?

Happy hunting! Im Prinzip sind wir ja auch Jäger. Nur jagen wir kein Wild, sondern „Schätze“ in Tupperdosen.

Michael Schmitz

Kommentare
09.06.2012
20:30
Geocacher wehren sich gegen Kritik von Jägern und Naturschützern
von Franz_Gerber | #4

Ich hoffe, dass sich bald wieder Bär und Wolf in unseren Wäldern ansiedeln, dann löst sich das Problem ganz von selbst.

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2012-06-08 15:48
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