Vertrieben aus dem Kifferparadies
09.01.2010 | 20:56 Uhr 2010-01-09T20:56:00+0100
Venlo. Venlos Bürgermeister Hubert Bruls möchte die Zahl der deutschen Coffeeshopbesucher deutlich senken. Die großen Coffeeshops haben sich zu wichtigen Verkaufsstellen der organisierten Kriminalität gewandelt.
„Ich bin nicht der Drogenlieferant von Europa.” Hubert Bruls hat es langsam satt: Der Bürgermeister von Venlo möchte nicht länger, dass seine Stadt als Kifferparadies für Deutschland herhält: „Ich möchte weg von diesem Image”, sagt Bruls und betont, dass Venlo auch noch andere schöne Seiten hat.
Das stimmt zwar: Aber trotzdem kommen viele Deutsche fast ausschließlich wegen des Cannabis'. 5900 Menschen besuchten im letzten Jahr täglich einen Coffeeshop in Venlo – und 65 Prozent der Kunden kamen aus Deutschland. Zu viel, findet Bürgermeister Hubert Bruls, der mit seinen Amtskollegen aus der Provinz Limburg eine strengere Drogenpolitik fahren will.
Zu Beginn des neuen Jahres führen sie eine provinzweite Zugangskarte für Coffeeshops ein, die den Drogentourismus eindämmen soll. Aus den heute noch freizugänglichen Shops sollen geschlossene Gesellschaften werden: „Wenn wir den Kunden landesweit registrieren, dann bekommt er pro Tag auch nur einmal seine fünf Gramm Haschisch”, erklärt Bruls. Bislang könne man zu verschiedenen Shops im Land fahren und dort jeweils fünf Gramm einkaufen.
Die Kiffer sind aus der Innenstadt weg
In Venlo weht bereits ein anderer Wind: Hubert Bruls ist stolz darauf, dass er es mit seiner restriktiven Politik geschafft hat, einen Großteil der öffentlichen Probleme zu lösen. „In der Innenstadt werden sie kaum noch Drogenkuriere sehen, und auch die problematischen Kiffer sind aus dem Stadtbild verschwunden.”
Seit 2001 verfolgt Venlo mit dem Projekt „Hektor” eine gezielte Kampagne gegen die Kriminalität: Coffeeshops in der Innenstadt wurden geschlossen, die verbleibenden Verkaufsstellen werden strenger kontrolliert. Auf breiter Front wird der Kriminalität der Kampf angesagt: Wer ein Restaurant eröffnen möchte oder ein Haus kauft, der muss lückenlos dokumentieren können, woher das Geld stammt, ansonsten gibt es keine Genehmigung. „Auf diese Art sind schon einige Investoren vor die Wand gelaufen”, sagt Bruls.
Zweischneidiges Schwert
Das Problem bleiben allerdings die Coffeeshops. In Venlo gibt es fünf Verkaufsstellen, davon zwei unmittelbar an der deutschen Grenze. „Damit fangen wir viele Drogentouristen ab und verhindern, dass sie in die Innenstadt kommen”, sagt Bruls. Mittlerweile gehören die Coffeeshops zu den Größten in den Niederlanden – und sind damit zu einem Hauptabnehmer der organisierten Kriminalität geworden.
Hubert Bruls erkennt, dass die niederländische Duldungspolitik ein zweischneidiges Schwert ist. Denn grundsätzlich ist der Verkauf von Cannabis auch in den Niederlanden verboten, allerdings greift die Polizei beim Konsum geringer Mengen nicht ein. Bruls: „Im Prinzip müsste man sagen: Wir haben zwar ein Gesetz, aber wir halten uns nicht dran”.
Solange die Coffeeshops eine kleine, überschaubare Größe hatten und mehr oder weniger von Idealisten betrieben wurden, war diese Praxis auch nicht problematisch. Mittlerweile hat es die organisierte Kriminalität aber geschafft, die Coffeeshops für ihre Machenschaften gezielt zu nutzen: „Um an den Cannabis zu kommen, müssen die Coffeeshops mit der Drogenwelt Geschäfte machen”, sagt Bruls. Und an diesem Punkt schaut der niederländische Staat weg. Keiner kontrolliert; woher der Cannabis stammt, es wird nur kontrolliert, was verkauft wird. Nur: „Der meiste Cannabis wird nicht mehr in den Coffeeshops verkauft, sondern auf dem Schwarzmarkt.”
