Das aktuelle Wetter NRW 17°C
Interview

Geert Mak: "Geert Wilders ist keine Alternative"

15.03.2010 | 18:10 Uhr
Geert Mak: "Geert Wilders ist keine Alternative"

Kleve/Amsterdam. Die Niederlande beruhigen sich wieder, da ist sich Geert Mak sicher. Der wichtigste Schriftsteller und Intellektuelle des Landes hält die Rechtspopulisten für eine vorübergehende Zeiterscheinung. Er glaubt, dass die niederländische Politik wieder ihre Mitte finden wird.

Unser Nachbarland kommt nicht zur Ruhe. Geert Wilders, Rechtspopulist und selbst ernannter Moslembekämpfer, bestimmt tagtäglich die niederländischen Medien. Er will den Koran verbieten, eine Steuer für kopftuchtragende Muslima einführen und am liebsten alle Marokkaner des Landes verweisen. In den Umfragewerten zu den Parlamentswahlen im Mai liegt er mit 26 Sitzen an zweiter Stelle. Erfolgreicher sind zurzeit nur die Sozialdemokraten, die am Wochenende ihren Spitzenkandidaten Wouter Bos verloren, weil dieser sich mehr Zeit für seine Familie nehmen möchte. Ein Schock für viele, aber sein Nachfolger, der Amsterdamer Bürgermeister Job Cohen, wird bereits als Retter in der Krise gefeiert: „Der richtige Mann zur richtigen Zeit“.

Die NRZ sprach mit dem niederländischen Schriftsteller und Essayisten Geert Mak über die politische Situation in den Niederlanden.

Job Cohen ist neuer Vorsitzender der Sozialdemokraten. Eine gute Entscheidung?

Geert Mak: Job Cohen ist eine hervorragende Entscheidung. Auf so einen Politiker haben alle gewartet. Er wird das Land wieder mehr zur Mitte führen. Denn die jetzige Krise ist vor allem eine Krise der Spitzenpolitiker: Jan Peter Balkenende, Maxime Verhagen und Wouter Bos können nicht miteinander. Während ihrer Regierungszeit hat sich in der Koalition eine Menge aufgestaut und dieses Hindernis scheint jetzt aus dem Weg geräumt zu sein. Balkenendes Zeit ist schon längst abgelaufen, jeder weiß das, nur er selbst scheint es noch nicht zu realisieren.

Es ist nicht das erste Mal, dass er taktisch unklug handelt.

Geert Mak: Ja, das ist so. Er hat ein schlechtes Gespür für politische Stimmungen und die Christdemokraten wird das diesmal viele Stimmen kosten.

Was bedeutet die Wahl Cohens für die politische Stimmung?

Geert Mak: Durch Cohen wird es wieder mehr menscheln. Wouter Bos war im Grunde genommen ein Technokrat. Ein guter Politiker zwar, der die Finanzkrise hervorragend gemeistert hat, aber kein Politiker mit Gefühl fürs Volk. Das ist bei Cohen anders. Er steht für das Anständige und Kultivierte in der niederländischen Politik, er ist das Gegenteil eines Straßenpolitikers. Er kennzeichnet sich durch ein großes Maß an Besonnenheit und Anstand. Manchmal hängt die politische Stimmung in einem Land ja nur von ein oder zwei Personen ab. Und wir werden jetzt sehen, dass die niederländische Politik wieder ihre Mitte finden wird. Und dass Geert Wilders in seine Schranken gewiesen wird, da wo er hingehört: an den Rand.

Welche Rolle wird Geert Wilders bei den Parlamentswahlen spielen?

Geert Mak: Er wird auf jeden Fall nicht regieren. Das möchte er ja auch gar nicht, er fühlt sich in der Rolle der Opposition wohl. Durch seine umstrittenen Äußerungen über den Islam marginalisiert er sich selbst, und das weiß er auch. Ich rechne damit, dass er sich über die Zeit hinweg selbst auslöscht. Extrem rechte Parteien sind in den Niederlanden immer an internen Streitigkeiten zerbrochen. Die Partei PVV von Geert Wilders hat ja nicht einmal ausreichend Mitglieder. Und diese möchte er auch gar nicht. Bei den Gemeinderatswahlen konnte Wilders kaum Lokalpolitiker stellen, der PVV fehlt ein parteipolitischer Unterbau. Alles spitzt sich ausschließlich auf ihn zu.

