Das aktuelle Wetter NRW 16°C
Brandserie

Brände in Bochum - Mutmaßliche Täterin entlastete ihren Sohn

10.06.2012 | 17:22 Uhr
Brände in Bochum - Mutmaßliche Täterin entlastete ihren Sohn
Bettina P. wurde als mutmaßliche Brandstifterin festgenommen. Foto: Jakob Studnar

Bochum.   Sieben Mal hat es in einem Mehrfamilienhaus in der Bochumer Reichsstraße gebrannt. Jetzt hat die Polizei eine 47 Jahre alte Bewohnerin als Tatverdächtige festgenommen. Ihr eigener Sohn, der ebenfalls in dem Haus lebt, war zuvor ebenfalls festgenommen worden. Er habe mit der Sache nichts zu tun, hatte seine Mutter damals geschworen.

Der Schrecken hat ein Ende. Doch die Angst bleibt, überlebt – zumindest in den Bildern im Kopf, die die zuckenden Blaulichter der Feuerwehr hinterlassen haben. Es ist die 47-jährige Bettina P., die am späten Freitagabend festgenommen wird in ihrer Wohnung, im Haus, das sie, wie sie wenige Stunden später zugeben wird, sieben Mal angezündet hat. Obwohl sie am Samstag einen Teil des Geständnisses widerruft, nur für fünf der Brände verantwortlich sein möchte, reicht dem Richter die Last der Beweise. Er ordnet Untersuchungshaft an, wegen Verdachts der schweren Brandstiftung.

Festgenommen wird Bettina P. nur wenige Stunden, nachdem es in der Wohnung ihres ebenfalls im Hause lebenden Sohnes (26) zum bislang verheerendsten Feuer kam. Nur mit Mühe gelang es, ein Übergreifen der Flammen zu verhindern. Eine Bewohnerin, die sich hatte retten können, kündigte völlig verstört an: „Ich zieh' jetzt aus.“ Eine 76-jährige Mieterin hatte bereits nach dem sechsten Brand erzählt von großer Angst – sie schlafe nur noch „mit offenen Augen“.

„Das tut doch keiner, der klar bei Verstand ist“

Am Wochenende nach der Festnahme liegt der Brandgeruch noch in der Luft. Die verkohlten Fenster im Obergeschoss stehen weit offen. „Keine Presse!“ Medienvertretern wird die rußgeschwärzte Tür vor der Nase zugeschlagen. „Wir hoffen jetzt nur auf eines: Ruhe“, sagt eine Anwohnerin. Dass Bettina P. aus dem Erdgeschoss die Brandstifterin sein soll, erstaunt sie nicht: „Die war häufiger beim Psychiater. Das tut doch keiner, der klar bei Verstand ist. Schon gar nicht, wenn der eigene Sohn im Haus lebt.“

Zum ersten Mal drang beißender Qualm am 11. Mai, aus dem Keller des schlichten Mehrfamilienhauses mit seinen insgesamt acht Parteien im Stadtteil Hamme. Ein Routine-Einsatz für die Feuerwehr, verletzt wurde niemand. Nur drei Tage später brannte es erneut. Wieder im Keller. Müll stand in Flammen. Fünf Hausbewohner kamen ins Krankenhaus, eine ältere Frau musste mehrere Tage in der Klinik bleiben. Dann brannte es auf dem Dachboden und unter einem Stuhl in der Wohnung des Sohnes der 47-Jährigen. Längst hatten die Mieter Rauchmelder installiert, die schlugen fortan stets an, das unheimliche Gefühl nahmen sie nicht.

Polizei glaubte nie an Zufall

Schnell war für die Polizei klar, dass diese Serie kein Zufall sein konnte . Der 26-Jährige wurde festgenommen, kam aber wieder frei. Gegenüber der WAZ Mediengruppe erklärte Bettina P. damals fast beschwörend: „Er ist es wirklich nicht gewesen.“

Jetzt im Licht ihres Geständnisses klingt all das merkwürdig und zeigt gleichzeitig die Richtung an, die ein Motiv, eine Erklärung für all das geben könnte. „Die Staatsanwaltschaft fordert in solchen Fällen immer auch ein psychologisches Gutachten“, sagt Polizeisprecher Axel Pütter am Sonntag vorsichtig. Zu den Gerüchten, die Tatverdächtige sei bereits zuvor schon einmal in psychiatrischer Behandlung gewesen, möchte er sich nicht äußern.

