Langsames Internet nervt Unternehmer am Niederrhein
13.03.2009 | 12:26 Uhr 2009-03-13T12:26:00+0100
Am Niederrhein. 2100 Firmen im Kreis Wesel wurden nach ihrem Zugang zum Netz gefragt. Zwischenergebnis der Bestandsaufnahme: Den meisten geht es viel zu langsam. Die Kommunen würden das gerne ändern. Aber noch ist nicht klar, ob sie das überhaupt dürfen.
Eigentlich könnte Marc Schulte-Bunert auf der ganzen Welt Zäune verkaufen. Er macht das aber in Schermbeck. Und das ist ein Problem. Als Franchise-Nehmer ist er auf eine Software angewiesen, die ständig aktualisiert werden muss. Das dauert. Marc Schulte-Bunert hat nur einen ISDN-Anschluss in seinem Büro. Seit drei Jahren will er einen DSL-Zugang haben. Den bekommt er aber nicht, weil's in seiner Straße technisch nicht geht. Immer noch nicht. Mit dem Problem ist Schulte-Bunert nicht allein. 62 Prozent der Unternehmen, die der Kreis Wesel zum so genannten „schnellen Internet” befragt hat, ist es zu langsam.
Eine unsichtbare Lücke
„Die Befragung hat gezeigt, dass die Mehrheit sich einen besseren Anschluss wünscht”, sagt Anne Janssen, Projektleiterin bei der Entwicklungs-Agentur Wirtschaft des Kreises. Das ist zwar keine Überraschung, man hatte sich so was schon gedacht. Landrat Dr. Ansgar Müller ist trotzdem froh, dass er es jetzt Schwarz auf Weiß hat: „Es zeigt, dass es einen Handlungsbedarf gibt”, sagt er. Mit anderen Worten: Zumindest beim Netz-Zugang soll Schluss sein mit niederrheinischer Gemütlichkeit.
Die Befragung könnte ein Schritt hin zum schnellen Internet im Kreis Wesel sein. Denn bislang klafft eine digitale Lücke zwischen dem Ruhrgebiet und Niederrhein. Ganz zu schweigen von den Niederlanden, wo es eine 90-prozentige Abdeckung mit Glasfaserkabeln gibt. Davon kann Marc Schulte-Bunert nur träumen – und sich noch ein paar Mal das Achselzucken bei der Telekom ansehen, wenn er mal wieder fragt, wann Schermbeck endlich in der technologischen Gegenwart ankommt. In Kleve und Emmerich ist man weiter: Dort wird versucht, mit niederländischen Partnern ein Glasfasernetz aufzubauen.
Die Aussagen der Befragung, bei der 2100 Unternehmen angeschrieben wurden, von denen letztlich 585 auch antworteten, sollen die Notwendigkeit deutlich machen. Noch ist nicht alles ausgewertet, aber die Tendenz ist klar: „Mehr als 72 Prozent der Unternehmen haben eine Anbindung von weniger als zwei Megabit pro Sekunde”, sagt Anne Janssen. Landläufig gilt das zwar als Breitband-Anschluss. Für viele Anwendungen reicht der aber heute schon nicht mehr aus. 18 Prozent kriechen sogar mit unter einem Megabit pro Sekunde durchs Internet.
Teure Glasfaserkabel
„Prognosen gehen davon aus, dass sich der Datenverkehr bis 2015 verfünfzehnfachen wird”, sagt Janssen. Das könnten dann nur noch Glasfaser-Kabel bewältigen. Doch die kosten. Die Telekom bezifferte bei einer Ausschuss-Sitzung in Schermbeck im vergangenen Oktober allein die Kosten fürs Ausschachten auf einer Strecke von gut sechs Kilometern auf 300 000 Euro. Die 15 000 Euro für die Technik sind da relativ gering.
Doch Janssen und Müller sind sich einig: Engpässe im Datennetz könnten Wettbewerbsnachteile gegenüber den Ballungsräumen mit sich bringen. Übrigens nicht nur in der Logistikbranche: „Es gibt viele datenintensive Bereiche”, sagt Janssen. „Und auch für Privathaushalte wäre ein schnelles Internet sicher attraktiv.”
