Beuys-Witwe fordert die Werke zurück
22.01.2009 | 19:10 Uhr 2009-01-22T19:10:00+0100
Bedburg-Hau. Eva Beuys wirft dem Museum Schloss Moyland einen „unprofessionellen Umgang” mit Kunst vor.
Sie wurde vor 19 Jahren gegründet – die Stiftung Museum Schloss Moyland. Dass Eva Beuys und ihre Kinder erst jetzt Ansprüche geltend machen, ist kein Zufall. Die Forderung bekommt durch massive Vorwürfe gegen die Arbeit des Museums einen bitteren Beigeschmack. Das Museum diene eher einer Präsentation im Stile eines Heimat- oder Regionalmuseums, heißt es.
Die Degradierung zum Heimatmuseum ist genau das, was seit Beginn der Streitigkeiten zwischen Land und Stifterfamilie van der Grinten befürchtet wird. Zu Recht.
Fakt ist: Das Land bereitet derzeit eine Beuys-Ausstellung vor – inklusive Forschungsprojekt „Erstellung eines Werksverzeichnisses”. Nicht nur das: Eva Beuys besitzt ein eigenes Archiv, für das sich das Land interessiert. Beide Archive unter einem Dach – komplettiert durch Beuys-Werke aus Moyland. Eine Expertenkommission hat 2008 genau diese Komplett-Verlagerung nach Düsseldorf vorgeschlagen. Das Land weist derartige Pläne zwar gebetsmühlenartig von sich. Allein es fehlt der Glaube. Denn eine Immobilie ist bereits gekauft – hinter der Kunsthalle. In Düsseldorf. Wo sonst...
Ein jahrzehntelanger Streit ist eskaliert: Eva Beuys, Witwe des Künstlers Joseph Beuys, sowie deren Kinder Jessyka und Wenzel fordern von der Stiftung Museum Schloss Moyland die Herausgabe aller in ihrem Eigentum stehenden Kunstwerke sowie die sofortige Verlagerung des Beuys-Archivs nach Düsseldorf. Das ließ Eva Beuys über ihren Bonner Rechtsanwalt Dr. Gerhard Pfennig letzte Woche das Museum wissen.
Seitdem steht das 14 Seiten lange Schreiben des Rechtsanwalts im Raum. Casus knacksus: Wem gehört was? Will heißen: Eva Beuys fordert von den Stiftern van der Grinten Beweise dafür, dass sie Eigentümer der Werke sind, die sie in die Stiftung eingebracht haben. Umgekehrt werde ein Schuh daraus, kontert die Familie van der Grinten. Wobei für Anwalt Gerhard Pfennig Eva Beuys im Recht ist: „Wenn in Moyland ein Schriftstück von Beuys vorliegt, in dem drin steht ,ich überlasse mein Archiv den van der Grintens', sollen sie das zeigen, dann ist alles okay.”
Überrascht hat Gerhard Pfenning, dass Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff, Staatssekretär für Kultur, sich letzte Woche erstaunt zeigte, dass die Beuys-Witwe erst jetzt mit dem Herausgabebegehren komme: „Eva Beuys hat ihm das vor einem Jahr schriftlich mitgeteilt.” Vermutlich sei dieses Schreiben in der Schublade gelandet. Ein Vorwurf, auf den Pressesprecherin Stefanie Jenkner ausweichend antwortet. Seit vielen Jahren sei öffentlich bekannt, dass Eva Beuys Ansprüche erhebe.
200 000 Euro für eine Liste
Weiteren Vorwürfen, Eva Beuys wolle mit ihren Forderungen das Museum Schloss Moyland platt machen oder die Ernennung von Bettina Paust, Leiterin des Beuys-Archivs, zur künstlerischen Direktorin torpedieren, weist Gerhard Pfennig entschieden zurück. Es gehe nicht um die komplette Sammlung, sondern um einige Werke. Dass keine Bestandsliste existiere, erschwere die Angelegenheit. Genau diese Liste sei in Arbeit, kontert Stefanie Jenkner: „Das Land hat dafür 200 000 Euro bereitgestellt”.
Dass die Stiftung 1990 gegründet wurde, ohne die Familie Beuys zu beteiligen, sei das Urproblem, betont Pfennig. Auslöser für die aktuelle Forderung sei der „unprofessionelle Umgang mit Kunstwerken und Archivalien” seitens des Museums. Eine Ausstellung von Beuys-Zeichnungen im Wilhelm Lehmbruck Museum Duisburg habe das Fass endgültig zum Überlaufen gebracht. Dort seien Leihgaben unveröffentlichter Werke ohne Genehmigung der Erben gezeigt worden. Außerdem sei wegen des Moyländer Weihnachtsmarktes bis heute kein Katalog zur Ausstellung erschienen. „Das Lehmbruck-Museum arbeitet an der Realisierung des Kataloges”, betont Bettina Paust, kommissarische Direktorin des Museums Schloss Moyland. Und: „Wir haben auch in der Vergangenheit unveröffentlichte Arbeiten gezeigt. Das war nie ein Thema.” Sie bedauert, dass es keine Kommunikation zwischen Eva Beuys und der Stiftung gegeben habe. Sie sieht der juristischen Prüfung gelassen entgegen: „Wir arbeiten wie gewohnt professionell weiter.”
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Soll sich Frau Beuys doch die Fettecke wieder an dem heimischen Herd holen. Oder ist gerade die von kunstverständigen Raumpflegerinnen dorthin befördert worden, wo sie hingehört:, nämllich in den MÜLL?