Nahverkehr wegen Betuwe auf dem Abstellgleis?
01.02.2011 | 18:31 Uhr 2011-02-01T18:31:00+0100
Am Niederrhein.Eine neue Verordnung der EU räumt dem Güterverkehr Priorität auf der Betuwe-Linie zwischen Emmerich und Oberhausen ein. Zum Nachteil für den Regional- und Fernverkehr. Schon heute befindet sich die Strecke zwischen Emmerich und Oberhausen am Limit.
Schon heute herrscht auf der Bahnstrecke zwischen Emmerich und Oberhausen mächtig Betrieb. Bald sogar noch mehr. Mit dem erwarteten Anstieg der Kapazitäten auf der Güterfernstrecke Betuwe-Linie wird es in Zukunft aber auch eng für den Personenverkehr. Wie am Montagabend auf dem Betuwe-Gipfel in Dinslaken bekannt wurde, muss dem internationalen Güterverkehr ab 2013 auf der Bahnstrecke zwischen Emmerich und Oberhausen Priorität eingeräumt werden.
Kapazitätsgrenze ist erreicht
„Das könnte erhebliche Nachteile für den Regionalverkehr, aber auch für den ICE nach Amsterdam bedeuten, erklärt Werner Kühlkamp, Verkehrsexperte der niederrheinischen Industrie- und Handelskammer. Hintergrund ist eine Verordnung der EU-Kommission, die festlegt, dass auf bestimmten Strecken in Europa der internationale Güterverkehr bevorzugt zu bedienen ist. Dazu gehört auch die Verbindung zwischen Rotterdam und Genua. Die Betuwe ist Teil dieser Transversale.
Schon heute befindet sich die Strecke zwischen Emmerich und Oberhausen am Limit. 215 Züge pro Tag sind auf der Strecke derzeit möglich. Die werden im Moment auch gefahren. Nach Einführung der Blockverdichtung 2015 nimmt die DB Netz AG eine Maximalkapazität von 293 Zügen pro Tag an, gerechnet wird aber mit 317 Zügen. Das heißt: 24 Züge pro Tag müssten wegfallen.
Da der internationale Güterverkehr laut EU-Verordnung ab 2013 vorrangig zu behandeln ist, wird wohl der Nahverkehr auf der Strecke weichen. Lothar Ebbers, Sprecher des Fahrgastverbandes „Pro Bahn“ in NRW, teilt diese Einschätzung: „Schon heute packt die Bahn zwischen zwei Regionalbahnen drei Güterzüge. Wenn die Personenzüge künftig warten müssen, wird es vermehrt zu Verspätungen kommen“, fürchtet Ebbers.
Mehr Stau auf der A3
Die Folgen: Anschlusszüge werden nicht mehr erreicht, die Attraktivität lässt nach. Weniger Pendler nutzen die Bahn, Strecken werden eingestellt. „Dabei hatte sich der Regionalexpress 5 zwischen Emmerich und Oberhausen sehr gut entwickelt. Zwischen 2002 und 2006 wurde eine Steigerung von 14 Prozent erzielt“, so Ebbers. „Rund 15 000 Fahrgäste pro Tag sind dort täglich unterwegs. „
„Wenn jetzt viele Pendler aufs Auto ausweichen, kommen wir auf der A 3 nicht mehr auf dem Stau heraus“, prophezeit auch IHK-Verkehrsexperte Werner Kühlkamp.
- Zum Betuwe-Spezial von DerWesten
19:11
@#12: Ja, Platz genug bis zur Abfahrt Dinslaken Süd, und dann? Mal wieder nur bis zur Kreisgrenze gedacht! St. Florian lässt grüßen.
14:37
2 Gleise neben die A3 und fertig ist die Betuwe Lijn , da ist Platz genug.
10:14
@10 comptur
Der kleine aber feine Unterschied ist der, dass an der jetzigen, vorhandenen Strecke zigtausend Menschen wohnen. Ob das mit der Verlegung der Betuwe an die BAB A3 sinnvoll ist, steht auf einem ganz anderen Blatt. Doch gönnen Sie den Menschen an der vorhandenen Strecke doch mindestens den Lärmschutz. Zum Beispiel gibt es Wohnblocks im Streckenbereich, die schon in den 60er Jahren für kleine Einkommensbezieher gebaut wurden, z.B. in der Weseler Feldmark. Sollen die nicht gegen Lärm geschützt werden? Gönnen Sie denen das doch.
