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Im Reich der Stille

26.06.2012 | 16:19 Uhr
Im Reich der Stille
Kann manchmal auch ganz schön düster wirken: das Moorgebiet „De Weerribben“.

Kalenberg.   Der Nationalpark „De Weerribben“ bietet endlose Natur und Ruhe. Zu jeder Jahreszeit - im Winter ist Schlittschuhlaufen ein beliebter Volkssport.

Wer Stille nicht gut ertragen kann oder seine Urlaube gern an sonnencremegetränkten, überfüllten Stränden verbringt, ist hier eindeutig fehl am Platz. Hier, auf den kleinen Wasserwegen von „De Weerribben“ ist es wirklich still. Und einsam. Jedenfalls an einem trüben, kühlen Morgen wie diesem.

Landschaft, wohin das Auge reicht. Sonst nichts. Vorne: Wasser. Hinten: Wasser. Rechts: Wiesen bis zum Horizont. Links: Weitere Wiesen, unterbrochen von ein wenig Wald. Fantastisch. Wer hier nicht zur Ruhe oder zu sich selbst kommt - wahlweise beides - ist selber Schuld. Die Stille wird hier auch von Booten nicht gestört, denn die fahren, so denn motorisiert, nur mit Flüstermotor.

Sorgsame Pflege

Der Nationalpark Weerribben Wieden im Nordwesten der Provinz Overijssel ist ein Naturparadies. Dabei setzt sich dieser Nationalpark aus zwei benachbarten Gebieten zusammen: „De Weerribben“ firmiert schon seit 20 Jahren als Nationalpark, das angrenzende „De Wieden“ kam 2009 dazu. Seither betreibt das Wasserreich („Waterreijk“), wie es sich nennt, gemeinsam Naturmanagement und Naturschutz. Denn die scheinbar unberührte Natur ist nicht nur von Menschenhand erschaffen, sondern auch Produkt sorgsamer Pflege.

Brücke auf....

Früher lebten die Bewohner dieses Sumpfgebiets von der Torfgewinnung, später vom Reetanbau für die, nicht nur in dieser Gegend, regional recht verbreiteten Reetdächer.

Heute ist hier der Tourismus ein nicht unerheblicher Wirtschaftszweig - aber immer unter der Prämisse, viel für die Besucher zu tun, gleichzeitig aber Flora und Fauna zu schützen und dauerhaft zu bewahren.

Fischotter und Schmetterlinge

Dafür hat das „Waterreijk“ bereits eine Auszeichnung für nachhaltigen Tourismus und ein EU-Zertifikat für vorbildliche Landschaftspflege erhalten, wie Förster Egbert Beens durchaus mit Stolz berichten kann.

Und mindestens genauso angetan spricht er von den Fischottern, die noch vor wenigen Jahrzehnten in den Niederlanden beinah ausgestorben waren und neuerdings das Gebiet bevölkern. Mit der Ansiedlung von 31 Ottern habe man vor einigen Jahren angefangen, jetzt fühlen sich hier 60 Tiere heimisch. Und ein ebenso rarer wie spektakulärer Anblick ist der „Große Feuerfalter“, ein knallorangener Schmetterling, der außerhalb dieses Gebietes kaum zu finden ist. Seltene Orchideenarten, blühende Heuwiesen, Schilfrohrsänger, Blaukehlchen und viele andere Vogelarten - übers Jahr entfaltet das Sumpfgebiet in ganz unterschiedlichen Ausprägungen seinen Reiz.

... und Brücke zu!

„Und im Winter müssen Sie unbedingt zum Eislaufen kommen“, schwärmt Förster Beens. „Das ist bei uns Volkssport.“ Als es Anfang des Jahres einige Tage lang bitter kalt war froren die unzähligen Wasserwege zu. „Da sind hier an einem Tag 10 000 Menschen auf den Kanälen herumgefahren. Und das Schönste war: Diese 10 000 Menschen haben hier im Naturschutzgebiet kein bisschen Müll hinterlassen.“ Mensch und Natur im Einklang, das kann wunderbar funktionieren.

Service

Im Nationalpark „Weerribben Wieden“, in der an NRW angrenzenden Provinz Overijssel gelegen, lässt sich zu Fuß, per Rad oder natürlich vom Wasser aus per Boot ein Stück Geschichte der niederländischen Natur erleben.

In dem rund 100 Quadratkilometer großen Naturschutzgebiet gibt es zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten in Hotels, Bed & Breakfast, Ferienwohnungen und Campingplätzen, sowie viele Stellen, an denen man Räder und Kanus leihen oder Touren in Flüsterbooten buchen kann.

Info gibt es im Internet unter www.ervaarhetWaterReijk.nl (auch in deutscher Sprache) oder www.hollandnaturland.de

Text und Fotos Jacqueline Siepmann

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