Allianz für den freien Sonntag
05.02.2010 | 12:50 Uhr 2010-02-05T12:50:00+0100
Wesel. Die Weseler Allianz für den freien Sonntag kämpft, wie der Name schon verrät, für einen (fast) freien Sonntag. Notdienste, Krankenhäuser, Nahverkehr und was man sonst zum Leben braucht, sollen auch an Sonntagen aufrecht erhalten werden. Aber die Geschäfte, die gehören sonntags geschlossen.
Man stelle sich vor: Unbesetzte Polizeiwachen, Krankenhäuser, Tankstellen, Busse und Bahnen stehen still, Fernseher und Radio schweigen, Geschäfte sind geschlossen. Denn es ist Sonntag.
Kaiser Konstantin hat am 3. März des Jahres 321 befohlen: „Omnes iudices urbanaeque plebes et artium officia cunctarum venerabili die solis quiescant.” Heißt, zu Deutsch: Sonntag ist frei. Dafür kämpft die Weseler Allianz für den freien Sonntag. Für einen fast freien Sonntag, jedenfalls. Denn, so Martin Mohr von der federführenden Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) in Wesel: „So unrealistisch sind wir nicht.” Das öffentliche Leben – also: Notdienste, Krankenhäuser, Nahverkehr und was man sonst zum Leben braucht – müsse auch an Sonntagen aufrecht erhalten werden. Aber die Geschäfte – die gehören sonntags geschlossen.
Gegen die Ausweitung der verkaufsoffenen Sonntage
Vor allem gegen die Ausweitung der verkaufsoffenen Sonntage setzt sich das Bündnis aus Kirchen beider Konfessionen, Gewerkschaften, Kolpingsfamilie und KAB seit 2006 ein. Nicht nur in Wesel. Eine Ausweitung auf den Niederrhein ist geplant, in Düsseldorf soll zudem eine Landesallianz für den freien Sonntag gegründet werden. Am 3. März. Wegen Konstantin.
Kaiser hin, Kirche her, rückständig sind sie nicht, die Leute von der Allianz. Konstantin haben die Kirchen- und Gewerkschaftsleute nur als Arbeitshilfe ausgegraben. Ihre Argumente sind soziale und wirtschaftliche. Religiöse auch – das am Rande. Und sie sind kreativ: Um ihre Kritik am verkaufsoffenen Sonntag im Advent in Wesel auszudrücken, überreichten sie der Bürgermeisterin einen Adventskranz mit drei Kerzen. Bei der Postkarte mit dem Adventskalender blieb das Sonntagstürchen geschlossen. Da quengeln zwar die Kinder, weil ihnen die Schokolade durch die Lappen geht. Aber fürs Familienleben, fürs soziale Miteinander, für die Zukunft der Gesellschaft, seien verkaufsoffene Sonntage Gift, findet Martin Mohr.
Sonntag – das sei der Tag, an dem die Menschen die „Seele baumeln lassen” können, so Mohr, der Tag, an dem Familien etwas unternehnen, spielen oder einfach zusammen sein können, Sonntag sei der Tag für Freunde, den Verein. Und: „In die Kirche gehen schadet ja auch nicht.” Ohnehin vereinsame unsere Gesellschaft zunehmend. Falle der einzige Tag des Beisammenseins weg „geht die Gesellschaft hops.”
Stalin, erinnert Mohr, habe versucht, die Sieben-Tage-Woche durch eine Zehn-Tage-Woche zu ersetzen. Die Folgen: Die Menschen hätten unter Schlaflosigkeit gelitten, „die Kühe haben keine Milch gegeben”. Wir hätten „nun mal einen Sieben-Tage-Rhythmus”. Psychische Erkrankungen nähmen weiter zu, raube man den Menschen den freien Sonntag. So seine Prognose. Schließlich seien nicht nur Verkäufer betroffen sondern auch Zulieferfirmen. Und, nein, ein Stadtbummel mit der Familie sei kein Beisammensein in dem Sinne. „Man beschäftigt sich ja nicht miteinander sondern mit den Schaufenstern.” Also eher ein Nebeneinandersein.
"Es gibt andere kreative Möglichkeiten"
Für die Geschäfte in der Weseler Innenstadt „hat sich der verkaufsoffene Sonntag im Advent auch nicht gelohnt”. Hat man Mohr gesagt. Zwei haben das im Dezember spontan eingesehen – und das gelbe „Gott sei Dank, es ist Sonntag”-Schild ins Fenster des Ladens gehängt. Des geschlossenen, natürlich. „Es gibt andere kreative Möglichkeiten, einen Standort attraktiv zu machen,” so Mohr: „Mehr Frauenparkplätze. Oder gemeinsame Öffnungszeiten.”
Neben der Landesallianz soll auch eine Allianz in Dinslaken gegründet werden. Zunächst. So will der Verein das Thema nach und nach ins Bewusstsein rücken. Der Öffentlichkeit. Und der Kirche. Denn ab und an würden selbst Pfarrer das Thema „freier Sonntag” so kommentieren: „Ich arbeite auch sonntags.” Aber die Geistlichen hat Konstantin auch gar nicht erwähnt.
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