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Das Sprungbrett im Laufsteg

30.11.2007 | 19:41 Uhr

MOTOR SHOW. Neun Models wollen "Tuning Queen" werden - und sind reif für die Pinsel: Ein Blick hinter wackelige Kulissen.

ESSEN. Es ist kurz nach 14 Uhr, und Melanie Erdt weiß: Die Mädchen sind schon wieder reif für die Pinsel. Die Visagistin sagt: "Dahinten hat gerade eine ihr Lippgloss aufgefuttert," und sofort wird nachgeschminkt. Neun Mädchen gehen heute, am Eröffnungstag der Essener Motor Show, auf den Laufsteg, um die Wahl zur "Tuning Queen" zu gewinnen.

Die zehnte Kandidatin fällt aus, sie hatte auf dem Weg zur Motor Show einen - Autounfall.

Der Raum hinter der Bühne, in dem alle auf die Generalprobe warten, ist gar kein richtiger Raum. Die Messebauer haben Kunststoffwände zusammengeschoben, es wackelt, wenn von außen einer dagegen stößt. Hinter der Wackelwand steht für jedes Mädchen ein Tisch, davor ein grauer Plastikstuhl, mit Tesafilm hat jemand die DIN-A-4-Zettel mit den Namen über die Tische gehängt.

Alles sieht eher nach einem Geschmacksunfall aus als nach der großen Welt der Models. Aber die Mädchen haben längst ihre innere Festbeleuchtung angeknipst. Zwischen den Tischen und Stühlen proben sie noch einmal die Choreographie, mit der sie gleich zum Test auf die Bühne schweben.

Sie lächeln sich an, aber in Wirklichkeit ist ihr Verhältnis wie das zwischen Muhammad Ali und Joe Frazier bei einem Kampf um die Schwergewichts-WM. Isabel Glenz beschreibt es so: "Im Moment wirken wir wie ein Team, das nett miteinander umgeht. Aber es kann nur eine gewinnen, und das will jede sein."

Isabel Glenz ist 18 Jahre alt und kommt aus Essen. Warum stellt sich ein hübsches Mädchen am Samstag einmal in einem roten T-Shirt und Jeans und einmal im weißen Bikini mit weißen Pumps auf einem Laufsteg vor die Besucher der Motor Show? "Weil ich als Model mein Geld verdiene, und bei der Wahl zur Miss Tuning gewinnen möchte", sagt sie.

Isabel arbeitet seit fünf Jahren als Model. "Mit 13 habe ich angefangen, und mittlerweile kann ich davon leben." Sie war gerade drei Tage für eine Modenschau in Bangkok, demnächst steht vielleicht Hongkong auf dem Programm, und im Sommer will sie auch noch ihr Fach-Abitur bestehen.

Reden ist nicht so mein Ding

Die 18-Jährige erzählt gerne. "Extrovertiertheit gehört bei uns doch einfach zum Geschäft", findet sie und zaubert ein esstellergroßes Lächeln aufs Gesicht.

Nicht für alle. Maria Werner bleibt sitzen, als die anderen acht Mädchen vor der Generalprobe noch rasch zum Pommes-Stand auf der Messe gehen. Reden möchte sie auch nicht: "Ist nicht so mein Ding", sagt sie und lächelt.

Endlich beginnt die Generalprobe, ein getunter Wagen - mehr Ozean-Riese als Auto - rollt vor die Bühne. Die Mädchen bauen sich auf, die ersten Zuschauer bleiben stehen, und im Publikum verwechseln einige Herren schon in den ersten Augenblicken Rumor mit Humor.

Kathleen Jung aus Bindlach bei Bayreuth hat sich die Haare zu einer dezent roten Irokesenfrisur aufgetürmt. Mit ihrer eher dunklen Haut wird sie bestimmt nie einen Sonnenbrand bekommen, sondern im Sommer braun werden wie schönes, altes Holz. Aber im November riecht die Luft nach Schneeregen, und die Mädchen tragen bis zur Minute vor dem Auftritt ihre Jacken.

Isabel Glenz weiß, wie sie mit dem Publikum spielt. "Keine hat bei der Wahl soviel Erfahrung wie ich", glaubt sie und zieht diesen Trumpf sofort aus dem Ärmel. Sie flirtet mit den Fotografen. In fünf Jahren will sie in New York sein. "Als Schauspielerin und Model."

Geld kriegt keins der Mädchen für den Auftritt bei der Wahl zur Tuning Queen. Aber die Siegerin wird "das Gesicht der Motor Show" und erhält zugleich ein professionelles Foto-Shooting. Die Bilder sind dann im Sommer in einem Tuning-Magazin zu sehen.

Der Testlauf auf der Bühne startet. Visagistin Melanie legt noch einmal Hand an. Die ältestes Kandidatin ist schon 29 Jahre alt, die kleinen Fältchen um ihre Augen herum sehen aus wie gezeichnete Zeit. Liebenswert, aber bei der Wahl zur Tuning Queen nicht gefragt.

Der Traum vomLamborghini

Müssen die Kandidatinnen einen Führeschein haben? "Keine Ahnung", sagt Isabel. "Ich habe jedenfalls einen." Ein Traumauto hat sie auch: Einen Lamborghini. In Schwarz. Aber falls sie heute die Wahl gewinnt, wird sie noch nicht im kleinen Schwarzen nach Hause fahren, sondern in ihrem kleinen Ford Ka. (NRZ)

RALF BIRKHAN

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