Das aktuelle Wetter NRW 8°C
Hochschulen

Taxifahrer mit Diplom? - Uni Duisburg-Essen hilft ausländischen Akademikern

19.02.2013 | 20:40 Uhr
Taxifahrer mit Diplom? - Uni Duisburg-Essen hilft ausländischen Akademikern
Gut gelaunt: die Teilnehmer aus dem ersten Semester.Foto: Frauke Schumann/Uni Duisburg.-Essen

An Rhein und Ruhr.   Mit einem speziellen Förderprogramm namens „ProSalamander“ ermöglicht die Universität Duisburg-Essen ausländischen Akademikern einen hiesigen Studienabschluss. Für viele ausländische Akademiker, die als Taxifahrerin mit Magisterabschluss oder als Kellner mit Diplom arbeiten, ist das Programm der Universität Duisburg-Essen die letzte Rettung.

„Ich hatte schon fast aufgegeben“, sagt Ruta Peci. Die 39-Jährige Litauerin hatte sich schon beinahe damit abgefunden, dass sie trotz eines abgeschlossenen Studiums in ihrer Heimat hier als Altenpflegerin arbeiten würde. Jetzt aber studiert sie – und wenn alles klappt, hat sie nach nur anderthalb Jahren ihren Bachelor in Betriebswirtschaft. In Deutschland. Genauer: an der Uni Duisburg-Essen.

Mit dem Programmn „ProSalamander“ versucht die hiesige Universität gezielt hier lebende ausländische Akademiker anzusprechen, deren Abschlüsse oft Jahre zurückliegen und auf dem hiesigen Arbeitsmarkt nicht anerkannt werden. Die Folge: Während allerorten der Fachkräftemangel beklagt wird, arbeitete Bauingenieur Maxim Chebotarev als Gärtner. Die Abteilungsleiterin einer brasilianischen Bank, Rossanna Szalaty, saß an der Supermarktkasse – und das bei dem so vielstimmig beklagten Fachkräftemangel hierzulande.

Taxifahrer mit Magister, Kellner mit Diplom

Für viele ausländische Akademiker, die als Taxifahrerin mit Magisterabschluss oder als Kellner mit Diplom unter ihren intellektuellen Fähigkeiten beschäftigt werden, ist das Programm der Universität Duisburg-Essen die letzte Rettung. „Ich habe es mit der Fern-Universität versucht, aber allein lernen, das ging nicht“, erklärt Ruta Peci. „Jetzt bin ich endlich nicht mehr allein. Und mit so vielen jungen Menschen lernen, das tut gut.“

Info
Prosalamander- die zweite Runde beginnt

Prosalamander ist eigentlich eine Abkürzung und steht für – bitte festhalten: Programm zur Stärkung ausländischer Akademmiker/innen durch Nachqualifizierung an den Universitäten Duisburg-Essen und Regensburg.

Unterstützt wird das Programm von der Stiftung Mercator mit knapp 2,4 Millionen Euro, ein Bonner Büro begleitet das Projekt wissenschaftlich.

An der hiesigen Uni gibt es in der zweiten Runde 23 Plätze für Ingenieure und Wirtschaftswissenschaftler, die im Ausland einen Abschluss gemacht haben.

Geboten wird eine umfassende Betreuung mit Mentoren und Coach sowie ein Stipendium von 600 bis 800 Euro.

Bewerben kann man sich bis zum 15. März. Genauere Infos gibt es unter: www.uni-due.de/prosalamander oder unter Tel.: 0203/3797018

1996 kam sie als Au-Pair-Mädchen nach Deutschland, wollte eigentlich studieren, traf aber ihren heutigen Ehemann und kümmerte sich zunächst um ihre Tochter. „Wir wollten, dass sie aufs Gymnasium geht“, sagt die Bochumerin. Und nebenher studieren oder arbeiten, das ging nicht: „Ohne Betreuung kein Job, ohne Job kein Betreuungsangebot“, beschreibt sie die Zwickmühle. Dabei hatte sie schon ein abgeschlossenes Studium aus Litauen in der Tasche. Jetzt geht es für sie wie für alle anderen neun Stipendiaten darum, fachlich und sprachlich den Anschluss zu schaffen. „Ich kann gut Deutsch, aber für die Fachsprache musste ich wieder meine Wörterbücher herauskramen“, erzählt sie.

