Der Biolandhof mit dem mobilen Hühnerstall
11.04.2011 | 17:51 Uhr 2011-04-11T17:51:00+0200
Kamp-Lintfort. Bärbel und Klaus Bird haben auf dem Frohnenhof in Kamp-Lintfort auf Bio-Landbau umgesattelt. 440 Legehennen und 200 Limousin-Rinder werden dort gehalten. Nach jedem Lebensmittelskandal kommen neue Kunden hinzu.
Die Hühner sind los. Oder? Nein, nur eins. Laut gackernd kommt es aus dem Rinderstall und läuft über den Frohnenhof, weit abseits von seinen Artgenossen, die zu Hunderten brav auf der anderen Straßenseite ihren Freigang genießen und über die Wiese stolzieren.
Bärbel Bird lacht über das „verstoßene Huhn, das nun jeden Tag sein Ei im Rinderstall legt“, sagt die Landwirtin. Mit ihrem Mann Klaus betreibt sie den Biolandhof Frohnenbruch in Kamp-Lintfort, hält 440 Legehennen in Freiland, rund 200 Limousin-Rinder und baut Kartoffeln an. Zweimal in der Woche, freitags und samstags, öffnet sie ihren Hofladen.
Der offene Stall für die Rinder und die zwei mobilen Hühnerställe auf den Wiesen sind von der Landstraße nicht zu übersehen. Seit 1846 führt die Familie Bird den Hof, jetzt in siebter Generation. „2002 haben wir auf Bio umgestellt“, sagt Klaus Bird. Bereut hat er es nie, auch wenn die Umstellungsphase wirtschaftlich Geduld brauchte, obwohl es eine Förderung vom Land gab. Aber längst haben sich Absatz und Nachfrage gesteigert.
Ökologischer Landbau ist ein Wachstumsmarkt, wie Statistiken der Landwirtschaftskammer NRW zeigen. Demnach hat sich die Anzahl der Betriebe, die ökologischen Landbau betreiben, in den vergangenen sieben Jahren von 700 auf 1700 erhöht, das sind 3,6 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe. Die Anbaufläche hat sich in den vergangenen zehn Jahren auf 4,1 Prozent fast verdoppelt, was auch eine Folge der steigenden Nachfrage an Bioprodukten, vor allem aus der Region, ist.
Kein anonymer Verkauf
Das weiß auch Klaus Bird aus Erfahrung. „Entscheidend ist der Verkauf direkt an den Verbraucher. Die Kunden wollen nicht anonym kaufen, sondern sehen, wie die Tiere gelebt haben“, sagt der Landwirt. Nach dem letzten Dioxinskandal zählten auch die Birds schlagartig mehr Kunden, „von denen diesmal viele zu Stammkunden wurden. Das war in den Jahren zuvor nicht immer so.“ Denn noch immer sind Bioprodukte teurer. Das sei sicher ein Grund, dass viele Menschen zwar gerne Bio kaufen würden, es dann aber doch nicht tun. „Allerdings haben wir auch Familien, die bei uns einkaufen, die nicht viel Geld haben, aber halt andere Prioritäten setzen“, sagt Klaus Bird.
Ein paar Paletten Eier gehen regelmäßig an einen Supermarkt in der Nähe. „Beim Fleisch wäre es schwieriger. Da kämen wir schnell an unsere Kapazitätsgrenze“, sagt Klaus Bird. Denn bei Bio gebe es eine Produktionsgrenze: „Man braucht eine gewisse Fläche pro Tier“, erklärt Klaus Bird, der mit seiner Frau 90 Hektar bewirtschaftet.
Vor zwei Jahren haben die Birds zwei Hühnermobile, quasi Hühnerställe auf Rädern, angeschafft. Das hat den Vorteil, dass die Hühner wandern. „damit das Gras nachwachsen kann“, erklärt Klaus Bird. Das macht die Hühner glücklich, die wieder frisches Grünzeug haben, und beschert Klaus Bird weniger Arbeit, weil die Wiese sich von alleine erholt. Denn der Auslauf verschlammt und verdreckt mitunter schnell. Und so fahren die Hennen alle sieben Tage ein paar Meter weiter – mitsamt ihren acht Hähnen, die für Ruhe sorgen, wenn die Damen zicken.
Bald geht’s nach draußen
Der Biolandhof Frohnenbruch an der Schlossallee 81 in Kamp-Lintfort ist einer von bundesweit rund 200 Demonstrationsbetrieben Ökologischer Landbau. Verbraucher oder auch Schulklassen können auf Anfrage bei einer Hofführung anschauliche Eindrücke in die Arbeit der biologischen Rinderzucht bekommen und das Hühnermobil erkunden. Verkauft werden die Eier, das Rindfleisch und weitere Bioprodukte in dem Hofladen immer freitags von 10 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 14 Uhr. Weitere Infos unter www.frohnenbruch.de
Gelassener scheinen die Rinder zu sein, die in ihren Ställen vor sich hin dösen. Noch zwei Wochen bleiben sie drin, dann kommen sie auf die Weide. Jedes Jahr bringen die Kühe in der Regel ein Kalb zur Welt, zur Hälfte sind es Bullen, die nach einem Jahr geschlachtet werden. Die Kühe haben ein längeres Leben, bis zu 15 Jahre, sofern ihre Geburten problemlos verlaufen. „Kaiserschnitte sind zu kompliziert, weil unsere Kühe im Sommer draußen sind und nicht immer unter Beobachtung stehen“, erklärt Klaus Bird, der keine chemischen Pflanzenschutz benutzt, durch Mist düngt und mechanisch das Unkraut reguliert.
Ein Tier wird pro Woche geschlachtet – biogerecht auf dem Bioschlachthof Thönes in Wachtendonk. Zerlegt wird das Fleisch in der eigenen Hofmetzgerei von Bärbel Bird, die gelernte Metzgermeisterin ist. Das Fleisch verkaufen die Birds nur im Hofladen – ein, zweimal im Jahr auch Hühnerfleisch. „Wenn die Legeleistung nachlässt, enden die Hennen als Suppenhuhn“, sagt Bärbel Bird, die neben den eigenen Erzeugnissen Bio-Käse, Milch, Gemüse, Nudeln, Pudding, Öle und sogar Bio-Cola verkauft – und nicht zu vergessen auch das eine Ei des verstoßenen Huhns.
11:06
Eier zu essen ist nicht moralischer als Fleisch zu essen. Die Hälfte der Küken in Betrieben, in denen Legehennen gezüchtet werden, werden bei lebendigem Leibe zerschreddert oder vergast. Und das ist völlig legal in Deutschland. Dabei ist es egal, ob man seine Frühstückseier aus Käfighaltung oder Biohaltung kauft, das Kükensexen ist praktisch immer die gängige Praxis! Das Sexen wird in der Eierproduktion durchgeführt, weil nur Hennen Eier legen und daher relevant sind. Da die Zuwachsleistung von für die Eierproduktion gezüchteten Hühnerrassen etwas unter der aus Geflügelmastzüchtungen liegt, werden die Hähnchen nach dem Sexen getötet.