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Ein König unter den Brauereien

29.05.2012 | 20:08 Uhr
Zur Jahrhundertwende 1899/1900 lag der Ausstoß der König-Brauerei bereits bei 50.000 Hektolitern.

Duisburg.  Die König-Brauerei in Duisburg-Beeck war einmal die größte Privatbrauerei in Deutschland. Heute hat sie wie die gesamte Branche mit einem schrumpfenden Markt zu kämpfen.

Man hat die König-Brauerei noch gar nicht betreten und der erste Eindruck ist schon jetzt: riesig. Auf dem Brauereihof türmen sich palettenweise rote Bier-Kästen. Selbst wenn sich alle Einwohner Duisburgs zusammengetan hätten – ein paar Tage hätten sie schon gebraucht, um das ganze Bier zu trinken, das sich hinter diesem Leergut verbirgt.

Im Pförtnerhaus wartet Besucherbetreuer Ditmar Liesfeld und nennt erst einmal Zahlen: 1,2 Kilometer lang ist der Besucherrundgang. 260 Kilometer Rohrleitung verlaufen durch die 24.000 Quadratmeter große Brauerei, in der jährlich 1,3 Millionen Hektoliter König Pilsener gebraut werden. Das sind umgerechnet 650 Millionen 0,2-Liter-Gläser Bier.

„Unsere Abfüllanlagen läuft von montags bis freitags durch“, sagt Liesfeld, während er die Tür zur Schaltzentrale des Sudhauses öffnet. Hier schlägt das Herz der Brauerei. An den Computern steuern die Braumeister die Produktion – auf dem modernsten Stand der Technik. „Obwohl das Brauen vom Prinzip her genauso funktioniert wie in jeder kleinen Hausbrauerei auch“, sagt Liesfeld.

Beim Rundgang begrüßt der 60-Jährige jeden Kollegen mit Handschlag. Von den mehr als 200 Mitarbeitern in Beeck ist Liesfeld der Dienstälteste: 1966 begann er seine Ausbildung als Brauer und Mälzer. Vor 20 Jahren wechselte er ins Besuchermanagement.

Mit Besucherbetreuer Ditmar Liesfeld im Sudhaus. Foto: Udo Milbret

Liesfeld kann sich noch gut an seine Anfangszeit erinnern. Auf dem Weg zur Abfüllung macht er vor einem der alten Lagertanks Halt: „Da sind wir früher reingeklettert und haben sie von Hand gereinigt.“ Heute sind die alten Stahltanks längst ausrangiert und durch neue, größere ersetzt, in die niemand mehr hineinklettern kann und muss – alles funktioniert voll automatisch. In der Abfüllung klirrt und klappert es: 50 000 Flaschen rattern hier pro Stunde auf den Bändern vorbei. Bei der Fassabfüllung nebenan sind es 700 Fässer stündlich.

Der Rundgang endet im Theodor-König-Keller. Die Wirtin zapft gerade drei Runden Pils für die Besuchergruppen, die sich an den rustikalen Tischen niedergelassen haben. Links vom Eingang der Schankstube hängt die Büste des bärtigen Brauereigründers Theodor König, der 1858 die Konzession bekam, in Beeck Bier zu brauen.

König hatte das Potenzial der Region und ihrer Kohlevorkommen früh erkannt. Das Land, das er erworben hatte, lag unweit der Phönix-Hütte und des Walsumer Hafens. Im Zuge der Industrialisierung strömten immer mehr Arbeiter herbei. Die wiederum zogen Handwerker und Geschäftsleute an. Und sie alle hatten: Bierdurst.

Seit 1911 wird Pils gebraut

Eine Menge Fässer... Foto: Udo Milbret

So wuchs die Brauerei und feierte 1899 schon einen Jahresausstoß von 50 000 Hektolitern Bier, das mittlerweile in der ganzen Region vertrieben wurde. Um 1911 brauten Königs Nachfahren erstmals ein stärker gehopftes, herberes Bier nach Pilsener Brauart – das war die Geburtsstunde der Marke „König Pilsener“. Oder schlicht KöPi, wie die Biertrinker den Beecker Gerstensaft nennen.

Die Expansion ging weiter. Bis sich im Zweiten Weltkrieg die Nähe zur Thyssen-Hütte, die vorher ein Segen gewesen war, zum Fluch entwickelte: Bombenangriffe zerstörten die Brauerei fast vollständig. Rückblickend wirkt die Zerstörung des Krieges jedoch wie eine Triebfeder für den weiteren Aufstieg.

