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Bürgerprotest

Mit lauter Stimme

30.11.2008 | 16:55 Uhr
Mit lauter Stimme

Dr. Bernd Kaufmann kämpft seit Jahren gegen das geplante Kohlekraftwerk in Krefeld. Jürgen Trittin zeichnete ihn am Samstag für sein Engagement aus.

KREFELD. Irgendwo versteckt unter dieser Ruhe ausstrahlenden, gelassenen Oberfläche war er doch nervös. Nicht so, dass es ihm gleich die Sprache verschlagen hätte. Nein, es war vielmehr eine Erkältung, die ihn an diesem Tag zu leisen Worten zwang und sie lähmte, die Stimme. Ausgerechnet die, mit der er sich so eindringlich gegen die Pläne eines Weltkonzerns richtet. Und ausgerechnet jetzt, als er die Dankesrede zur Preisverleihung hält. Doch ob laute Töne oder nicht: „Nur, wenn die Worte auf etwas Wirklichem beruhen, können sie eine Wirkung haben”, zitiert Bernd Kaufmann aus einem chinesischen Weisheitsbuch.

Aus diesem Grund hat der Algemeinmediziner die Auszeichnung für „Engagement und Courage 2008” (siehe Kasten) überhaupt angenommen. Am Samstag wurde sie ihm vom ehemaligen Bundesumweltminister Jürgen Trittin in der Fabrik Heeder in Krefeld übergeben. „Aber ich wollte mich nicht selbst aufs Podest heben, sondern es sollte der Sache dienlich sein, die noch mehr öffentliche Aufmerksamkeit vertragen kann”, sagt der 50-Jährige.

Dabei überzeugt der schlanke, mittelgroße Mann, der in seiner Freizeit gerne durch die Natur wandert oder am Klavier spielt, weniger mit Lautstärke oder resolutem Auftritt, denn mit schlüssiger Argumentation. Die Kraft seiner Standpunkte spiegelt sich im scharfen Blick. Mit hartnäckiger, aufwändiger Recherche erarbeitete er sich sein Wissen und mobilisierte Mitstreiter.

Kaufmann, der seit 15 Jahren eine eigene Praxis in Krefeld führt, gründete 2002 die Ärzte- und Apothekerinitiative. Gemeinsam mit rund 170 anderen Medizinern und Pharmazeuten richtet er seitdem seine Stimme gegen die Pläne von Trianel und Bayer. Am Chemiestandort Uerdingen wollen die beiden Unternehmen ein Steinkohlekraftwerk mit 750 Megawatt Leistung bauen, das 4,4 Millionen Tonnen Kohlendioxid jährlich ausstoßen würde. „Meine Überlegung war, dass das, was aus dem Schornstein kommt, nicht gesund sein kann”, erklärt der Familienvater von drei Söhnen.

Umweltpolitik ist dabei nicht die Triebfeder des Arztes. Gut, Bernd Kaufmann fährt jeden Tag mit dem Rad in die Praxis. Aber nur weil das schneller geht, als mit dem Auto zu fahren. Er hat auch eine Solaranlage auf dem Dach seines Hauses. Und ja, er ist auch Mitglied bei Naturschutzbund und Greenpeace, allerdings nur zahlendes. Doch weder optisch noch ideell verschreibt sich der Doktor irgendwelchen Öko-Klischees.

„Es geht mir darum, bewusst zu leben, mich mit Dingen auseinander zu setzen, mit Menschen gut umzugehen und mich selbst zu fragen, wie konsequent ich dabei bin”, sagt der Mediziner, der in Voerde-Friedrichsfeld aufwuchs und in Düsseldorf studierte. Seine Ambitionen rühren aus einem christlichen Verständnis. „Es geht nicht darum, was super ökologisch ist, sondern darum, was angemessen ist.” Auch, wenn das beinhalte, dass jemand mit Minderwertigkeitskomplexen ein großes Auto für sein Ego fahren müsse. „Früher oder später kommen wir alle trotzdem immer wieder an denselben Punkt: Was müssen wir haben, um zu scheinen, und was, um zu sein?”, bringt Kaufmann, der früher im Vorstand der Katholischen Kirche war und in der Emmaus Gesellschaft aktiv ist, den Wunsch nach Ehrlichkeit auf den Punkt.

Genauso inhaltlich klare Worte findet der engagierte Arzt zu seinem Wohnschicksal in Krefeld (er wollte immer im Mittelgebirge leben, die frühe Vaterschaft im Studium mit anschließendem Praktikum in Krefeld nötigte ihn vor Ort zu bleiben): „Ich lebe und arbeite jetzt schon so lange in Oppum unweit der A 57, dem Eisernen Rhein, dem Bayer Werk und direkt unterhalb der Einflugschneise des Düsseldorfer Flughafens. Und dann soll hier auch noch ein Kohlekraftwerk hin?”

Dr. Bernd Kaufmann musste vor so einer weiteren Gesundheitsgefahr warnen. Der Allgemeinmediziner wurde zum Feinstaubexperten, hält Vorträge und sammelt weiter – laute Stimmen gegen die Pläne. „Denn wenn etwas ansteht, muss ich es erledigen”. Auch als David gegen Goliath und als Allgemeinmediziner gegen ein Bayer-gesponsortes Doktorenteam.

Elke Wiegmann

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Kommentare
02.12.2008
10:55
Mit lauter Stimme
von DanielRasche | #2

Leider wieder einmal eine etwas sehr einseitige Berichterstattung seitens der NRZ/WAZ Mediengruppe.

Jedem Menschen auf dieser Welt sollte der Umweltschutz wichtig sein, für das Jetzt und für die Zukunft.

Doch frage ich mich persönlich, was noch an Zugeständnissen kommen muss, bis die Politik und die Angehörigen der Naturschutzvereinigungen ihre Politik der Verdrossenheit aufgeben ? Alte, unmoderne Kessel gehen vom Netz, ein neues Kraftwerk auf dem neuesten Stand der Technik hält Einzug...
Arbeitsplätze werden zusätzlich geschaffen, die Region profitiert in allen Belangen davon. Ca. 50 Auszubildende aus Duisburg werden im Moment im Chempark Uerdingen ausgebildet. Denkt jemand an deren Zukunft ? Denkt wirklich jemand an die knapp 7000 Arbeitnehmer hier in Uerdingen, an die Familien der Arbeitnehmer und die Unternehmen die abhängig sind von dem was hier im Chempark geleistet wird ?
Manchmal kommt mir doch die Frage auf, was die Leute, die das neue Kraftwerk mit aller Macht verhinder wollen, wollen wo ihr Strom in Zukunft herkommen soll. Nur noch Wind- und Wasserkraft ? Schön und gut, aber wer bezahlt den Umstieg ?

Wenn nicht bald ein Umdenken seitens der Politik, aber auch der Medien kommt, läuft alles auf ein Sterben auf Raten für den Chempark hier in Uerdingen hinaus.
Ich frage mich, wollen sie das wirklich ?

01.12.2008
14:15
Mit lauter Stimme
von jojo2008 | #1

Guter Artikel -- und die genannten Zitate von Herrn Dr. Kaufmann sollte sich so mancher Politiker/in, insbesonders in Krefeld, hinter die Ohren schreiben.

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