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Nacht der Industriekultur

Schlaflos in Lohberg

01.07.2012 | 20:01 Uhr

Dinslaken.   Tausende Besucher strömten bei der „Extraschicht“ zur Zeche Lohberg und dem Klärwerk Emschermündung und waren begeistert.

Es stinkt. Die Damen rümpfen die Nase. Ihre Männer schauen sie verständnislos an. „Ich rieche nichts“ sagt Ralf Plincner (57). „Nach 36 Jahren rieche ich nichts mehr.“ So lange arbeitet der Dinslakener hier als Techniker, fast so lange, wie es das Klärwerk Emschermündung im Südosten Dinslakens gibt. Die Besuchergruppe steht oberhalb des Einlaufs und des Auslaufs der Emscher, dort wo die Emscher als dreckiger Fluss in das Klärwerk hineinfließt und nebenan - gereinigt, nahezu sauber - wieder in sein Flussbett mündet, Richtung Rhein. Am Samstag wurde wieder eine „Extraschicht“ gefahren, die „Nacht der Industriekultur“ gefeiert. Auch in Dinslaken ging es hoch her. Rund 5000 Besucher vom Niederrhein, aus dem Revier und dem Rheinland erlebten das bunte Spektakel auf der Zeche Lohberg und dem riesigen Areal des Klärwerks der Emschergenossenschaft.

Pausenlos strömen rund 1500 Besucher durch den Eingang des Klärwerks. Gleich dahinter stoßen sie auf ihrem Weg auf ein farbiges Straßengemälde der Emscher. Künstler haben mit bunten Farben den einst „dreckigsten Fluss Europas“ auf den Asphalt gemalt. Blau, nicht grau schlängelt sich die Emscher da über den Boden. Das ist schön anzusehen. So soll sie einmal werden, die Emscher. Doch vorerst bleibt das Gemälde eine schöne Vision. Es wird noch einige Jahre dauern, bis die Emscher wieder ein natürlicher Fluss wie jeder andere wird…

Klang- und Lichtkunst

An den drei Faultürmen, die wie riesige Ostereier aussehen, besteigen die Besucher einen der vier Shuttle-Busse. Eine von 20 Führungen durch das Klärwerk beginnt. Langjährige Mitarbeiter erklären den Gästen, wie das Klärwerk funktioniert, wie die Emscher hier von einer stinkenden Kloake zu einem fast ansehnlichen, geruchlosen Fluss mutiert. Die Faultürme - ein bizarrer Anblick…

…doch jetzt wird die „Extraschicht“ noch skurriler: Der Klangkünstler Christoph Schläger intoniert von der Spitze der Faultürme sein „Urbanes Hornkonzert“: Stakkatoartig dröhnen laute Fanfaren über die weite Industrielandschaft. Die Nacht bricht herein. Jetzt werden zentrale Punkte des Klärwerks mit hunderten Scheinwerfern festlich illuminiert. Schnell noch eine Currywurst auf die Hand…

… dann geht`s auch schon wieder weiter, mit dem Extraschicht-Shuttle ES 2, bis zum letzten Platz gefüllt mit gut gelaunten Fahrgästen, durch die laue Sommernacht, rund vier Kilometer Richtung Norden. Das Ziel: die Zeche Lohberg, 2005 geschlossen. Doch heute Nacht stehen die Zechentore wieder weit offen. Statt der Nachtschicht strömt die „Extraschicht“, rund 3500 Besucher, vorbei am Pförtnerhaus ins Innere. Drinnen erwartet die Gäste die „Nacht der 1000 Feuer“. Fast alle Zechengebäude sind magisch angestrahlt. Besonders eindrucksvoll die beiden Fördertürme von Schacht I und II. Sie ragen wie leuchtende Domtürme in den Himmel.

Überall tummeln sich die Künstler des Kreativ-Quartiers Lohberg, zeigen Gemälde in Öl oder Acryl, Skulpturen aus Eisen, Stahl und Holz, präsentieren Klang- und Rauminstallationen. Ihr Motto: „Schlaflos in Lohberg“. Im Erdgeschoss der Alten Verwaltung lädt das Atelier Freiart zwischen Bildern und Skulpturen zum Tanz in seine silber verkleidete Disco ein.

Ein paar Schritte weiter malen Besucher mit bereit gestellten Farben ihre Ideen, Eindrücke und Träume auf weiße Tücher. Nach und nach entsteht hier so ein kleines Museum. Originelle Walking-Acts spazieren oder stelzen, hüpfen oder tanzen durchs Gelände. Kinder lassen sich schminken. Und auf der kleinen Bühne im großen Innenhof musizieren Bands. Im Dämmerlicht des Förderhauses begleitet die Violinistin Madalina Bruhn die Japanerin Ayako Ito am E-Piano, klassisch bis jazzig.

Heitere Stimmung

Trotz des großen Angebots lassen sich die Leute viel Zeit, schlendern entspannt durchs Gelände. Heute liegt eine heitere Stimmung in der Luft, kein Kohlenstaub. Heute feiert die Event-Kultur fröhliche Urständ. Glück auf!

Das Beste kommt zum Schluss. Punkt zwölf Uhr steigen Raketen in die Luft, entfesselt der Hertener Rene Osterhage sein „Westfälisches Feuerwerk“, illuminieren die Lichtkünstler von MeierSan das Zechengelände mit den Fördergerüsten und die riesige Bergehalde hinter Schacht Lohberg. Laut knallen die Feuerwerkskörper am Himmel, entfalten sich zu riesigen, farbigen Lichtteppichen. Fantastisch, bezaubernd. Spätestens jetzt ist ganz Lohberg schlaflos…

Martin Krampitz


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