Das Problem mit den Lieferungen
Für Hubert Bruls ergibt sich ein Problem. Als Bürgermeister ist er von Amts wegen dazu verpflichtet, die Coffeeshops in seiner Kommune zu kontrollieren. Eine Vorgabe für den Verkauf von Cannabis lautet, dass ein Shop nie mehr als 500 Gramm vorrätig haben darf. In Venlo ist das praktisch kaum umzusetzen. „Wir hätten dann eine ständige Anlieferung von Cannabis”, sagt Bruls. Also wird auch an dieser Stelle ein Auge zugedrückt: „Für mich als Bürgermeister steht in erster Linie die öffentliche Sicherheit im Mittelpunkt und die Tatsache, dass die Einwohner von Venlo keinen Ärger mit dem Verkauf von Drogen haben.”
Auch wenn Bruls kein Freund der niederländischen Duldungspolitik ist, sieht er keinen Grund, alle Coffeeshops in der Stadt zu schließen, wie es etwa die Gemeinden Bergen op Zoom und Rosendaal zu Beginn des Jahres getan haben: „Eine Schließung steht überhaupt nicht auf der Tagesordnung.” Damit würde man nur das Problem auf andere Kommunen verlagern oder den Handel in den Untergrund treiben, so Bruls.
Venlo wünscht sich staatlichen Drogenanbau
Auch das Verkleinern von Coffeeshops, wie es im September eine Regierungskommission vorgeschlagen hatte, hält er für problematisch: „Ich habe nur wenige Argumente, einem Coffeeshopbetreiber zu sagen, dass er seinen Laden verkleinern soll. So lange er sich an die Regeln hält, kann ich dies nicht begründen.”
Venlo Einwohner 92 000 Coffeeshops 5 Besuche pro Tag 5900 Besucher pro Jahr 2,2 Mio Ausländische Besucher 66 %
Nimwegen Einwohner 160 000 Coffeeshops 15 Besuche pro Tag 5700 Besucher pro Jahr 2,1 Mio Ausländische Besucher 12 %
Maastricht Einwohner 118 000 Coffeeshops 14 Besuche pro Tag 10600 Besucher pro Jahr 3,9 Mio Ausländische Besucher 60 %
Terneuzen Einwohner 55 000 Coffeeshops 8 Besuche pro Tag 3000 Besucher pro Jahr 1,1 Mio Ausländische Besucher 63 %
Um die Coffeeshops von der Zuliefererseite besser kontrollieren zu können, hält der Bürgermeister es sogar für sinnvoll, einen staatlich kontrollierten Hanfanbau zu dulden. Nur so könne man verhindern, dass Coffeeshops in die Hände von Schwerkriminellen geraten.
In Rosendaal sind Coffeshops verboten
Michiel Marijnen hat einen Strich drunter gezogen. Der Bürgermeister der Gemeinde Roosendaal hat am 16. September 2009 kurzerhand die Duldung von Coffeeshops in seiner Gemeinde aufgehoben. Seitdem ist es in Roosendaal und in der Nachbargemeinde Bergen op Zoom nicht mehr möglich, Cannabis zu kaufen. Die beiden Grenzgemeinden haben mit einem Schlag acht Coffeeshops geschlossen und sind damit die ersten Kommunen in den Niederlanden, die mit der offiziellen Duldungspolitik gebrochen haben.
25 000 Touristen pro Woche – das Maß war voll. Die beiden Grenzkommunen in den südlichen Niederlanden wurden jede Woche von Drogentouristen aus Belgien und Frankreich überschwemmt. Michiel Marijnen zog die Notbremse: „Die Duldungspolitik hatte ursprünglich den Ausgangspunkt, dass die Coffeeshops für die lokale Bevölkerung da sein sollten. Und davon kann keine Rede mehr sein”, begründete er seinen Entschluss, alle Shops zu schließen.
Bereits im Mai 2008 machte der Coffeeshop „Checkpoint” in Terneuzen von sich reden. Mit 3000 Kunden am Tag war Checkpoint der größte Coffeeshop in den Niederlanden. Der Tagesumsatz von Haschisch belief sich täglich auf zehn Kilo, nach Angaben der Justiz verdiente der Betreiber innerhalb von zwei Jahren 28 Millionen Euro. Die niederländische Staatsanwaltschaft klagte den Coffeeshop an, eine kriminelle Organisation zu leiten, und schloss den Laden am 20. Mai 2008. Grundsätzlich, so die Staatsanwaltschaft, ist jeder große Coffeeshop eine kriminelle Organisation, denn der Einkauf von weichen Drogen wird vom Gesetzgeber als organisierte, kriminelle Handlung gewertet.