...und Kisten! Foto: Udo Milbret

Mit neuen, modernen Anlagen knüpfte die König-Brauerei an ihre Erfolge an: König Pilsener wurde nun zu einer nationalen Marke. Das bis dahin dominierende Exportbier verlor immer mehr an Boden und wurde vom Pils als beliebtestes deutsches Bier abgelöst. 1967 war König Pilsener zur größten Privatbrauerei Deutschlands geworden. 15 Jahre später erlebte die Brauerei mit einem Jahresausstoß von 2,5 Millionen Hektolitern das erfolgreichste Jahr der Firmengeschichte.

Doch die anderen Brauereien holten auf. Und so gab es im Jahre 2000 nach fünf Generationen in Familienhand einen Einschnitt in der Firmengeschichte: Die Gesellschafter beschlossen, die Traditionsbrauerei an die Hamburger Holsten-Gruppe zu verkaufen. 2004 wurde die König-Brauerei dann von der Bitburger-Braugruppe übernommen, zu der neben Bitburger Pils auch die Marken Wernesgrüner, Licher und Köstritzer gehören.

Guido Christiani, der Geschäftsführer Technik der König-Brauerei, sitzt in einem Besprechungszimmer und sagt: „Immer weniger Menschen in Deutschland trinken immer weniger Bier.“ Das sei einer der Gründe, warum sich die Produktionszahlen in Beeck in den vergangenen 30 Jahren deutlich verringert haben.

An der alten Holzschnitzerei lässt sich erahnen, dass der Konsum von Bier keine Tradition neueren Datums ist... Foto: Udo Milbret

Dass die Deutschen weniger Bier trinken, ist offensichtlich. Während der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch 1976 noch bei 151 Liter im Jahr lag, ist er seither sukzessive abgesunken: Im vergangenen Jahr lag er noch bei gut 106 Liter. Der Kuchen, den es zu verteilen gilt, wird also stetig kleiner, der Konkurrenzdruck der Brauereien größer. Rauchverbot und Kneipensterben tun ihr Übriges und machen der gesamten Branche das Leben schwer

Sixpack zum Geburtstag

„Die Rahmenbedingungen haben sich geändert“, sagt Christiani. Und vor diesem Hintergrund sieht er es als Erfolg, „dass wir uns bei 1,3 Millionen Hektolitern stabilisiert haben.“

100 Jahre KöPi aus Duisburg

Um die Zukunft der König-Brauerei sei ihm nicht bange: „Unser Standort ist für die gesamte Braugruppe wichtig. Wir haben in den letzten Jahren viel in die Infrastruktur investiert und werden sicherlich noch sehr lange in Beeck Bier brauen.“

Der Anspruch ist weiterhin, eine Premium-Marke mit nationaler Ausstrahlung zu sein. Das zeigt sich schon in der deutschlandweiten Fernseh-Werbung. Gleichzeitig ist sich die König-Brauerei ihrer regionalen Wurzeln bewusst, sponsert regionale Vereine wie den MSV Duisburg oder Rot-Weiß Oberhausen und viele Feste und Veranstaltungen an Rhein und Ruhr. „Die Menschen in der Region haben uns stark gemacht“, sagt Christiani. Und die gelte es zu belohnen.

Als die Brauerei 2008 ihren 150. Geburtstag feierte, bekam jeder Duisburger Bürger einen Gutschein: für einen König-Sechserträger seiner Wahl.

BRAUEREIBESICHTIGUNG

Neben dem König Pilsener wird in Beeck auch König Pilsener Alkoholfrei und das König Pilsener Radler gebraut. Rund zwei Drittel werden in Flaschen, das restliche Drittel in Fässer abgefüllt.

Die Brauerei kann montags bis donnerstags vormittags (10 bis 13 Uhr) und nachmittags (14 bis 17 Uhr) besichtigt werden. Gruppengröße: zwischen zehn und 60 Personen, die alle volljährig sein müssen. Eine vorherige Anmeldungen ist allerdings erforderlich.

Kontakt: www.koenig.de/brauerei/besichtigung.

Matthias Wenten



Kommentare
30.05.2012
14:12
Ein König unter den Brauereien
von Harry.Hirsch | #1

Schöner Artikel!

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