Das aktuelle Wetter NRW 2°C
Prozesse

Prozess um missbrauchte Patientin neu aufgerollt

31.05.2012 | 17:55 Uhr
Prozess um missbrauchte Patientin neu aufgerollt

Essen. Anvertraut war die 31-Jährige ihm, dem Psychiatriepfleger in der Landesklinik in Herten. Doch der 39-Jährige missbrauchte seine Vertrauensstellung, bedrängte die Patientin sexuell. Jetzt muss der Marler sich vor dem Landgericht Essen verantworten.

Zum zweiten Mal sitzt er dort, weil der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe seine erste Verurteilung aus formalen Gründen aufgehoben hatte. Im Februar 2011 erkannte die VI. Strafkammer auf zweieinhalb Jahre Haft wegen sexuellen Missbrauchs einer Widerstandsunfähigen, seit Donnerstag muss die VII. Kammer den Fall komplett neu aufrollen. Weil der Angeklagte Revision eingelegt hatte, kann das neue Gericht ihn aber nicht zu einer höheren Strafe verurteilen als zu zweieinhalb Jahren aus der ersten Instanz.

Ein Ausnahmefall. Denn das Opfer ist eine psychisch schwer gestörte Frau. Offenbar Folge des sexuellen Missbrauchs durch den eigenen Vater in ihrer Kindheit. Suizidgefährdet ist sie und nicht in der Lage, Forderungen eines anderen Menschen zurückzuweisen. Oft verfällt sie dann in eine „dissoziative Störung“, eine Art Trance. Ende 2008 war sie deshalb in der Hertener Klinik, ihr Zustand besserte sich, sie durfte probeweise nach Hause gehen.

Der Pfleger ging mit, besuchte sie dort mehrfach, obwohl ihm und seinen Kollegen von den Ärzten eingeschärft wurde, keinen privaten Kontakt zu der Patientin aufzunehmen. Allen sei auch bekannt gewesen, dass sie nicht Nein sagen könne, hatte im ersten Prozess der behandelnde Arzt gesagt. Daran hielt der Pfleger sich nicht. Er küsste sie, streichelte sie unter ihrer Kleidung: „Heute weiß ich, dass ich als Krankenpfleger und auch als Mensch versagt habe.“ Er habe ihren Zustand aber nicht ausgenutzt, sondern Zuwendung gesucht. Durch den neuen Prozess muss auch die 31-Jährige gehört werden. Im ersten Verfahren hatte die Kammer darauf verzichtet, weil eine Psychologin Suizidgefahr befürchtete. Der Zustand der Frau soll sich aber gebessert haben.

Stefan Wette



Kommentare
Aus dem Ressort
Sperrung im Kreuz Kaiserberg wegen Markierungsarbeiten
Verkehr
Autofahrer müssen am Wochenende mit Verkehrsbehinderungen im Autobahnkreuz Kaiserberg rechnen: Wegen Markierungsarbeiten werden die Verbindungen von der A3 aus Köln und Oberhausen kommend auf die A40 in Fahrtrichtung Venlo am Samstag von 8 bis 14 gesperrt. Eine Umleitung wird eingerichtet.
Schleier-Verbot an Grundschule - viel Zuspruch für Rektorin
Integration
Das Niqab-Verbot an einer Essener Grundschule schlägt hohe Wellen. 96 Prozent der Schüler stammen aus Einwandererfamilien, die Schule gilt als Musterbeispiel für eine erfolgreiche Integrationspolitik. Doch Toleranz hat auch hier Grenzen. Die resolute Rektorin erfährt viel Zustimmung.
Brutaler Raub in Schnellrestaurant - Polizei sucht Zeugen
Raubüberfall
Die Polizei in Düsseldorf sucht dringend Zeugen, um einen brutalen Überfall auf eine 50-jährige Angestellte eines Fastfood-Restaurants in der Altstadt aufzuklären. Bisher wissen die Ermittler nur, dass die Frau übel zugerichtet wurde. Nicht aber, wer ihr die schweren Verletzungen zugefügt hat.
Kleinkind tot - Freund der Mutter unter Mordverdacht
Mordkommission
Nachdem eine Mutter ihr zweijähriges Kind leblos in ihrer Wohnung in Bochum gefunden hat, richten sich die Ermittlungen der Polizei nun gegen den Lebensgefährten der Frau. Der 39-Jährige sitzt in Untersuchungshaft. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts des Mordes. Die Anwohner sind geschockt.
Unfälle auf A 43 und A 40 sorgen für Staus im Ruhrgebiet
Autobahnpolizei
Zwei Unfälle auf der A 43 und der A 40 auf Bochumer Stadtgebiet haben am Freitagnachmittag für lange Staus im Ruhrgebiet gesorgt. Auf der A 43 fuhr ein Laster in ein Stauende, das der Fahrer offenbar zu spät bemerkt hatte. Eine Autofahrerin erlitt bei der folgenden Kollision schwerste Verletzungen.
Umfrage
Der deutsche Beitrag zum Spenden-Song