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Wo die Enten rennen

17.06.2012 | 19:35 Uhr
Wo die Enten rennen
Lustig: Entenennen auf der Lippe. Foto: Heiko Kempken

Wesel.   Die Fische in der Lippe werden sich gewundert haben. Gestern bekamen sie jede Menge Besuch. Schippert sonst gelegentlich ein Kanute mit seinem Boot über den Fluss, so verwandelte sich der jetzt für einen Tag in eine Rennstrecke.

Mehr als 1200 Quietscheenten eroberten den Weseler Lippehafen beim ersten Entenrennen, veranstaltet vom Lions Club Wesel. In mehreren Disziplinen traten des Menschen beste Badefreunde gegeneinander an. Und die rund 600 Besucher zeigten, dass das Event „Entenrennen“ viele Möglichkeiten bietet, die eigene Ingenieur-Kreativität auszuleben.

In der Tuning-Klasse war nämlich beinahe alles erlaubt, was die Enten schnell ins Ziel bringt. Der 16-jährige Justus Grolig hatte im Vorfeld den Keller seines Vaters geplündert und unter und um seine Ente herum eine Art schwimmende Festung mit Kiel gebaut. „Ich hab mir vorher Gedanken gemacht, wie ich die Ente stabilisiere, damit sie nicht untergeht, aber dennoch auch schnell voran kommt.“

Die wohl lauteste Konkurrenz kam vom Team der Organisatoren des Weseler Eselrock-Festivals. Vier aneinandergebastelte Quietscheenten und in der Mitte - natürlich, wie es sich für Musikfestival-Enten gehört: eine Mini-Anlage. „Wir haben den Schallwellenantrieb und vier Entenstärken“, so Simon Bleckmann.

Aufgemotzt mit Segelnoder stark im Konvoi

Gemeinsam mit rund 100 anderen aufgemotzten Enten, ausgestattet mit Segeln, festgebunden auf einer aufblasbaren Luftgitarre oder im Konvoi mit anderen, ging es dann mit dem Kanu hin zur Startlinie. Gegen die Strömung arbeiteten sich die Mitarbeiter des DLRG den Fluss rauf. Die Entenbastler standen gespannt am Ufer, verfolgten das Boot mit Argusaugen, immer einen Gedanken im Kopf: Hoffentlich setzt sich das Gefährt direkt richtig ins Wasser.

Dann aber verschwand das DLRG-Boot aus dem Blickfeld der Teilnehmer. „Die Startlinie liegt hinter einer Kurve. Das macht es noch spannender“, erklärte Wolfgang Jung vom Lions Club Wesel. Mit einem Fernglas betrachtete er die 400 Meter lange Rennstrecke.

Ohne ein besonderes Startsignal ging es dann los, die Enten schwammen los. Die Wetterbedingungen waren ideal. „Wir haben viel Wasser in der Lippe, dazu noch starken Wind und trotzdem Sonnenschein“, so Jung. „Die verschiedenen Strömungen machen es erst recht spannend. Man kann gar nicht genau sagen, welche Modelle da die besten Chancen haben. Da kommen halt die Naturgewalten ins Spiel.“

Am Uferrand wurde es unruhig, als die ersten Enten um die Kurve flitzten. Die meisten Schwimmer hielten sich, anders als die aufblasbaren Jumbo-Enten im Rennen zuvor, aufrecht im Wasser.

Besonders die kleinen Besucher fieberten mit. Die vierjährige Mila hatte ihre Quietscheente nicht mit technischen Spielereien aufgemotzt. Sie setzte auf Farbe. „Meine Ente ist ganz grün. Froschgrün - sie ist eine Frosch-Ente.“ Einige, wie der fünfjährige Maximilian, entschieden sich im letzten Moment noch um. „Meine Ente behalte ich lieber und nehme sie mit in die Badewanne.“

Am Ende zeigte sich dann auch, dass es gar nicht unbedingt auf ausgefeilte Konstruktionen ankommt, sondern auf den Willen und den inneren Antrieb von Ente und Bastler. Ganz klar entschied nämlich diejenige Ente das Rennen für sich, die mit einer Fahne und der schwarz-rot-goldenen Körperbemalung an den Start ging. Der zwölfjährige Simon Heikapell holte sich stolz den Hauptpreis, ein Fahrrad, ab und verkündete: „Das ist ein gutes Omen für die EM.“

Und da zeigt es sich deutlich, dieser Tage kommt niemand am Thema Fußball vorbei. Immerhin kann sich Wesel nun auch zu den Orten zählen, die ein eigenes EM-Orakel haben. Das ist Trend. Und so setzten die Veranstalter auch gleich noch ein Orakel-Rennen oben drauf. Es traten diverse Teams an, die auch bei der EM dabei sind.

Portugal siegtim Orakel-Rennen

Die Strömung der Lippe entschied dann England auf Platz eins, Portugal auf Platz zwei, Tschechien vor Frankreich auf Platz drei. Deutschland landete vor Dänemark. Und die Holländer? „Die tauchen eher unter ‘ferner liefen’ auf“, so Wolfgang Jung vom Lions Club.

Mit dem ersten Entenrennen ist er sehr zufrieden. „Wir können uns gut vorstellen, das zu einer regelmäßigen Veranstaltung zu machen.“

Anna Blaswich



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