Teil 11: Alles hat ein Ende...
24.08.2010 | 15:53 Uhr 2010-08-24T15:53:00+0200
Gennep.In den Niederlanden, kurz hinter der Grenze, mündet die Niers an einem vergessenen Ort in die Maas. Nun soll die Geschichte wieder aufleben.
Das Ende naht. Ein letztes leises Glucksen - dann ist es vorbei. Dann nimmt das Schicksal des kleinen Flusses seinen unausweichlichen Lauf: Er mündet in einen größeren. Viel mehr geschieht in dieser reizvollen, weiten Landschaft, in der sich Maas und Niers küssen, aktuell nicht: Ein paar Kähne schippern über den Strom, der Wind rauscht, die Wolken ziehen. Ein Naturidyll im Abseits, nur erreichbar über einen Weg aus übereinander gelagerten Eisenplatten. Eine Gegend, in der man Gräsern und Gebüsch, Bäumen und Sträuchern beinahe beim Wachsen zusehen kann.
Dabei wird hier, kurz vor dem Aus für den kleinen, 113,1 Kilometer langen Fluss, nun ein neuer Anfang geplant. Die ersten Arbeiten am Projekt „Genneperhuis“ starten. Denn inmitten dieser märchenhaften Szenerie der Niersmündung schlummern die Überreste einer mehr als tausend Jahre alten Burg: Das Genneperhuis. Eingebettet in einen kleinen, völlig überwucherten, grünen Hügel halten die Fundamente des geschichtsträchtigen Adelshauses, das einst den Herren van Gennep gehörte, noch ihren Dornröschenschlaf. Noch!
Zurück zu historischen
Wurzeln
„Jetzt wollen wir uns auf die Geschichte besinnen“, sagt Peter Toonen von der Gemeinde Gennep. Seit mehr als zehn Jahren ist man in dem gemütlichen, rund 17 000 Einwohner zählenden, niederländischen Ort bemüht, den völlig zugewachsenen Erdhügel sowie das Land drumherum und entlang der Niers aufzukaufen, um sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. „Aus bildungsbezogenen und kulturhistorischen Gründen ist es wichtig, diese Wurzeln zu kennen“, meint Toonen, der das Projekt „Gennerperhuis“ leitet.
Mit dem ersten Grünschnitt am Hügel wurde bereits begonnen, um die Fundamente freizulegen. Ein Stück weiter heben Bagger Gräben aus, um die Ursprungsumgebung der kleinen Festung wieder herzustellen. Zahlreiche Besetzer, von den Spaniern über die Preußen bis hin zu den Franzosen, sah die Burg im Laufe der Jahrhunderte. „Und nirgendwo habe man so viele Kugeln an einer Festung gefunden, wie hier, haben die Archäologen gesagt“, so Toonen. Auch ein Weg mit Brücken ans und übers Nierswasser sowie rund um die Überreste des Genneperhuis sind bis 2011 geplant. Nicht nur, um den Gennepern ihre Geschichte wieder nahe zu bringen, „auch als touristisches Ziel ist die Gegend interessant“.
Franken und Römer
siedelten am Fluss
In der zwischen Maas und Niers gelegenen Festung erblickte schließlich der Heilige Norbert (Norbert von Xanten), Stifter des Prämonstratenserordens und Erzbischof von Magdeburg, um 1080 das Licht der Welt. Noch früher siedelten Franken und Römer hier in der Maas Kemp, wie Archäologen herausfanden.
Doch wenig Beachtung schenkten die Genneper nicht nur Jahrzehnte lang dieser Historie, sondern auch ihrem kleinen Fluss. Einfach rechts liegen gelassen haben sie sie, die Niers. Sich sogar baulich von ihr abgewendet. Vom hübschen Genneper Ortskern führt lediglich eine Straße, der Nijmeegseweg, über den Fluss. Kein Café, keine Terrasse in Wassernähe. Nur ab und an werden kleine Feste und Konzerte am Niersufer unterhalb der Kirche veranstaltet.
Aber vielleicht durfte der Fluss gerade deshalb hier in den Niederlanden einfach so bleiben, wie er ist. Denn kaum hat die Niers die Grenze passiert, windet sie sich auf den verbleibenden acht Kilometern bis zur Mündung in großen Bögen - genauso wie vor Jahrhunderten. Vorbei an Feldern, entlang des befahr- und begehbaren Niersdijk, rechts des Niersweges und unter der Brücke des Nijmeegseweges hindurch, sprudelt sie auf ihren letzten Metern als „einer der natürlichsten Flüsse der Niederlande“, sagt Toonen.
Renaturierung ist daher - selbst übersetzt - ein Fremdwort in der nierderländischen Gemeinde Gennep: „Wir achten heute noch mehr auf den Fluss und wollen uns auch baulich wieder zum Wasser hin öffnen. Aber so begradtigt und kanalisiert wie in Deutschland, wurde die Niers bei uns nie.“
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