Ayan Hirsi Ali sagt, dass Wilder gut ist für die niederländische Politik. Er sei eine Art Ventil für den Unmut der Bevölkerung. Sehen Sie das auch so?

Geert Mak: Nein, Wilders ist nicht gut für die Niederlande. Er konzentriert sich ausschließlich auf das Thema Integration und verbindet dies mit seiner islamfeindlichen Haltung. Bei allem Respekt: Das ist Blödsinn. Die Integrationsprobleme in unserem Land sind sehr vielschichtig und haben nicht ausschließlich mit Religion zu tun. Wenn junge Marokkaner Probleme bereiten, dann kann man das doch nicht nur auf deren Religion begrenzen. Die jungen Leute sind doch häufig gar nicht gläubig oder gehen gar nicht in die Moschee.

Es zeichnet sich ein deutlicher Richtungswahlkampf zwischen Cohen und Wilders ab. Wohin geht die Reise? Zurück in die Mitte oder eine Verschiebung nach rechts?

Geert Mak: 20 Prozent der niederländischen Wähler ist sehr erzürnt. Zum Teil zurecht. Aber häufig geht es den PVV-Wählern gar nicht um das Thema Integration. In Volendam haben 40 Prozent der Wähler für die PVV gestimmt, weil sie wegen der Kürzung der Fischereiquote durch die EU unzufrieden waren. Im Gegensatz zu Geert Wilders sprach Pim Fortuyn seinerzeit viele Missstände in der Politik an: Es ging um die Gesundheitspolitik, um die Verluderung der öffentlichen Ordnung, um die Integrationsfrage, um die Rentenpolitik. Wilders geht es nur um antiislamische Töne.

Sie sehen also eine weitere Polarisierung?

Geert Mak: Nein, ich sehe, dass die Politik wieder den Weg zur Mitte sucht. Es heißt jetzt: Alle gegen Wilders. Er ist keine Alternative. Selbst die rechte Zeitung De Telegraaf spricht sich stark gegen Wilders aus. Es gibt in der niederländischen Bevölkerung eine starke Anti-Wilders Bewegung. Die breite Mehrheit der Bevölkerung steht nicht hinter seinen Äußerungen.

Der Historiker Henk te Velde schreibt, dass die Niederländer auch keine Tradition der Polarisierung kennen.

Geert Mak: Die Niederlande rühmen sich einer Tradition der Toleranz, die aber wesentlich im Wegschauen begründet ist. In unserem Land gab es immer viele gegensätzliche Gruppen und Religionen. In der Geschichte gab es viele kluge Politiker, die das Pulverfass gut feucht gehalten haben. Denn eigentlich sind wir eine sehr konservative Nation, mit einem ausgesprochenen Hang zu sozialem Ausgleich und gesellschaftlicher Ruhe.

Die Menschen auf der Straße sind übrigens sehr viel gemäßigter als die Politiker und Journalisten in unserem Lande. Gleichwohl gibt es immer wieder hysterische Wellenbewegungen. In den 60er Jahren waren die Niederlande lange Zeit sehr konservativ und auf einmal schlug alles ins linke Gegenteil, ehe sich später die Lage wieder beruhigte. Eine ähnliche Entwicklung sehen wir zurzeit. Die Geschichte wiederholt sich.

Den Niederlanden fehlen politische Persönlichkeiten. Am Wochenende sind mit Wouter Bos und Camiel Eurlings zwei hoffnungsvolle Spitzenpolitiker abgetreten, weil sie mehr Zeit für ihre Familie haben wollen. Bemerkenswert.

Geert Mak: Wir werden ein bisschen skandinavischer. Und ich halte das für eine sympathische Entwicklung, dass Politiker auch ihre Familien berücksichtigen, dass man sie noch im Supermarkt sieht und dass sie mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben. Gleichwohl muss man sagen, dass die Politik ein mieser Job geworden ist. Die Debatten im Parlament sind rau, es geht oft nur noch ums Beleidigen. Das ist eine gefährliche Entwicklung und darüber müssen wir diskutieren: Die Politik braucht wieder mehr Anstand.