Der Schrecken hat ein Ende, doch die Angst lässt sich nicht einfach ausschalten.

Michael Weeke und Jürgen Stahl



Kommentare
10.06.2012
21:10
Brände in Bochum - Mutmaßliche Täterin entlastete ihren Sohn
von jmeller | #3

Merkwürdig, als in Essen ein Straßenräuber gesucht wurde, hatte die WAZ den Artikel der Polizeipresse komplett übernommen. Nur ein einziger Satz wurde "vergessen". Nämlich das der gesuchte "einen dunklen Teint" hatte.

Bei der Verdächtigen oben sieht man ein Foto, liest Namen, das Alter und die Anschrift.

2 Antworten
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #3-1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

"einen dunklen Teint"
von Catman55 | #3-2

Korrekt heißt es: "maximalpigmentiert".

10.06.2012
20:23
Der unheimliche Brandstifter von der Bochumer Reichsstraße
von Catman55 | #2

Ja ungepixelt und mit vollem Namen. Selbst wenn sie es jetzt zugegeben hat, ist sie erst nach einer Urteilsverkündung wirklich schuldig. Also bitte baldigst löschen - es wäre nicht das erste mal, dass sich Jemand selbst beschuldig und unschuldig war.

10.06.2012
18:26
Bild
von Erbeck1 | #1

Diese Frau wurde ja bereits vor einiger Zeit mit einem Herrn ungepixelt bei einem anderem Bericht gezeigt - ein guter Eindruck sieht anders aus !!

Grundsätztlich halte ich unsere Polizei für fähig , aber hier hätte man die Hausaufgaben gründlicher machen müssen .

Aus dem Ressort
Vereine erwarten Boom bei den Mini-Kickern
Jugendfußball
2006 war es so nach der Weltmeisterschaft in Deutschland, 2011 auch nach der WM der Damen: Mehr kleine Kinder als sonst stießen zu den Fußballvereinen. Das wird auch jetzt wieder erwartet. Der Trainingsbetrieb läuft langsam an, die Eltern bringen ihre Sprößlinge – und erleben, das nicht immer alles...
Vereine erwarten Boom bei den Mini-Kickern
Jugendfußball
2006 war es so nach der Weltmeisterschaft in Deutschland, 2011 auch nach der WM der Damen: Mehr kleine Kinder als sonst stießen zu den Fußballvereinen. Das wird auch jetzt wieder erwartet. Der Trainingsbetrieb läuft langsam an, die Eltern bringen ihre Sprößlinge – doch nicht alles läuft immer rund.
Der Rhein-Herne-Kanal lebt
KanalLeben
Er prägt das Revier und seine Menschen, und am Samstag feiern sie ihn zum 100. Geburtstag mit einem „Tag des offenen Wassers“. Der Rhein-Herne-Kanal ist Heimat. Eine Erkundung mit Wander-Autor Uli Auffermann.
Taucher findet Granate in der Ruhr - Bergung notwendig
Sprengstoff
Essener Taucher entdecken in der Ruhr eine Art Mörsergranate, die nach der Polizei auch die Profis der Abteilung „Gefahrenabwehr und Kampfmittelbeseitigung“ der Bezirksregierung Düsseldorf auf den Plan gerufen hat. Die Granate muss geborgen werden.
Deutsche und Flüchtlinge im Revier helfen sich gegenseitig
Flüchtlinge
Die Zahl der Flüchtlinge die nach Deutschland kommen wächst. Das weckt vielerorts Ängste. Und doch gibt es gerade im Ruhrgebiet viele Beispiele dafür, dass es zwischen Asylsuchenden und deutschen Nachbarn auch ein gutes Miteinander geben kann. Dabei ist die Hilfe keinesfalls einseitig.
Umfrage
Die Städte in NRW fordern viele Millionen von Bund und Land, um marode Straßen zu reparieren . Wie zufrieden sind Sie mit dem Zustand der Straßen?
 
Fotos und Videos
Schmallenberg aus der Luft
Bildgalerie
aus dem Flieger
Lachyoga im Grugapark
Video
Entspannung
Fury Projekt hilft Jugendlichen
Video
Neue Perspektive