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Justiz

Geisterfahrer muss zweieinhalb Jahre ins Gefängnis

17.05.2010 | 17:32 Uhr
Geisterfahrer muss zweieinhalb Jahre ins Gefängnis

Langenfeld. Er war völlig betrunken, als er einen Unfall baute, bei dem drei Menschen starben. Am Montag hat das Schöffengericht Langenfeld den 23-jährigen Hildener Pascal B. zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Seine Entschuldigung konnten die Hinterbliebenen der Opfer nicht akzeptieren.

Der 23-jährige Hildener Pascal B., der im Juni 2009 auf der A 59 als Geisterfahrer in den Wagen einer sechsköpfigen Familie krachte und drei Menschen tötete, ist am Montag vom Langefelder Schöffengericht zu 30 Monaten Haft verurteilt worden.

30 Monate Haft, weil selbst wild durcheinander getrunkene Mengen Wodka und Jägermeister ihn nicht völlig schuldunfähig gemacht haben, entschied das Schöffengericht Langenfeld. „Er war sich durchaus bewusst, dass er sich alkoholisiert ans Steuer gesetzt hat“, so Richter Peter Strauß. Und auch, wenn der 23-Jährige den Tod von Mutter (32), Großmutter (78) und Baby (1) „nicht geplant und nicht beabsichtigt“ habe – die Gefährdung des Straßenverkehrs sei vorsätzlich gewesen. Immerhin gab es ja jenen Anruf bei den Freunden, die B. an einem Baggersee zurückgelassen hatte: „Ich habe einen Unfall gebaut.“

„Hohes Maß an Verantwortungslosigkeit“

Dabei waren es zwei: Pascal B., der nach einem Streit davongebraust war, touchierte zunächst die Leitplanke, sein Wagen drehte sich, die Scheinwerfer verloschen. Dann fuhr er mutigen Zeugen, die ihn zu stoppen versuchten, davon. Unbeleuchtet und in verkehrter Richtung auf der linken Spur krachte er wenig später mit dem Kombi zusammen, schob das Wrack über die Mittelplanke. Seine Erinnerung an dieses von Zeugen rekonstruierte Geschehen setzt erst im Krankenhaus wieder ein.

„Ein hohes Maß an Verantwortungslosigkeit“ erkennt die Staatsanwaltschaft in B.s Verhalten. Er habe eine Familie zerstört, ihr ein „lebenslanges Trauma“ zugefügt. Tatsächlich hatte der damals schwer verletzte Witwer nicht die Kraft, dem Prozess persönlich zu folgen. Und der Vertreter seines Sohnes erzählt, wie dieser seinem Umfeld immer wieder entflieht: „Er hat kein Gefühl mehr für das, was sein Zuhause ist.“ Erst kürzlich sei der Zehnjährige, der Oma, Mutter und Schwester verloren hat, weinend ins Bett des Vaters gekrochen: „Ich habe keine richtige Familie mehr.“

„Das Schlimmste ist, dass er seinen Führerschein zurückbekommt“

Alle drei beteiligten Rechtsanwälte legen sich deshalb nicht auf ein Strafmaß fest: „Es ist fast nicht möglich, eine Strafe zu finden, die den Opfern gerecht wird.“ Die Angehörigen im Saal wissen das, „das gibt nicht viel“, sie kennen den Spielraum des Amtsgerichts: Mehr als vier Jahre kann es nicht verhängen, und verminderte Schuldfähigkeit steht außer Frage. Nach einem bitteren Zwischenruf entschließt sich Richter Strauß trotzdem zu einer Erklärung: Man habe „die Tragödie“ juristisch zu beurteilen. „Es gibt keine mathematische Verteilung nach Zahl der Opfer.“

Zweieinhalb Jahre aber sind mehr als Bewährung, immerhin; einen Augenblick sehen die Hinterbliebenen erleichtert aus. Dann aber sagt Ylber V., Neffe einer Getöteten: „Für mich ist das Schlimmste, dass er in vier Jahren seinen Führerschein zurückbekommt. Dann passiert es wieder.“ Pascal B. aber trinkt nicht mehr seit jener Juninacht. Er sitzt auch diesmal wieder gebeugt in der Anklagebank, zitternd und mit malmendem Kiefer. Er hat sich entschuldigt, „es tut mir so leid“, hat er gesagt und erneut geschworen: „Ich würde alles tun, um es rückgängig zu machen.“ Aber der 23-Jährige weiß längst, dass die Familie V. seine hilflosen Versuche nicht hören will: „Er hat drei von uns totgefahren. Das ist nicht zu entschuldigen.“

Annika Fischer

Kommentare
18.05.2010
11:41
Geisterfahrer muss zweieinhalb Jahre ins Gefängnis
von Monheim_Firefighter | #15

Wenn man(n) sich die letzten Kommentare zu diesem Artikel durch liest, stellt sich einem klardenkenden Menschen die Frage sind einige der...
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2010-05-17 17:32
Rhein und Ruhr