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Experiment Kunst

05.08.2010 | 19:30 Uhr
Experiment Kunst
Ganz schön schräg: Gerhard de Groot und seine Werke. Foto: Heinz Holzbach/WAZ/FotoPool

Bedburg-Hau. 17 Künstler packen im „Artoll“ in Bedburg-Hau ihre Kreativität aus und probieren einfach was. Der Klever Schwan wird zum Beispiel verölpestet.

Es ist schon erstaunlich. Zur Mulde 10, Haus Nummer 6. Seit 17 Jahren ist dieses Haus, das rein äußerlich sich nicht von den anderen rechts und links unterscheidet, ein ganz besonderer Kunstort. Artoll ist hier zu Hause, ein Kunstlabor, in dem Kunst entsteht und mit Kunst experimentiert wird, in dem Jahr für Jahr Künstler aus dem In- und Ausland zusammenarbeiten - und ein gutes Stück auch zusammenleben. Ein Haus für Künstler von Künstlern, ehrenamtlich betreut, aufrecht erhalten und mit Kreativität gefüllt. Und nun sind wieder 17 professionelle Künstler da, aus Österreich, den Niederlanden, England und Deutschland, und nehmen sich ein Thema vor: Border-Lines.

„Ein Titel, der vieles umschließt“, sagt Artoll-Motor Dini Thomsen, „Krankheit, Grenzen, Linien, Flüsse - es ist offen.“ Und so haben die 17 Künstler jede Menge Freiraum zum Experiment - ob mit Farbe oder Heu, Video oder Performance, Holz oder Hängematte.

Barbara Nicholls aus London, etwa, hat große Holzplatten mitgebracht. Da schleift sie Farbe und Formen hinein, schafft googleearth-artige Landschaften und Kartenwerke, gräbt sich tief und tiefer ins Material. Wie ein Archäologe. Silvia Liebig geht ganz anders mit ihrer Phantasie um. Nimmt Umrisszeichnungen von Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen - Behinderte, Alte, Obdachlose. Spielerisch stellt sie sie schemenhaft zusammen, von weitem entwickeln sich sehr harmonische barocke Tapetenmuster - je näher man kommt, desto desillusionierter wird der Blick.

Mehr als einfach nur
bunte Tapetenmuster

„Wie weit geht eine Demokratie, um ihre Werte zu schützen?“, fragt die Künstlerin provokativ. „Es ist doch absurd, Demokratie mit Waffengewalt zu verteidigen.“ Genauso zu hinterfragen sind wir Gutmenschen, sagt Silvia Liebig, „wir spenden und geben was in die Altkleidersammlung - aber wie gehen wir mit den Randgruppen unserer Gesellschaft wirklich um?“

Es scheint, das Sommerlabor 2010 sucht ein bisschen die künstlerische Provokation. Es gibt die stille, die auf die Räume ausgerichtete Kunst. Spannend und voller Entdeckungspotenzial. Und es gibt die lautere, die angreifende Kunst. Karl Kilian und Lucia Morandini (Österreich) zum Beispiel. Die beiden wollen den Lohengrin-Brunnen in Kleve verölpesten. Keine Sorge, es wird, wenn es denn wird, ein temporäres „Kunstwerk“, zwei Wochen lang nur soll der edle weiße Schwan von Karl-Hennig Seemann mit Gaze überdeckt, mit schwarzem Acryl überzogen und lackiert werden. „Ich habe Fotos gesehen von ölverdreckten Vögeln, das ist so ein Elend“, sagt Karl Kilian. „Und eigentlich ist es nicht nur BP, wir alle sind schuld an dieser Ölpest, dieser Katastrophe, wir fahren Auto, wir benutzen Plastik...“ Die Erlaubnis vom Schöpfer des Lohengrin-Brunnens, Karl-Henning Seemann, haben die Österreicher schon vorliegen. Inzwischen hat auch der Bürgermeister in Kleve sein Okay gegeben.

Der Termin für die Klever „Ölverpestung“ am Elsabrunnen steht fest: Samstag, 14. August, 13 Uhr. Passieren, versichern die beiden Künstler, wird am Lohengrin-Brunnen jede Menge... „Kunst muss die Menschen bewegen.“

Seemannslieder erklingen am Rheinufer

Ruhiger - wenngleich nicht unbedingt entspannter - kommen Caspar Pauli und Birgit Binder daher. Von Köln/Bonn aus paddeln die beiden Künstler an den Niederrhein, erklimmen das Ufer in Grieth, Seemannslieder werden erschallen und alle Erlebnisse wie auch immer in einer Videoinstallation Platz finden - dokumentiert, verfremdet, gestaltet, verpackt.

Wie immer kommen im Sommerlabor Artollerfahrene und Artollnewcomer zusammen. Die einen helfen beim Aufbau, und Organisieren mit - dazu gehören so elementare Dinge wie Fenster putzen, kochen, den Weg zum nächsten Baumarkt finden. Die anderen lassen in den ersten Tagen vor allem den ungewohnten Ort auf sich wirken - ein Kunstlabor inmitten der Rheinischen Kliniken, gleich gegenüber Haus Nummer 5, der Hochsicherheitstrakt mit dem meterhohen Gitterzaun. Ein besonderer Ort für die Kunst, mitten im Leben und ganz weit weg vom Elfenbeinturm lichtdurchfluteter Atelierräume.

Zugucken, wie Kunst entsteht, wie wird, was wird, kann man auch. Einfach vorher anrufen: Telefon: 02821-7155632.

 

Die Teilnehmer:

„Border-Lines“ - Malerei, Bildhauerei, Film, Installation und Musik gibt es von folgenden Künstlern:

Deutschland: Caspar Pauli, Birgit Binder, Katja Thönissen, Andreas Schön, Elisabeth Schink, Gunther Hülswitt, Dini Thomsen, Silvia Liebig, Elke Nebel.

Österreich: Karl Kilian, Lucia Morandini, Herwig Tollschein.

England: Jon Moscow, Barbara Nicholls.

Niederlande: Marijke Schlebusch, Gerhard de Groot, Lobke Burgers, Martijn Bosman.

Heike Waldor-Schäfer

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Kommentare
05.08.2010
22:45
Blockierter Kommentar.
von greulichmussweg | #1

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