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Die Staubfänger

25.05.2008 | 19:48 Uhr

DENKMAL. Gut, dass sie das mit dem Streichholz gelassen haben: Junge Leute im Freiwilligen Jahr räumten die Lohmühle auf.

Nix für Hausstaub-Allergiker. (Fotos: Ron Franke)

DUISBURG. Als die Truppe junger Leute am Samstagmorgen an der Baerler Lohmühle anrückte, um sie aufzuräumen, hatten sie zunächst einen frevelhaften Gedanken, der kaum vereinbar ist mit ihrer eigentlichen Tätigkeit: Sie sind alle in einem Freiwilligen Jahr in der Denkmalpflege. "Wir dachten, wenn wir ein Streichholz dran halten, geht es schneller", witzelt Jakob Hansen aus dem dänischen Nyköping, der sonst im Archäologischen Park Xanten Erfahrungen sammelt. Das mit dem Feuer haben die Freiwilligen natürlich nicht getan - das hätte ihnen die gemeinsame Party am Abend versaut, und den Spaß an der gemeinsamen Aufgabe. Außerdem eint sie ihr Interesse an alten Steinen.

Gut, da hatte ihnen noch niemand gesagt, dass ihre Arbeit in der Mühle - bis vor kurzem noch in Familienbesitz und seit 30 Jahren kaum betreten - auch beinhalten würde, in fieser Kleinarbeit den Taubendreck oben unter der Kappe wegzuschruppen. Und als sie morgens das Tor öffnen wollten, stellte sich ihnen ein Berg von Zeugs entgegen, das sich über die Jahre dort angesammelt hatte. Das war eine Überwindung, die Ärmel hochzukrempeln. Aber mittags strahlte schon eine engagierte und ziemlich verstaubte Anna Lena Möller, die in Köln beim Landschaftsverband Dienst tut: "Das ist ein ganz schöner Unterschied, wenn man sieht, was wir alles geschafft haben."

Sind so viele Hölzer

Und das ging so: Jedes Stück, das sie in die Hand nahmen, hieß es zu beurteilen: wichtig oder nicht? Inventarisieren oder nicht? Beim dem zerfetzten Stuhl mit Resten vom Binsengeflecht war das schnell klar. Der hat mit der geplanten Restaurierung der Mühle nichts zu tun. Aber jedes Stück Holz könnte zum Mahlwerk gehören. Oder ist es bloß ein Brett, das einer achtlos hingeworfen hat? Dass die jungen Leute bis mittags alle Zettel aufgebraucht hatten, die an die Fundstücke gepappt wurden, spricht dafür, dass sie auf Nummer sicher gegangen sind. "Nummer 124: drei keilförmige Hölzer", notierte Nicole Aretz aus Mönchengladbach auf dem Block - sonst ist sie in Düsseldorf und Essen unterwegs. Wozu die gut sein könnten? "Keine Ahnung." Aber sicherheitshalber macht Ines Loll auch Fotos von den gesammelten Sachen. Sie kommt aus Wanne-Eickel und leistet ihr Freiwilliges Jahr in Dortmund ab.

Man kennt sich als FJDler von den regelmäßigen Seminaren. Und als Annika Berger, die bei einem Rheinberger Architekten arbeitet, der spezialisiert ist auf Denkmäler und eben auch auf dieses, ihre Kollegen ansprach, hatte sie flott eine größere Runde zusammen, als erwartet. Und - so beteuern sie alle - sie hätten auch ohne die Kiste Bier, die der Architekt zur leichteren Entscheidung für das Projekt Wochenend-Arbeit hat springen lassen, zugesagt Dabei hat Annika Berger die Aktion Lohmühle keineswegs in geschönten Farben geschildert: "Ich hab bei der Powerpoint-Präsentation Fotos von fertig restaurierten Mühlen gezeigt mit dem Kommentar: Das ist nicht unsere Mühle! Und dann hab ich ein richtig schlechtes Foto bei schlechtem Wetter von dieser Mühle gezeigt." Hat niemanden abgeschreckt, scheint's. Auch nicht Cecile Santoul aus Toulouse, die ihr Freiwilliges Jahr nach dem Studium der Geschichte und Bibliothekswissenschaften in Frankreich und England in Köln ableistet. Dass ihr T-Shirt mal weiß war, kann man nur noch ahnen, und mit Mühlen hat sie sich bisher noch nie beschäftigt. Dann eben jetzt.

Von wegen Party

Christin Fiedler aus Millingen ist die einzige in der Truppe, die nach dem Freiwilligen Jahr nicht studieren will, und sie ist sowas wie die Mutter der Baerler Kompanie: Bei ihr übernachten die jungen Leute. Ein praktischer Zufall, denn Christin zieht gerade um, und die Räume der alten Wohnung stehen leer. Na, da macht man doch mit zwanzig erst mal richtig Party? "Hätte ich auch gedacht, aber am Freitag war ich erstaunt, wie früh alle in den Schlafsäcken lagen", wundert sich Annika Berger.

Christin Fiedler will Glasmalerin werden. Derzeit kann sie ihre Fähigkeiten am Xantener Dom beweisen. "Aber manchmal bin ich auch im Stein eingesetzt. Also verfugen kann ich auch." Die Kollegen grinsen: "Prima, dann kannst Du ja gleich anfangen", rufen sie und blicken schelmisch die meterhohe Wand der Mühle hoch.

Wie auch immer: Es sieht danach aus, als würde ein Wochenende nicht reichen. "Es machen auch bestimmt alle nochmal mit", ist sich Annika Berger sicher, "Aber das wird schwer einen Termin zufinden." Trotzdem: Die Idee mit dem Streichholz war ein blöder Scherz, bei so einer schönen Mühle, die so schön nach altem Holz riecht.

Mehr über das Freiwillige Jahr in der Denkmalpflege - eine Alternative zum Sozialen oder Ökologischen Jahr - gibt es unter www.ijgd.de oder www.denkmalschutz.de. Oder bei Uwe Steinberger, Leiter der Jugendbauhütte Duisburg/Raesfeld, Tel: 0203/39 34 29 02.

KAREN KLIEM

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