Vor dem Studienstart steht eine genaue Prüfung

Vor dem Studienstart stand eine genaue Prüfung: Welche wissenschaftlichen Kenntnisse sind da? Wie ist das allgemeine und das fachsprachliche Niveau? Danach wird der Studienplan erstellt, und in drei bis vier Semestern, also maximal zwei Jahren, haben die ausländischen Akademiker einen gleichrangigen inländischen Abschluss – auch, wenn das erste Studium oft schon Jahre oder gar Jahrzehnte zurücklag.

„Es geht uns als Hochschule um den allgemeinen Bildungsauftrag und darum, dieser Klientel ein vernünftiges Angebot zu machen“, erklärt Anna-Katharina Jacob vom Projektbüro an der Uni Duisburg-Essen. Dazu gehört auch die finanzielle Absicherung der Studierenden, die oft weder für Bafög noch für Mittel der Agentur für Arbeit infrage kommen: Denn einen Job haben sie ja oftmals. Zunächst ist das Projekt auf zwei Durchgänge beschränkt, 23 Plätze kann die Uni noch vergeben an Ingenieure oder Wirtschaftswissenschaftler, die die Voraussetzungen erfüllen. „Wir rechnen m it mehreren hundert Bewerbern“, erklärt Anna Katharina Jacob. Die Nachfrage zeige, wie wichtig das Projekt ist – die Uni will versuchen, daraus ein langfristig finanziertes Projekt zu machen. Damit noch mehr Akademiker wie Ruta Peci ihre Chance bekommen – und wir alle von ihren Fähigkeiten profitieren können.

Stephan Hermsen



Kommentare
Aus dem Ressort
NRW-Millionen können Etat-Loch in Gelsenkirchen nicht füllen
Stadtfinanzen
Das Land NRW hat die aktuellen Zahlen für Gelsenkirchen vorgelegt: Im nächsten Jahr sollen voraussichtlich 319 Millionen Euro an die Stadt überwiesen werden. Doch trotz der Zuwendungen des Landes und der eigenen Steuereinnahmen bleibt im nächsten Jahr ein Haushaltsloch von 43,8 Millionen Euro.
Vermüllte Dächer in Duisburg-Marxloh sind teilweise geräumt
Wilde Müllkippe
Der Protest hatte Erfolg: Am Mittwochmittag wurde der Sperrmüll von einem Teil der Hausdächer in Duisburg-Marxloh geräumt. Die Kosten dafür übernimmt der Hauseigentümer. Auf anderen Dächern indes liegen noch Berge von Abfällen – und auf einem Wirtschaftsweg türmt sich der Müll weiterhin.
Mord an Madeleine W. - Angeklagter Stiefvater ist Psychopath
Prozess
Dem Mann, der seine Stieftochter, Madeleine W., umgebracht und in seinem Kleingarten einbetoniert haben soll, bescheinigt die psychiatrische Gutachterin vor dem Landgericht Essen „psychopathische Züge“. Er manipuliere und kontrolliere sein Umfeld, denke immer nur an eigene Interessen.
Polizei findet Toten an Umspannwerk in Oberhausen
Leichenfund
In einem Umspannwerk in Oberhausen hat die Polizei am Mittwoch die Leiche eines Duisburgers (38) gefunden. Der Mann hatte sich offenbar schon vor mehreren Tagen Zutritt auf das gesicherte, umzäunte Gelände verschafft. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen.
Windböe löste wohl Kölner Seilbahn-Panne aus
Seilbahn
Der Notfall an der Kölner Seilbahn über den Rhein vom Dienstag ist wahrscheinlich durch eine Windböe mit einer Geschwindigkeit von mehr als 100 Stundenkilometern verursacht worden. Eine Gondel sprang aus der Führung. Eine Familie mit zwei Kleinkinder musste Stunden in der Luft ausharren, bis...
Umfrage
Die Stadt Duisburg will Schul-Parkplätze an Lehrer vermieten – aber auch an Anwohner. Eine gute Idee?

Die Stadt Duisburg will Schul-Parkplätze an Lehrer vermieten – aber auch an Anwohner. Eine gute Idee?

 
Fotos und Videos
Flug über Frankreich 1
Bildgalerie
In 500 Metern Höhe...
Ehrengäste in lockerer Runde
Bildgalerie
NRZ Sportfete
Rockerkrieg in NRW
Bildgalerie
Bilderchronik
Forschung über Street Art in Siegen
Bildgalerie
Street Art