Andreas Gebbink

Facebook
 
Kommentare
09.06.2010
23:13
Blockierter Kommentar.
von Uwe | #21

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

09.06.2010
23:09
Geert Mak: Geert Wilders ist keine Alternative
von Uwe | #20

Wenn Herr Wilders in Holland mit seiner Arbeit Fertig ist, könnte Er von mir aus in Deutschland Tätig werden. Im Ausgleich könnten wir ja einige unserer Polititikkasper nach Holland schicken, aber die Holländer wollen die bestimmt nicht. Die Selbsternannten ***********, davon haben wir auch einen in der Familie, der wohnt im schönen Wegberg und predigt auch nur Müll. Früher bevor Er studierte wohnte Er in Duisburg. Er sagte mal seine Kinder bräuchten ein gutes und sicheres Wohnumfeld. Tja Wasser predigen und Wein saufen. Herr Wilders machen Sie weiter so. Danke

18.03.2010
07:55
Geert Mak: Geert Wilders ist keine Alternative
von Frijed van Pomm | #19

Die Welt titelt: Der Westen muss islamische Barbarei abwehren

Der Einfluss des Islam nimmt in Europa weiter zu. In Großbritannien existieren bereits 85 Scharia-Gerichte, die völlig unvereinbar mit westlichen Demokratien sind. Will der Westen keinen Selbstmord an seiner eigenen Zivilisation üben, muss er seine Werte verteidigen – wie es ein Geert Wilders tut.

http://www.welt.de/debatte/kommentare/article6731962/Der-Westen-muss-islamische-Barbarei-abwehren.html;jsessionid=D2DC520A2B63

16.03.2010
17:31
Blockierter Kommentar.
von umfragensindgetürkt | #18

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

16.03.2010
17:28
Blockierter Kommentar.
von miriam.lessmann | #17

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

16.03.2010
16:47
Blockierter Kommentar.
von Realist45 | #16

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

16.03.2010
15:39
Geert Mak: Geert Wilders ist keine Alternative
von fatih | #15

Herr Wilders, keine Toleranz der Intoleranz. Wir wollen keine reaktionäre kulturchauvinistische Politik.

Hassprediger wie Wilders verbreiten Intoleranz und machen sich der gleichen Verbrechen schuldig, wie ihre islamistischen Pendants, mit denen sie in populistischer Symbiose leben.

16.03.2010
14:16
Geert Mak: Geert Wilders ist keine Alternative
von Hotzenkoltz007 | #14

Wilders ist die einzige Alternative.....weil sonst das ganze wie hier in einen islamisch provozierten Bürgerkriech ausartet......

d.h. sämtliche religiösen Fanatiker sofort ratzfatz abschieben,
keine neuen Hasspredigermoscheen,
kein Zuzug von Islamisten,
Kriminelle und Sozialschmarotzer abschieben.
öffentliches Kopptuchverbot
Straftat und Abschiebung bei Zwangsverheiratung
keine Einbürgerungen von Extremisten, hohe Anforderungen an Bewerber
keine Sozialleistungen mehr für Nicht-EU-Bürger
Landessprache ausschließlich holländisch.

Ratzfatz sind die wech aus Holland.

16.03.2010
14:08
Geert Mak: Geert Wilders ist keine Alternative
von Realist45 | #13

kommt alles, auch bei uns.

Die Parteien halten solange den Deckel auf den brodelnden Kochtopf, bis er explodiert.

16.03.2010
13:59
Geert Mak: Geert Wilders ist keine Alternative
von Kalutti | #12

Für mich wird die Frage, wer oder was denn dann die Alternative ist, abere durch Herrn Mak nicht beantwortet. So kann man sich meines Erachtens auch nicht äußern. Das ist doch alles nur heiße Luft.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/2742870/create

Aktuelle Fotos und Videos
Musik und Sonne pur
Bildgalerie
Moers Festival
Sommer, Sonne ...
Bildgalerie
Hitze
Heftige Unwetter in NRW
Bildgalerie
Unwetter
Unwetter am Niederrhein
Bildgalerie
Wetter
Aus dem Ressort
200 Liter pro Abend
Pfinsten daheim! (V)
Vom gelben Engel bis zum Bademeister. Das lange Pfingstwochenende am Niederrhein aus fünf verschiedenen Blickwinkeln. Mit Dragan Simic, Kellner im Duisburger Biergarten „Lindenwirtin“
Pfingsten ist Eis-Weihnachten
Pfingsten daheim! (IV)
Vom gelben Engel bis zum Bademeister. Das lange Pfingstwochenende am Niederrhein aus fünf verschiedenen Blickwinkeln. Mit Andreas Isselmann, Inhaber der Weseler Eisdiele Lohschelder.