Teil 4: Ein Besuch im Kloster
21.07.2010 | 18:13 Uhr 2010-07-21T18:13:00+0200
Grefrath. „Herzlich willkommen“, sagt Schwester Candida. Die kleine, zierliche Frau versinkt fast in ihrem schwarzen Habit, 79 Jahre ist sie alt, seit 60 Jahren Benediktinerin - in der Abtei Mariendonk, die direkt an der Niers bei Grefrath liegt.
Einen Steinwurf vom Niers-ufer entfernt, steht mit der Abtei ein mächtiger Klotz in der Landschaft. Die Juli-Sonne nimmt die Deko in Sprechzimmer 3 unter Beschuss, ein kleines, ein liebevoll auf grünem Plastiktellerchen drappiertes Usambaraveilchen. Schwester Candida kippelt ihren Gehstock an die Lehne des Stuhls. „Die Welt ist laut geworden“, sagt die Ordensfrau. „Es gibt ein Überangebot an Verlockungen, von Kind an werden die jungen Leute überschwemmt mit Angeboten. Die Menschen können gar nicht mehr hören, wenn Gott ruft. Und er ruft. Auch heute.“
Seit 1899 leben Benediktinerinnen an der Niers in Mariendonk. In der Blütezeit waren es 60, heute leben 36 Schwestern zwischen Mitte 30 und Ende 90 hier nach den Regeln des heiligen Benedikt. Beten und arbeiten.
Förderverein hilft
Schwester Candida hat viele Jahre ihres Lebens Trecker gefahren, Kühe gemolken und Ställe ausgemistet – als Landwirtschaftsmeisterin. Da hatte das Kloster noch eigene Ländereien, Rinder, Schweine, Hühner. Irgendwann rechnete sich das nicht mehr – die Schwestern mühen sich, ihren Lebensunterhalt mit der Paramentenweberei- und stickerei und dem Verkauf von Hostien zu bestreiten. Es reicht – so eben. „Ohne Spenden würde es wohl nicht gehen“, sagt Schwester Rebekka, „wir sind froh, dass es einen Förderverein gibt, der uns bei größeren Investitionen hilft.“
Schwester Genovefa ist über 80 und seit mehr als 20 Jahren Tag für Tag im Stickzimmer – und ribbelt gerade sorgfältig eine Stickerei auf. „Das war nicht ordentlich genug“, schimpft sie mit sich selbst. Schwester Clara lächelt. „Wir haben zum Glück viel zu tun. Wir sind die einzige Werkstatt, die Paramente webt und bestickt – und wir machen alle Entwürfe selbst.“ Marienmotive auf Messgewändern sind zurzeit absolut trendy. Und weil es ja gerade ein paar neue Weihbischöfe in Münster gibt, hat auch die Mitra-Abteilung alle Hände voll zu tun.
Hostien gebacken werden auf Mariendonk nicht mehr – das passiert bei den Benediktinerinnen in Neuss-Kreitz. Die Mariendonkerinnen sortieren, verpacken – und verkaufen sie.
Kraft finden
Besucher schätzen die Ruhe des Ortes. „Unsere Gäste suchen, die Möglichkeit, zu sich selbst zu kommen“, sagt Rebekka, mit fast 42 eine der jungen Benediktinerinnen. Angeboten werden Einkehrtage, Seminare, Besinnungs-Workshops. „Wir brauchen Zeiten und Orte, ziehen uns zurük, damit Gott Raum hat – und wir Kraft finden, die wir weitergeben können.“
Der Wind säuselt übers sattgrüne Maisfeld, auf der verschlafenen Niers kräuseln sich kleine Wellen. „Ich kann mir eine Welt ohne Klöster nicht vorstellen“, sagt Schwester Candida.
0mitdiskutieren