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Forschung am Rande des Universums

05.09.2011 | 18:01 Uhr
Forschung am Rande des Universums
Heino Falcke bestimmt am Sternenglobus den Standort des schwarzen Loches. Foto: Markus Peters

Nimwegen.Der deutsche Astrophysiker Heino Falcke von der Radboud-Universität Nimwegen wird mit dem Spinozapreis ausgezeichnet. Er sucht - im hintersten Winkel des Universums - nach „Schwarzen Löchern“ und „kosmischen Teilchen“.

Und er versucht zu beschreiben, wie diese rätselhaften Objekte im Weltall beschaffen sind. Das erforscht der Wissenschaftler, der an der Radboud-Universität in Nimwegen Astrophysik lehrt, so erfolgreich, dass ihm am 9. September in Den Haag der mit 2,5 Millionen Euro dotierte Spinoza-Preis der „Niederländischen Organisation für wissenschaftliche Forschung“ (NWO) verliehen wird.

Der 44-jährige Physiker ist übrigens erst der zweite Deutsche, der diesen Preis erhält. „Das ist ein Riesenerfolg und ein Prestigegewinn. Nicht nur für mich, sondern für die gesamte Astrophysik in Nimwegen und für die Universität“, freut sich der Rheinländer aus Frechen bei Köln. Nicht ohne Grund, denn der Spinozapreis ist die höchste wissenschaftliche Auszeichnung der Niederlande und vergleichbar mit dem deutschen Leibnizpreis. Ein Ritterschlag für Wissenschaftler, der zudem auch gut dotiert ist.

„Allerdings bekomme ich die 2,5 Millionen Euro nicht für mich selbst, sondern für Forschungsprojekte“, betont der jugendlich wirkende Professor in seinem 16 Quadratmeter großen Büro mit gläserner Fensterfront der Radboud-Universität. Mit dem Preisgeld möchte Falcke seine wissenschaftliche Arbeit weiter ausbauen. Der Astrophysiker beschäftigt sich seit Jahren intensiv damit, ein Netz von neuartigen Radioteleskopen aufzubauen, um den rätselhaften schwarzen Löchern und den kosmischen Teilchen, die sie vermutlich erzeugen, auf die Schliche zu kommen.

Ein Feld voller Antennen

Ein simuliertes schwarzes Loch vor dem Milchstraßenhintergrund. Es wirkt wie eine Linse, entsprechend wird auch der Effekt „Graviationslinse“ genannt. Grafik: Wikipedia/Kraus

Das sind sogenannte „Lofar“-Teleskopen. Der Begriff steht für „Low Frequency Array“ (Niederfrequenzbereich) und bezeichnet eine Anordnung aus vielen Radioteleskopen, deren Signale zu einem einzigen Signal kombiniert werden. Rund 50 dieser fußballplatzgroßen Felder, auf denen mannshohe Antennen stehen, wurden bereits in ganz Europa errichtet und mit einem Supercomputer an der Universität Groningen verbunden. Gemeinsam sollen diese Felder Radiowellen aus dem All auffangen, um zu lauschen, wie es im Weltall aussieht.

„Ich möchte an den Rand des Universums schauen“, erklärt Falcke. Die Möglichkeit dazu gibt ihm das Lofar-Projekt. Es war für den jungen Wissenschaftler, der in Köln und Bonn studiert und promoviert und am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn geforscht hatte, der Grund, nach Nimwegen zu wechseln. „Eine solche Chance hätte ich an einer deutschen Universität wohl kaum bekommen“, betont der Vater von drei Kindern, der immer noch in Frechen lebt und täglich ab Venlo mit dem Zug in die gelderländische Universitätsstadt pendelt. „Dabei kann ich schon prima arbeiten“, betont Falcke.

ASTROPHYSIK
Schwarze Löcher

Schwarze Löcher sind Objekte im Weltall, deren Schwerkraft so groß ist, dass selbst Licht nicht nach außen dringen kann. Auch wird dort Materie auf noch unbekannte Weise in Energie umgesetzt. Der Begriff „Schwarzes Loch“ wurde 1967 von John Archibald Wheeler geprägt. 1974 zeigte Stephen Hawking, dass die „Schwarzen Löcher“ eine Strahlung abgeben. In einer Reihe von Publikationen beobachtet und beschreibt Falcke seit 1998 ein schwarzes Loch im Zentrum unserer Milchstraße, die Radiostrahlung, die daraus hervorgeht, und zeigt anhand von Berechnungen, wie der Rand eines solchen Schwarzen Loches entstehen könnte.

„Der beste Standort für ein Radioteleskop wäre die dunkle Seite des Monds“, erklärt der promovierte Sternengucker bzw. Sternenlauscher. Aufgrund der dort herrschenden Funkstille kann die Empfindlichkeit für den Empfang von Radiowellen deutlich verbessert werden. Deshalb befindet sich das Antennenfeld der Radboud-Universität auch nicht im dicht besiedelten Gelderland, sondern weit oben im Norden der Niederlande, in Friesland. Dort gibt’s weniger Störgeräusche.

Zusammen mit anderen Wissenschaftlern will Falcke erreichen, dass bei einer europäischen Mondmission auch eine Niederfrequenz-Radioantenne mitgenommen wird, um Messungen durchzuführen. 2012 wird der EU-Ministerrat darüber entscheiden, ob eine solche Mission zu Stande kommt. An Bord eines Shuttles wird der Astrophysiker, der als Hobby Ultraleichtflugzeuge steuert, aber kaum sitzen: „Ich glaube, da hätte meine Frau was gegen“.

Laienprediger in der Kirche

Neben seiner Forschungsarbeit predigt Heino Falcke regelmäßig als Laie in der Evangelischen Kirche in Frechen. Für ihn steht das christliche Bekenntnis nicht im Widerspruch zu seinem Selbstverständnis als Wissenschaftler. „Letztendlich geht es auch in der Wissenschaft um den Glauben. Und um den Versuch, diese Annahmen zu beweisen“, erklärt der 44-Jährige.

Markus Peters

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