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06.11.2007 | 22:08 Uhr

Gelsenkirchen/Dinslaken. Finanzschwache Vereine rangeln um das Zukunftskonzept. Auch auf der Bahn in Dinslaken wird das Eis dünn.

Sind die Tage des deutschen Trabersports gezählt? "Nach jetzigem Stand wird es ab dem 1. Januar 2008 keine Trabrennen mehr geben", sagt Christian Herz. Der Milliarden schwere Unternehmer der Tchibo-Dynastie ist Chef des "win race"-Trabrennvereins in Gelsenkirchen. Er hat den Trabern zwei Millionen Euro als Anschubfinanzierung angeboten, um einen neuen Vertrag für die Fernseh-Bildübertragung und Wetttechnik zu finanzieren. Die von der Pleite gefährdeten Rennvereine können dieses Geld nicht mehr selbst aufbringen. Doch Herz verknüpft die Millionen mit einer Bedingung: Alle neun deutschen Vereine müssen mitmachen.

Hauen und Stechen auf höchster Ebene

Doch genau das wollen die Rennvereine Berlin-Karlshorst, Hamburg-Bahrenfeld und Pfaffenhofen nicht. Das Trio hat sich zur Traberliga zusammengeschlossen und möchte eigenständig handeln. Besonders deutlich wird Jürgen Hunke, Präsident der Hamburger Traber und Aufsichtsrats-Mitglied des Fußball-Bundesligisten HSV: "Herr Herz will den deutschen Trabersport privatisieren und wir wollen, dass der Sport sich selbst führt."

Das Hauen und Stechen im Trabrennsport auf allerhöchster Funktionärs-Ebene hat einen Hintergrund: Im September dieses Jahres hatte sich die "Deutsche Traberliga" gegründet. Sie macht dem eigentlichen Dachverband der Traber - dem sogenannten HVT - seitdem Konkurrenz. Gründungsmitglied der Traberliga ist auch Sulky-Legende Heinz Wewering, der wegen mangelnder Verdienstmöglichkeiten im deutschen Pferderennsport, sein Glück in Italien sucht.

Der Hamburger Traber-Boss Hunke will als Vizepräsident der Traberliga den Sport auf seine Weise retten: Er sucht den Schulterschluss mit Buchmachern und Sponsoren.

Im Gegensatz zu diesem Konzept will Christian Herz "mit breiter Brust" das Geld von den Buchmachern zurückholen. "Dort liegen 65 Millionen Euro, die wir über die Fernseh-Bildrechte bekommen müssen, dann ist die Existenz der Traber im ersten Schritt wieder gesichert", so Herz.

An diesem Geld der Buchmacher machen die Rennvereine ihren Niedergang fest. Früher hatten sie direkten Zugriff auf die Summen, die an ihren Wettschaltern der Bahn flossen. Doch durch neue Fernsehverträge verlagerte sich das Wettgeschäft zunehmend zu den Buchmachern und ins Internet. Die Provisionen, die aus diesen Wetten an die Vereine abgeführt werden, sind gering.

Der Umsatz fiel von 214 auf 36 Millionen

Herz glaubt, mit seinem Angriffs-Konzept die richtige Lösung zu haben. Auf die setzen mit ihm die Rennvereine Dinslaken, Gelsenkirchen, Mönchengladbach, Berlin-Mariendorf, München-Daglfing und Straubing. "Wenn das Herz-Konzept platzt, dann dürfen diese Vereine gerne zur Traberliga kommen", versichert dagegen wiederum Hunke im Gespräch mit der NRZ.

Dies werde aber sicher nicht der Fall sein, ist Theo Lettgen, Präsident des Dinslakener Rennvereins, überzeugt: "Es gibt einen Beschluss unseres Gesamt-Vorstandes, dass wir uns dem Herz-Vorschlag anschließen. Und dabei bleibt es auch. Ich hoffe, dass die drei Traberliga-Vereine ihre Meinung ändern."

Denn auch in Dinslaken, der umsatzstärksten der deutschen Trabrennbahnen, wird das Eis dünn. Um die leere Vereinskasse auszugleichen, versuchte man kürzlich, ein leerstehendes Tribünenhaus an einen Investor zu verkaufen, der dort eine Erlebnisgastronomie eröffnen wollte. Doch diese Pläne scheiterten. So wie jene, die Erbpacht für ein städtisches Grundstück für rund 240 000 Euro zu verkaufen. Es fehlte die politische Rückendeckung, weil man für den Trabrennsport keine Perspektive sehe und nicht in eine ungewisse Zukunft investieren wolle, beschloss eine Ratsmehrheit.

Ob Herz sein Millionenangebot weiter aufrecht erhält, steht noch nicht fest. "Ich habe mein Geld den Trabern wie sauer Bier angeboten. Aber mich auf den Boden legen und darum bitten, werde ich sicher nicht", so Herz. Dabei müsste die Offerte eigentlich zu Jubelschreien führen, denn alle Renn-Veranstalter sind gefährdet wie nie. Der Jahresumsatz des deutschen Trabersports ging von 214 Millionen Euro im Jahr 1993 auf 36 Millionen in diesem Jahr zurück. (NRZ)

Udo Mentel und Ralf Kubbernuss



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