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Suchaktion

Immer noch keine Spur von Mirco

08.09.2010 | 10:49 Uhr
Immer noch keine Spur von Mirco
Gestern suchten 1000 Polizisten rund um Wachtendonk die Felder ab. Foto: Zingler

Wachtendonk.Rund 1000 Polizeibeamte durchkämmen Gebiet südlich der A 40 bei Wachtendonk. Aber immer noch keine keine Spur von dem vermissten zehnjährigen Jungen. Die Suche geht weiter.


in Blick über die Weite der Felder und Wiesen lässt die Größe der Aufgabe erahnen. Ein Blick in die Gesichter der Frauen und Männer zeigt, dass sie nur zu gut wissen, was da auf sie zukommt. Es ist der dritte Tag, an dem die Polizisten Mirco suchen. Und heute schüttet es den ganzen Morgen über auch noch kräftig. Einer der jüngeren Männer zieht die gelbe Kapuze in die Stirn und sagt: „Einige von uns sind selbst Eltern, alle haben wir Brüder oder kennen Nachbarskinder. Wir vergessen keine Sekunde, dass wir hier einen zehnjährigen Jungen suchen. Da ist das Wetter doch scheißegal.“

Es geht um Mirco. Vielleicht um sein Leben. Mit jedem neuen Tag aber sinkt die Hoffnung, steigt die Ahnung, dass sie alle hier nach einer Leiche suchen. Am Freitag kurz nach 21 Uhr ist Marco an einer Bushaltestelle im Grefrather Ortsteil Oedt zuletzt gesehen worden. Auf dem Fahrrad hat er einen Freund noch nach Hause begleitet, gemeinsam mit anderen hatten sie den Abend auf einer Skater-Anlage verbracht. Die Rutschen und Rampen stehen direkt neben einer Schule, gegenüber ein großes, weißes Zelt, die Schützen des Ortes feiern derzeit ihr Fest.

Jeder Busch und jedes Rohr werden kontrolliert

Ungefähr zur selben Zeit hat Mircos Mutter ihn auf dem Handy angerufen. Ihn ermahnt, jetzt aber schnell nach Hause zu kommen. Mirco verspricht es. Dann legt er auf und... verschwindet. Tags darauf wird das Fahrrad von einem Spaziergänger neben einer Straße gefunden. Nicht abgestellt, eher in den Graben geworfen. Was ist Mirco geschehen?

Jetzt sind 1000 Polizisten unterwegs, um das zu klären, um mehrere Quadratkilometer zu durchkämmen, auf der Suche nach der noch so kleinsten Spur. Es geht um das gesamte Gebiet südlich der A 40 rund um die Ausfahrten Wankum und Wachtendonk, nicht fern der Grenze. Felder, Büsche, Wäldchen, Böschungen, in jedes Loch, in jedes Rohr wird geschaut.

Holger Hoever führt seinen Zug hinter einige Gewächshäuser. Dann lässt er die Kollegen in enger Reihe vor einem Maisfeld antreten. „Passt auf die Pflanzen auf . Und los.“ Bis zum nächsten Feldweg müssen sie jetzt im Abstand von etwa zwei Metern schreiten. Mit ihren Sonden, langen Metallstäben, stoßen sie immer wieder leicht in den Boden, auf der Suche nach gelockerter Erde, nach irgendwas.

Spitzkohl
oder Rüben

Ein Bauer kommt über den Hof. „Hörnsemal. Hallo.“ Er hat einen Tipp: „Gucken Sie auch mal genau in die Gülle- und Jauchegruben.“ Holger Hoever verspricht’s und schickt seine Truppe jetzt über ein Spargelfeld, dann durch Spitzkohl. Was da unter ihren Füßen wächst, wissen sie meist nicht so genau. „Könnten Rüben sein.“ Die meisten der Beamten sind eben Städter. Drei Erntehelfer blicken auf. Sie sprechen kaum deutsch, sie kommen aus Polen, aber natürlich haben sie von dem vermissten Jungen gehört. Sie blicken ernst. Die Sorge um Kinder war schon immer global.

Manchmal stoppt die Kolonne, wenn einer was ruft. „Bierpulle“ oder „Zigarettenschachtel“. Dann geht Hoever hin und guckt. Die Pulle ist wohl vom Treckerreifen zersplittert worden. Die Marlboro lässt er mal sicherheitshalber einpacken. „Die Schachtel sieht zwar schon älter aus. Aber wenn man dann in der Nähe später was findet, kann alles plötzlich von Wichtigkeit sein“. Auch ein Flicken Stoff, der in einer Pfütze am Wegesrand dümpelt, wird untersucht. „Der war mal blau. Mit Druckknopf. Vermutlich ein Jeans-Hemd. Passt nicht zur Kleidung des Jungen. Wir nehmen es trotzdem mit, rein theoretisch könnte es ja vom Täter sein.“

Vier Polizeihunde hatten am Wochenende eine Spur des Jungen dort aufgenommen, wo er zuletzt gesehen worden war. Alle vier Hunde haben die Spur nach Norden, nach Wankum verfolgt. Außerdem soll das Handy des Jungen in der Region geortet worden sein. Polizeisprecher Willy Theveßen will das aber auf keinen Fall bestätigen. „Handys sind kriminaltechnisch so wichtig, dass ich über die Möglichkeiten, die sich uns da bieten, nicht eine Silbe sagen werde.“

Ein Hubschrauber kreist über den Feldern, der Regen hat aufgehört, aber die Frauen und Männer der Bereitschaftspolizei aus Düsseldorf sind eh längst klatschnass. Obwohl sie sich die Hosenbeine mit Klebeband versiegelt haben, ist die Feuchtigkeit hochgeklettert. Die Handschuhe, die alle tragen, sind zum Auswringen. Kurze Pause im Stehen. Einer atmet schwer durch und schickt die Erklärung schnell hinterher: „Wir sind seit Freitag im Einsatz. Erst die Nazi-Veranstaltung in Dortmund, dann gleich hierher. 55 Stunden Dienst.“

Eine Mückenplage an
den Tagen zuvor

Wie Vogelscheuchen sehen mehrere jetzt aus, überall haben sich Pflanzenreste festgeklettet. Eine jüngere Polizistin lächelt und sucht das Gute: „Wenigstens sind bei dem Regen keine Mücken unterwegs. Die letzten Tage war’s wie in einem Mangrovensumpf. Wir haben alle zig Stiche abgekriegt. Zwei Kollegen mussten wegen Allergie zum Doc.“ Dann winkt sie ab. Alle sind bald still. Dann gehen sie wieder los. Die Aufgabe folgt ihnen wie eine dunkle Wolke: Wir suchen einen Jungen.

Matthias Maruhn

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Kommentare
09.09.2010
09:40
Immer noch keine Spur von Mirco
von blume604 | #1

Ich hoffe man findet den Jungen LEBEND!!!
Den Eltern wünsche ich sehr viel Kraft!

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