Die Intervention von Kommunen in den Telekommunikationsmarkt sind rechtlich umstritten. Um zu klären, wie weit man gehen kann, will der Kreis Wesel zusammen mit den Kreisen Borken, Coesfeld, Steinfurt und Warendorf ein Gutachten in Auftrag geben.
Für das Gutachten, das rund 35 000 Euro kostet, wurde am Donnerstag eine 80-prozentige Förderung durch das Land bewilligt. Wenn alle Daten vorliegen, will Landrat Müller mit den Kommunen reden.
Bis zum Sommer soll vom Breitbandkompetenzzentrum an der FH Südwestfalen eine Karte für den Niederrhein erstellt werden. Da, wo's rot ist, sieht es schlecht aus mit dem zügigigem Datenverkehr. Das Ziel ist klar: Man will den Telekommunikations-Anbietern zeigen, dass es Bedarf für den Ausbau des Netzes am Niederrhein gibt. Bislang argumentieren die jedoch mit einer fehlender Wirtschaftlichkeit.
Schon sieht Müller Parallelen zur Elektrifizierung. Da seien die Kommunen schließlich auch eingesprungen, bevor das Netz privatwirtschaftlich organisiert wurde. Inwiefern das jetzt wieder geht, soll ein Gutachten klären (siehe Infobox).
Marc Schulte-Bunert ist inzwischen auf eine (teure) Notlösung ausgewichen. Seinen Internetzugang verschafft er sich über das UMTS-Handynetz. „Das ist zwar auch nicht immer stabil, aber etwas schneller als ISDN”, sagt er.
12:19
Oder mal alle Betroffenen beim Kabelnetzbetreiber anklopfen, die sind in Sachen Netz-upgraden derzeit wesentlich schneller als die DSL-Anbieter und bieten gleichzeitig auch noch höhere Geschwindigkeiten an
19:50
In der Stadt Selm wurde die Telekom auf einmal ganz schnell als sich Stadtverwaltung und Händlerschaft sich selbst einen Zugang organisiert haben. Der Alternativanbieter ist zwar wieder weg, aber DSL ist geblieben.
Hintergrund ist ganz einfach. ISDN im Minutentakt ist einfach lukrativer als DSL als Flatrate. Und man spart die ca. 200 € je Port die aus einer Telefonleitung eine DSL Leitung machen.
21:28
21:26
Hier gibt die Alternative: www.country-dsl.de
19:47
Nicht nur das langsame Internet nervt. Es nervt auch, dass das Thema alle paar Monate im Weseler Lokalteil der NRZ und jetzt auch noch im Niederrhein-Teil wiederholt wird.
Wir wissen es mittlerweile: Dämmerwald ist leider nicht mit Hochgeschwindigkeits-DSL ausgestattet. Natürlich ist das ärgerlich für die Betroffenen, das kann ich gut nachvollziehen. Aber warum sollen andere mit ihren öffentlichen Mitteln dafür zahlen, dass in Dämmerwald der Internetzugang ausgebaut wird?
Es gibt Alternativen: Zum Beispiel dem Anbieter vorzuschlagen, selber die für den Ausbau nötigen Gräben zu ziehen. Oder zusammen mit anderen Betroffenen anzubieten, einen Teil der Kosten zu übernehmen. Oder versuchen, eine Funkverbindung einzurichten (WAN). Oder Internet via Satellit. Oder Umziehen.
All das kostet die Kommune nichts. Und die Zeitung wird wieder interessanter.
17:08
Wissen diese (oft kleineren) Firmen nicht, dass man auch über Mobilfunk (UMTS) ins Internet kommen kann? Das ist viermal schneller als ISDN. Das könnte doch zumindest eine vorübergehende Lösung sein. Ich selbst habe da sehr gut Erfahrungen mit dem Anbieter o2 gemacht. Vielleicht hilfts dem einen oder anderen...
preiswert und gut.