Das aktuelle Wetter NRW 17°C
Gesundheit

Operationen nur noch in Spezialkliniken

08.09.2010 | 20:42 Uhr
Operationen nur noch in Spezialkliniken
Ärzte bei einer Hüftoperation

Düsseldorf. Die AOK Rheinland will bestimmte Leistungen wie zum Beispiel Knie- und Hüftgelenksoperationen künftig nur noch in spezialisierten Kliniken erstatten. Das Sozialgesetzbuch soll geändert werden.

s gehört zum Alltagsgeschäft in deutschen Kliniken: Allein in Nordrhein-Westfalen erhalten jährlich 35 000 Personen ein neues Hüftgelenk, rund 30 000 einen Kniegelenksersatz. Das hat nicht nur medizinische Gründe. So wurden 2007 25 768 künstliche Knie in NRW eingesetzt, 2008 waren es 28 175. Zehn Prozent mehr innerhalb eines Jahres!

Die Ursache dafür liegt im Abrechnungssystem. Seit 2008 werden Knie-Implantationen von den Kassen nur noch erstattet, wenn das behandelnde Krankenhaus mindestens 50 Operationen dieser Art pro Jahr durchführt. „Das hat zu einem sprunghaften Anstieg der Operationen geführt“, erklärt der AOK-Geschäftsbereichsleiter Krankenhäuser, Matthias Murmann.

Behandlungen systematisch untersucht

Die Qualität der Behandlungen ist dabei allerdings nicht gestiegen. Jetzt hat die AOK Rheinland/Hamburg die Behandlungen systematisch untersucht und die Kliniken miteinander verglichen. Bei der Kasse sind ein Drittel aller gesetzlich Versicherten in der Region Mitglied. Bis zu einem Jahr nach der Entlassung aus dem Krankenhaus wurde nachgeprüft, ob sich Komplikationen wie Wundheilungsstörungen, Knochenbrüche, Thrombosen und Embolien eingestellt haben. Ausgewerter wurden nur Häuser, die mindestens 30 AOK-Patienten behandelt hatten, um Zufallsergebnisse zu verhindern.

„Das sind für uns wichtige Daten,“, erklärt Dietmar Kumm, Chefarzt in der Duisburger Bethesda-Klinik. „Wir wissen ja nicht, wie gut der Patient mit der neuen Hüfte oder dem Knie zurecht kommt.“ Warum das Duisburger Haus so gut abschneidet, kann Kumm kaum erklären. „Wir halten die Hygiene-Standards ein und versuchen, mit wenigen Fabrikaten zu arbeiten“, so der Orthopäde. „Das zahlt sich offensichtlich aus.“

Neues Hüftgelenk kostet 7200 Euro

Nicht nur für die Krankenversicherungen. Denn Komplikationen gehen richtig ins Geld. Die Kosten für eine Hüftgelenksoperation liegen im Durchschnitt bei 7200 Euro. Kommt es aber zu Problemen und zu einem Austausch des Implantats, werden 10 000 Euro zusätzlich fällig, in schwierigen Fällen sogar bis zu 50 000 Euro. Deshalb setzt die AOK darauf, dass künftig nicht mehr jede Klinik solche Operationen durchgeführt, sondern nur noch ausgewählte Häuser, die entsprechende Erfahrungen haben. „Wir werden einen Vorstoß machen, um eine entsprechende Änderung des Sozialgesetzbuchs auf den Weg zu bringen“, sagt Cornelia Prüfer-Storcks, Vorstandsmkitglied der AOK.

Und die Kasse wird es nicht bei den Hüften und Knien belassen. Als Nächstes sollen die Ergebnisse bei Gallenblasen-OPs auf den Prüfstand gestellt werden. Wenn da nicht manchem Chefarzt die Galle überläuft...

Markus Peters

Facebook
 
Kommentare
22.09.2010
10:33
Operationen nur noch in Spezialkliniken
von Landarsch | #7

Grundsätzlich ist nichts dagegen einzuwenden, wenn nur qualifizierte Ärzte bestimmte Leistungen erbringen (die ja eh nichts mit Medizin, sondern eher mit Fließbandarbeit zu tun haben).

Die Gefahr bei dieser Entwicklung ist aber viel mehr, dass auf dem Weg der Qualitätsverbesserung die Anzahl der möglichen Operationen verringert wird - also wieder einmal bheimliche Rationierung durch die Hintertür der Qualität/b.

Als wollte man die Unfälle auf der Autobahn dadurch reduzieren, indem die Autoqualität so hochgeschraubt wird, dass sie nur noch von Mercedes erreicht wird (weil nur deren Fahrer sie sich leisten können). Quintessenz: deutlich weniger Autos auf der Autobahn, Ergebnis: weniger Unfälle = self-fulfilling prophecy!

09.09.2010
18:52
Blockierter Kommentar.
von akaz | #6

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

09.09.2010
18:52
Blockierter Kommentar.
von akaz | #5

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

09.09.2010
18:52
Operationen nur noch in Spezialkliniken
von akaz | #4

Der Bericht bringt nicht viel Neues. Der Patient muss sich schon informieren. Nur ist das meist sehr schwierig.
Ganz besonders schwierig wird es, wenn der Patient dann solche Tabellen (die hier nicht gezeigt wird) verstehen will.
Wenn in der Spalte ungewollte Folgeschäden 3 Pluszeichen ( ) gezeigt werden und die Erklärung dazu = überdurchschnittliche Qualität . . sein soll, frage ich mich erstmal, ob die ungewollten Folgeschäden von überdurchschnittlicher Qualität sind, also bessere Folgeschäden bekomme ich sonst nirgendwo.

