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Hinter Schloss und Riegel

06.05.2008 | 17:10 Uhr

HERRSCHAFTLICH. Auf Huis Bergh türmen die Touristen. Mit allem Komfort. Und schlafen, wo andere einst wach bleiben mussten.

Turm mit Frühstück. Ab Juni. (Fotos: Heiko Kempken)

'S-HEERENBERG. Der Schlüssel - sieht aus wie ein stinknormallangweiliger Garagen-Reihenhaus-Nummer13b-Schlüssel. Modern, funktional, platt. Nix Verschnörkeltes, nix Verrostetes, nix Verfallenes. Aber das, was er aufschließt, das ist - uiii, ist das romantisch.

Dicke alte Holzbohlen unter den Füßen, schwer schiebt sich die Eichentüre auf, es ächzt und knarzt. Dicke alte Holzbalken über dem Kopf - was die wohl schon alles mitbekommen haben? Kleine, bleiverglaste Fenster, durch die die Sonne lustige bunte Kringel auf den Fußboden kritzelt. Hoppala, Achtung, nicht mit zu viel Schwung über die altehrwürdige Schwelle stolpern, denn sonst liegt man sogleich drin, im großen, breiten, weichen Bett.

Bestimmt kommt gleich Catweazle

Drumherum ist alles rund und dick und alt und sehr gemütlich. Nur dieses Durchwahl-Telefon mit Display am Nachttischchen sieht aus, als wäre es durch ein Zeitfenster irrtümlich reingebeamt worden. Und man wird das Gefühl nicht los, das im allernächsten Augenblick Catweazle, dieser schrullige angelsächsische Zauberer, aus dem Schrank krabbelt.

Diane Visser strahlt. "Leuk, nicht wahr?" Kann man wohl sagen, schön geworden, wirklich schön geworden, urgemütlich und wildromantisch dieser dicke alte runde Turm, in dem im frühen Mittelalter Soldaten Wache schoben. Nun können hier Touristen Anfeindungen der Neuzeit entsagen und die Seele baumeln lassen. Der runde Turm und der platte Turm, zwei trutzige Klötze des Kasteels Huis Bergh, sind zu komfortablen Schlafquartieren umgebaut worden.

Das hat Charme. Und ist ein Projekt von Euregio, Provinz Gelderland, der Stichting Huis Bergh und dem Verein Culture & Castles, der schon im Bereich der Euregio Rhein-Waal ausgesprochen erfolgreich alte Herrenhäuser und Schlösser vermarktet - nach dem Motto: stilvoll übernachten in historischem Ambiente. Die Hausherren bekommen Fördergelder für Renovierung und Umbau, die Einnahmen fließen in den Erhalt der zumeist denkmalgeschützten Bauten zurück.

Wobei das nicht immer ganz einfach ist. Diane Visser atmet einmal tief durch. "Jaja, es ist nicht so leicht mit dem Denkmalschutz." Das fängt bei den sanitären Anlagen schon an: Wasserspülung da, wo früher maximal ein Plumpsklo war? Heizung und Stromkabel durch historisches Mauerwerk ziehen? Und wie bekommt man eine Badewanne und eine Dusche installiert, ohne das jahrhundertealte Mauerwerk zu berühren? Geht alles.

Freischwebendes Wohnen

Die niederländischen Architekten haben einfach Bad und Bett als freischwebende Installation in den Raum gebaut - Denkmalschützer sind zufrieden, Diane Visser ist zufrieden und die Touris, die ab Juni für so um die 200 bis 250 Euro je Übernachtung (zwei Personen inklusive Frühstück) Logis beziehen können, dürften diese Art des Wohnens genießen - mit tollem Ausblick auf den Wassergraben, mit herrlichem Überblick über die Schlossanlage, mit einem runden Wohnzimmer in der ersten Etage - Flachbildschirm und W-LAN inklusive.

Ein Kellerverlies gibt es auch, gleich unterm Schlafzimmer. "Soll ich das wirklich erzählen?" Diane Visser überlegt einen Moment. Kann man mit Schauergeschichten Gäste verschrecken? Aber: Keine Burg ohne Geheimnis. Kein Schloss ohne Verlies. "Also gut. In der Nähe des Schlosses lebte so um 1600 eine alte Frau, Mechtild ten Ham. Irgendwann wurde die Frau der Hexerei beschuldigt und hier im dicken Turm eingekerkert. 83 Jahre alt war sie da." Und dann? "Nunja, in Kleve besorgte man sich das Marter-Halsband und 1603 wurde sie als eine der letzten Hexen Europas verbrannt."

Kasteel Huis Bergh und seine restaurierten Wohntürme sind mehr als nur ein paar dicke Mauern. Und alles andere als langweilig. Das alte Wasserschloss im mittelalterlichen Getümmel kann man an den Pfingsttagen erleben.

Schloss Huis Bergh in 's-Herenberg wird belagert: Am 10., 11. und 12. Mai zieht die Kompagnie van Cranenburg durch das Tor. Mit dabei: Ritter und Gaukler, Falkner, Musikanten, Marketänder, Schwertkämpfer. Sa. 10 bis 17 Uhr; So. und Mo. 11 bis 17 Uhr. Eintritt: 5 Euro .

's-Heerenberg liegt nur einen Steinwurf hinter der Grenze bei Emmerich.

Infos: www.huisbergh.nl Tel: 0031-314 66 12 81.

HEIKE WALDOR-SCHÄFER


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