Teil 5: Rot-weißer Hingucker
26.07.2010 | 19:19 Uhr 2010-07-26T19:19:00+0200
Wachtendonk. Und plötzlich taucht er am Ufer auf, mitten aus dem grünen Nichts. Rot-weiß-rot gestreift, geschätzte sieben Meter hoch, mit einem Holzgitter rund um seine begehbare Aussichtsplattform und mit einer kleinen Lampe obendrauf. Ein Leuchtturm! An der Niers! Einmalig.
„Das war früher mal ein Getreidesilo, der wurde vor ein paar Jahren umgebaut“, erzählt Wilfried Küsters. Er kennt den Leuchtturm, der da auf der Wiese bei Familie Waerdt steht. Ungezählte Male schon ist er an ihm vorbeimarschiert. Auf seinen Touren, die quer durch oder rund um das idyllische Wachtendonk führen.
Wilfried Küsters ist ein Niederrhein-Guide, einer von 62 geschulten Führern, die Interessierten zu Fuß oder auf dem Fiets die Region näherbringen. Ein dutzend Touren hat er im Angebot. Ein besonders schöner Rundgang – weil lustig und lehrreich – ist der über den Naturlehrpfad, der sich in der ersten Weghälfte parallel zur Niers durch Felder und Wiesen schlängelt.
Die Spur in die Natur gibt es bereits seit 1973, aber wie das bei praktisch kostenlosen, pädagogisch wertvollen Bildungsangeboten unter freiem Himmel so oft ist: Irgendwann wächst Gras darüber.
Der grüne Weg ist rund zwölf Kilometer lang und hat genau zwölf Haltepunkte, die in einem Faltblatt aufgeführt sind, das es gratis in der Touristik-Information im Haus Püllen gibt (Feldstraße 35, täglich von 9 bis 12.30 und 13 bis 17 Uhr geöffnet).
Wer mit Wilfried Küster unterwegs ist, braucht eigentlich keinen Flyer. Mit viel Humor und noch mehr Herz erzählt er Fakten, Fakten, Fakten über Flora, Fauna, Fluss. Das kann der Mann übrigens auf deutsch und niederländisch sowie auf eine verständliche und anschauliche Art. Dazu gleich mehr.
Los geht’s am Friedensplatz, mitten in der knapp 8000-Einwohner-Gemeinde. Hier wartet Wilfried Küsters auf seine Mitgeher und Zuhörer, die den 37-Jährigen problemlos am Namensschildchen erkennen, das er sich immer ans Hemd heftet.
Über die Niersbrücke hinweg geht es nach ein paar Schritten links ab in eine Seitengasse, einige Meter weiter entfaltet der Bauerngarten des benachbarten Naturparkzentrums seine sommerliche Blütenpracht. Hier gibt es Kopf- und Obstbäume zu sehen, die so typisch für das Land zwischen Rhein und Maas sind.
Eine harte Nuss
Der Weg führt weiter aus Wachtendonk heraus bis an das Ufer der Niers, die für die nächste halbe Stunde ein treuer Wegbegleiter ist. Gelassen plätschert der Fluss vor sich hin, legt sich mit sanftem Schwung mal rechts, mal links in die Kurve. Dahinter wartet ein freier Blick über sattgrüne Uferweiden hinweg. Der Leuchtturm taucht auf und ein schönes Stückchen weiter rauscht eine Pappel-Reihe ewig im Wind.
Ein geeigneter Ort, findet Wilfried Küsters, für eine kurze Rast. Aus seinem Rucksack kramt er einen Nussknacker und eine Tupperdose mit Walnüssen heraus. „Die einen wachsen hier an den Bäumen, die anderen sind aus dem Supermarkt“, sagt er. Und bittet zur Kost- und Geschmacksprobe auf. Keine Frage, natürlich, welche besser schmecken.
Was der Niederrhein noch so alles zu bieten hat, verrät Wilfried Küsters auf dem zweiten Teil der Tour. Was genau, verraten wir an dieser Stelle jedoch nicht. Nur diese kleine Anregung noch: Informieren Sie sich vorab, wie Roggen und Weizen zu unterscheiden sind, dann können Sie damit kurz vor der Hecke am Harts-Gots-Hof glänzen.
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