Mittlerweile wird in vielen Kommunen ein Kampf gegen das Cannabisrauchen geführt. 66 Prozent aller Kommunen haben ein Rauchverbot in der Öffentlichkeit ausgesprochen.
10:57
Deutsche Leute konnten auch nach Tschechien gehen zum kiffen natürlich.
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/europaheute/1100308/
08:32
Ich denke in Deutschland macht die Zivilpolizei mehr umsätze mit Weed verkaufen als wenn es legal währe.
Dann packt man noch ein bischen Blei aufs Gras.
Das kann den Politikern doch recht sein, Lebensmittel werden ja auch bewusst mit Giften versetzt um etwas gegen das Rentenproblem anzugehen.
Hasch ist ja illegal heisst es ja dann, wir haben echt ein tolles Europa wo angeblich alles gleich sein muss wie der Betrug mit dem Euro.
Unser Staat ist ein Marionettenstaat und steht für das Gegenteil von Solzial!
An der Grenze stehen Sie tagtäglich und Kontrollieren den kleinen Mann wegen maximal 5g, aber in Deutschland wird scheinbar nichts gegen die Grossticker unternommen, sonst währe das illegale einkaufen in Deutschland nicht so verbreitet. (Schneeballsystem)
Ich ziehe sowieso bald aus diesen Land aus, habe keine lust meine ungebohrenden Kinder den Deutschen Staatsschulden auszusetzen, nur weil
Banker sich an der Börse voll gehen lassen.
Als wenn es nicht schlimm genug währe das der Staat die Geldbörse für die ganze Welt auf hält.
Wenn die Gez mal abgeschafft werden sollte kommt bestimmt eine Luftatemsteuer um der Klimaerwärmung endgegen zu wirken.
01:26
@15:
Guido Westerwelle. der Retter der Kiffer!
Mal gut, dass ich diesem Hobby nicht mehr fröne...
18:19
@9 der spinnt der Snowman.
17:34
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12:54
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11:44
Ich gehe mal davon aus, dass der Hasch in D. nicht legalisiert wird, weil die Alkohol-Lobby Angst hat.
Denn wer kifft könnte irgendwann weniger Alk trinken.
Und da die politik in D. aus Feiglingen besteht, wird sich das so schnell nicht ändern.
Und die Aussage von gefährlicher Droge und harmlosem Alkohol ist sowas von lächerlich.
Täglich zu bestaunen an den Bahnhöfen: Zwischen Alkis und Junkies sehe ich keinen Unterschied, höchstens an den Einstichstellen und Pupillen.
11:18
@ 9 Snowman
Gehts noch? Was soll der dämliche Kommentar.
09:14
es wäre besser gewesen, wie auch schon jemand in seinem beitrag geschrieben hat, dass die europäische gemeinschaft sich eher an die niederländische gesetzgebung anpassen sollte. was natürlich bei politikern/ drogenbeauftragten der jeweiligen mitgliedsländern nicht auf offene ohren stößt. an der zigaretten und alkohol steuer wird ja auch viel verdient.
08:36
Es ist nicht einzusehen, warum man erwachsene Menschen dermaßen gängelt. Gerade eine kontrollierte Freigabe weicher Drogen an über 18 jährige in Deutschland,
wäre ein besserer Jugendschutz.
Seltsamerweise wendet man im Falle von rechten Parteien in Deutschland genau dies an, mit dem Argument: was verboten ist, taucht ab und ist daher schwerer kontrollierbar. Eine Doppelmoral.
Die Konsumentenzahlen erhöhen sich durch eine Freigabe nachweislich nicht.Illegalität erzeugt immer einen Schwarzmarkt.
Man sollte nie vergessen, was damals die Prohibition in den USA angerichtet hat. Die Mafia
konnte dadurch ihre Macht entschieden vergrößern.
Alle Argumente der Bundesregierung gegen die Freigabe weicher Drogen sind logisch nicht begründbar, verdient der Staat doch schon lange am Zigarettenkonsum. Das Cannabisverbot ist einfach Irrsinn, der keine positieven Effekte hat.