19:55
#8
Auch an den Stellen in die die Siedler den Bahnverkehr verdrängen möchten stehen Häuser. Hier wußten die Menschen erst recht nicht, daß einmal Menschen die an der Betuweline wegen der Bahn billiges Bauland erworben haben ihnen ein Kuckucksei ins Nest legen wollen.
19:46
Bei all dem fröhlichen Fachgesimpel, nichts für ungut, finde ich es eigentlich am Schlimmsten, daß man völlig überregiert wird und man als derjenige der letztlich die Zeche zahlt, quasi ohnmächtig vor dem nichtbestellten Brei steht.
Das sollte aufhören...
18:40
@ 7 comptur
Wenn ich richtig informiert bin, gibt es den deutsch-niederländischen Vertrag zur Errichtung der Betuwe Linie seit 1992. Und wenn ich längs der Strecke die Häuser sehe, sind das im Regelfall vor diesem Datum gebaute Häuser. Also von Menschen, die keine Ahnung davon hatten was dort auf sie eines Tages zurollen würde. Das ist Fakt und muss nicht mit Häme kommentiert werden.
16:26
Die Bundesbahn wird mit einer Kapazitätserweiterung (Güter auf die Schiene) egal was und wo sie etwas macht immer auf Proteste stoßen.
Die Strecke Emmerich - Oberhausen eine internatinale Fernbahnlinie in deren Nähe sich wegen des billigen Baulandes viele Sieler aus dem Ruhrgebiet niedergelassen haben.
Diese Siedler würden am liebsten nur noch Züge, die sie zu ihrer Arbeitsstelle ins Ruhrgebiet bringt sehen.
Noch unverschämter ist die Forderung gefälligst eine neue Trasse fernab ihres Wohnortes zu bauen.
Alteingesessene Bürger sollen den Lärm schlucken, damit ihr Häuschen im Grünen zu einer Idylle wird.
Wer billig an einer Fernbahnlinie baut muß den Fernverkehr ertragen. Erträgt er ihn nicht soll er und nicht die Bahn verschwinden.
14:59
@tiptel160: Meines Wissens handelt es sich bei Stuttgart21 um ein Teilprojekt der „Vorrangigen Achse Nr. 17“ der Transeuropäischen Netze auch bekannt als „Magistrale für Europa“. Daher beteiligt sich auch die EU an den Kosten für Stuttgart21.
Es ist somit schon lange nicht mehr die böse Bundesregierung für alles allein verantwortlich!
14:22
Wo soll der Gütervekehr denn hin? Noch mehr LKW auf die Straßen. Nur weil die Bundesregierung die Bahn AG nicht im Griff hat, unsinnige Millarden in Stuttgart für einen einzigen Bahnhof im Untergrund verbuddelt, haben wir doch diese Riesenprobleme. Gur, dass die EU die Bundesregierung so endlich zum Handeln zwingt.
14:19
Na super....
Im Artikel wurde schon richtig erwähnt, dass die A3 den zu erwartenden zusätzlichen Personenverkehr nicht verkraften wird. Auch die A59 und die A57 werden keine Alternative darstellen, dort geht bereits heute in den Hauptverkehrszeiten nichts mehr.
Ich schlage vor den sogenannten Hippelandexpress Duisburg-Rheinhausen-Moers-Rheinberg-Alpen-Xanten wieder bis Nimwegen (über Kalkar-Kleve-Kranenburg) in Betrieb zu nehmen und auszubauen. Dort könnte zumindest ein Teil des Personenverkehrs abgewickelt werden. Natürlich müssen die Leute von der rechten Rheinseite auch irgendwie zu ihrem Zug kommen. Dafür muss der Busverkehr drastisch ausgebaut werden. Mein Vorschlag wäre eine Straßenbahn vom Bahnhof Wesel über die neue Rheinbrücke und weiter über die alte B58 zum Bahnhof Alpen, die Kosten sollten von der EU getragen werden, der wir diese dolle Verordnung zu verdanken haben!