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Nicht jeder Wirt ist ein guter Kaufmann

17.03.2008 | 20:08 Uhr
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GASTGEWERBE. Verband möchte seine Existenzgründer selber schulen. Und fordert den Aufbruch der Konzessionspflicht.

AM NIEDERRHEIN. Die Gastronomen haben es nicht leicht, zurzeit. Das Nichtraucherschutzgesetz; das neue Gaststättengesetz; Diskussionen um den Mindestlohn. Auch wenn da gerade ein Tarifabschluss gefunden wurde, der auch der unteren Lohngruppe Allgemeinverbindlichkeit zugesteht - es gibt Gesprächsbedarf. Da passte es gut, dass es sowieso an der Zeit war, "Flagge zu zeigen". Seit vielen Jahren kommen unter diesem Motto Kreis Weseler Gastronomen, der Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) sowie Landtags- und Bundestagsabgeordente zusammen, um sich auszutauschen. Diesmal traf man sich in Kamp-Lintfort, im Casino im Park.

Schnell konnte Marie-Luise Fasse (CDU) beruhigen, es wird kein förderalistisches Durcheinander geben. "Wir setzen das Bundesgesetz 1:1 um." Holger Ellerbrock (FDP) schob nach: "Auch wenn es keinen NRW-Sonderweg geben wird, über Modifikationen im Einzelfall lässt sich reden." Schon lange klagen die Gastronomen über Ungerechtigkeiten im Bewirtungsgewerbe. Bäcker und Fleischer etwa können ohne eine Erlaubnis nach dem Gaststättengesetz ihre Gäste bewirten, auch Tische und Stühle aufstellen. Solange sie keinen Alkohol ausschenken, brauchen sie auch keine Gaststättenkonzession mehr. "Die unmittelbare Konkurrenz bleibt von den Konzessionsgebühren verschont", so Thomas Kolaric, Geschäftsführer Dehoga Nordrhein. Ähnliches gelte für die Schwarzgastronomie. "Wir wollen nicht alle Vereine in den Verband zwingen, aber wir wollen, dass überall die gleichen Regeln gelten."

Helmut Otto, Präsident Dehoga NRW, und Hermann Große Holtforth, Präsident Nordrhein, forderten die Auflockerung der Konzessionspflicht. Wer einen gastgewerblichen Betrieb führen möchte, muss personen- und raumbezogene Voraussetzungen erfüllen. Die personelle Überprüfung reiche aus. Die Konzessionsgebühr für die Raumüberprüfungen sei in den meisten Fällen überflüssig. Was die Kommunen anders sehen dürften - bundesweit fließen jährlich 80 Millionen Konzessionsgebühren in die Stadtkassen.

Die Qualifizierungen müssen besser werden. Das "Frikadellen-Abitur", ein eintägiger Lehrgang für Existenzgründer, schule nicht umfassend genug. Von 40 000 gastgewerblichen Betrieben landesweit gingen jährlich 15 000 pleite, so Otto. Viele Wirte unterschätzten die kaufmännischen Anforderungen. Hier könne der Dehoga mit eigenen Schulungen richtungsweisend agieren. (wasch)

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