Und dann eine Auflistung von Kliniken mit durchschnittlicher Qualität, wobei eine Einschränkung gilt, dass sich dabei 3 Kliniken mit unterdurchschnittlicher Qualität befinden.
Ja was denn, durchschnittlich oder unterdurchschnittlich? Eine Klinik mit diesem Ergebnis bei einer Operation kann doch nur noch von Fachidioten das Prädikat durchschnittlich bekommen. Aber das scheint in der Krankenpflege wohl das allgemein Übliche zu sein. Dazu passt hervorragend die Beurteilung von Alten- und Pflegeheimen. Ganz besonders treffend hat das Herr Plaßmann in seiner Karikatur vom 4.9.10 gezeigt: Wundgelegen? ... ok. Aber schauen Sie unsere zauberhafte Außenanlage...
Aber ein Diplom an der Wand mit der Note Gut.

09.09.2010
18:52
Operationen nur noch in Spezialkliniken
von akaz | #3

Der Bericht bringt nicht viel Neues. Der Patient muss sich schon informieren. Nur ist das meist sehr schwierig.
Ganz besonders schwierig wird es, wenn der Patient dann solche Tabellen (die hier nicht gezeigt wird) verstehen will.
Wenn in der Spalte ungewollte Folgeschäden 3 Pluszeichen ( ) gezeigt werden und die Erklärung dazu = überdurchschnittliche Qualität . . sein soll, frage ich mich erstmal, ob die ungewollten Folgeschäden von überdurchschnittlicher Qualität sind, also bessere Folgeschäden bekomme ich sonst nirgendwo.

Und dann eine Auflistung von Kliniken mit durchschnittlicher Qualität, wobei eine Einschränkung gilt, dass sich dabei 3 Kliniken mit unterdurchschnittlicher Qualität befinden.
Ja was denn, durchschnittlich oder unterdurchschnittlich? Eine Klinik mit diesem Ergebnis bei einer Operation kann doch nur noch von Fachidioten das Prädikat durchschnittlich bekommen. Aber das scheint in der Krankenpflege wohl das allgemein Übliche zu sein. Dazu passt hervorragend die Beurteilung von Alten- und Pflegeheimen. Ganz besonders treffend hat das Herr Plaßmann in seiner Karikatur vom 4.9.10 gezeigt: Wundgelegen? ... ok. Aber schauen Sie unsere zauberhafte Außenanlage...
Aber ein Diplom an der Wand mit der Note Gut.

09.09.2010
07:27
Operationen nur noch in Spezialkliniken
von Versicherter | #2

Ob ein Krankenhaus geeignet ist, entscheidet doch wohl mein behandelnder Arzt oder ich als mündiger Patient. Ich habe ein bundesweit freies Krankenhauswahlrecht unter den vertraglich anerkannten Kliniken. Ob ein KRHS geeignet ist kann ich wunderbar über die Weisse Liste erfahren (www.weisse-liste.de). Die Einschränkung auf bestimmte KRHS kannte ich bisher nur von Kleinst-BKKn. Eine solche Einschränkung wäre für mich als Patient und Versicherter der AOK nicht tragbar. Aber mein Kündigungsrecht können die Damen/Herren ja zum Glück nicht einschränken.

08.09.2010
21:21
Operationen nur noch in Spezialkliniken
von dsto | #1

Zitat
Deshalb setzt die AOK darauf, dass künftig nicht mehr jede Klinik solche Operationen durchgeführt, sondern nur noch ausgewählte Häuser, die entsprechende Erfahrungen haben. „Wir werden einen Vorstoß machen, um eine entsprechende Änderung des Sozialgesetzbuchs auf den Weg zu bringen“, sagt Cornelia Prüfer-Storcks, Vorstandsmkitglied der AOK.
Und die Kasse wird es nicht bei den Hüften und Knien belassen. Als Nächstes sollen die Ergebnisse bei Gallenblasen-OPs auf den Prüfstand gestellt werden.
Zitat Ende

Also soll schon wieder die Politik bestehende Gesetze zu Gunsten des Profits zurechtbiegen und dem AOK-Mammon dienlich sein.
Als erstes sollen die in Frage kommenden Häuser besser einmal einem unabhängigem Ranking unterzogen werden und das muss auch veröffentlicht werden. Auch die Patientenkritik darf nicht unter den Tisch fallen. Und wenn in den besagten Häusern etwas schief gelaufen ist darf das nicht schöngeschrieben werden. Und wenn es schon eingetreten ist darf ruhig gezahlt werden zu Lasten der fordernden AOK.
Das wäre nur zu Gerecht.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3685628/create

Aktuelle Fotos und Videos
Musik und Sonne pur
Bildgalerie
Moers Festival
Sommer, Sonne ...
Bildgalerie
Hitze
Heftige Unwetter in NRW
Bildgalerie
Unwetter
Unwetter am Niederrhein
Bildgalerie
Wetter
Aus dem Ressort
200 Liter pro Abend
Pfinsten daheim! (V)
Vom gelben Engel bis zum Bademeister. Das lange Pfingstwochenende am Niederrhein aus fünf verschiedenen Blickwinkeln. Mit Dragan Simic, Kellner im Duisburger Biergarten „Lindenwirtin“
Pfingsten ist Eis-Weihnachten
Pfingsten daheim! (IV)
Vom gelben Engel bis zum Bademeister. Das lange Pfingstwochenende am Niederrhein aus fünf verschiedenen Blickwinkeln. Mit Andreas Isselmann, Inhaber der Weseler Eisdiele Lohschelder.