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Tolkien-Tag

1000 „Herr der Ringe“-Fans besuchten Tolkien-Tag auf Schloss Walbeck

03.06.2012 | 20:01 Uhr
Tolkien-Tag auf Schloss Walbeck in Geldern am Samstag. Foto: Bernd Lauter

Geldern.  Hobbits, Orks, Elfen, Zwerge und Zauberer trafen sich zum vierten Tolkien-Tag rund ums Schloss Walbeck. Zum Fest des Tolkien-Stammtischs Gelderland strömten Gesinnungsgenossen vom ganzen Niederrhein und aus Holland.

In, um und um Schloss Walbeck herum liegt Mittelerde, genauer gesagt das friedlich-fröhliche Auenland: Die Sonne scheint vom blauen Junihimmel, und kleine, muntere Hobbits tollen über die grünen Wiesen. Der Zauberer Gandalf mit langem Bart, grauem Umhang und spitzem Hut schmaucht gedankenvoll seine lange Pfeife. Ein paar Schritte weiter präsentiert sich Krieger Aragon in voller Kampfmontur, mit seinem sagenumwobenen Schwert Narsil. Eine unheimliche Truppe dunkler Reiter schreitet durch die Zeltstadt auf der Wiese vor dem Schloss. Und sogar eine Horde feindlicher Orks aus Mordor, dem Reich der Finsternis, ist in diese harmonische Idylle eingedrungen. Zum Glück richten die grausamen Monster, die im „Herr der Ringe“ den Gefährten um Bilbo und Frodo Beutlin das Fürchten lehren, diesmal kein Unheil an. Denn heute feiert der Tolkien-Stammtisch Geldern mit rund 1000 Gesinnungsgenossen vom ganzen Niederrhein und aus Holland seinen vierten Tolkien-Tag.

Gründer und Urvaterder Fantasy-Literatur

Tolkien? John Ronald Reuel Tolkien - knapp 40 Jahre nach seinem Tod ist der britische Autor, Philologe und Sprachforscher nicht nur für seine Jünger eine Legende, der eigentliche „Herr der Ringe“. Mit Fug und Recht kann man den skurrilen Briten als Gründer und Urvater der Fantasy-Literatur bezeichnen. Mit dem „Herrn der Ringe“, dem „Kleinen Hobbit“, der dreizehnbändigen „Geschichte der Mittelerde“ und zahllosen Gedichten legte der geheimnisumwitterte Oxford-Gelehrte den Grundstein für eine boomende Literaturgattung, die weltweit Millionen Leser in ihren Bann zog und zieht. Auch die kongeniale Filmversion vom „Herrn der Ringe“, die im Kern den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse in epischer Länge beschreibt, gilt heute schon als Klassiker. Und noch 2012 kommt der erste Teil von der „Kleine Hobbit“ in die Kinos…

Orks und Elben in Walbeck

Sebastian Kleinen, Organisator des Spektakels am waldigen Rand des Spargeldorfs Walbeck, kann das kaum erwarten. Im wahren Leben studiert der junge Mann aus Geldern-Pont an der nahen Uni Nimwegen Sozialpädagogik. Der 25-Jährige gehört zu den Gründern des Gelderner Tolkien-Stammtischs, einer von 18 bundesweit. Selbstverständlich ist Kleinen auch Mitglied der „Deutschen Tolkien Gesellschaft“: „An Tolkien fasziniert mich seine große Bandbreite, seine ausschweifenden, Detail verliebten, vielschichtigen Beschreibungen. Tolkien ist nicht so abstrakt.“

Und wie fing Sebastians Leidenschaft an? „Mit zwölf Jahren habe ich im Keller im Bücherregal meines Vaters eine grüne, total abgewetzte, dreibändige Taschenbuchausgabe des ‘Herrn der Ringe’ gefunden. Ich war interessiert, habe hineingelesen - und nicht mehr aufgehört.“ So ging es wohl den meisten der Tolkienfans, die an diesem Samstag am Schloss Walbeck tummeln.

„Meine Verwandten waren megabegeistert und schenkten mir dauernd weitere Tolkien-Bücher“, erzählt Sebastian Kleinen weiter. „So stieg meine Sammlung an.“ Sebastian las sogar die wissenschaftlichen Werke von Professor Tolkien nebst Sekundärliteratur. 1999 nahm der junge Fantasy-Fan Kontakt zur deutschen Tolkien-Gesellschaft auf und gründete 2005 den Gelderner Tolkien-Stammtisch. Jeden dritten Freitag im Monat treffen sich die „Ritter der Tafelrunde“ in einer Gaststätte in Geldern. Zum harten Kern gehören zehn, zum weiteren Kreis 35 Tolkien-Jünger. Tolkien verbindet.

Die magische Zahl1000 ist schon erreicht

Und dann trifft sich die Kultgemeinde beim von ihr einmal im Jahr ausgerichteten Tolkien-Tag: „2009 feierten wir den ersten Tolkien-Tag auf dem Wasserturm in Geldern, zusammen mit dem Kunstverein.“ Der Erfolg dieser Premiere sprach sich schnell herum, der Andrang wurde immer größer: „Für den zweiten und dritten Tolkien-Tag sind wir nach Schloss Steprath bei Walbeck umgezogen. Aber auch da wurde zu klein.“ Erst kamen nur 350 Besucher, ein Jahr später waren es schon 500, danach 970. Und am vergangenen Wochenende überschritt das Fantasy-Festival, das rund 100 Helfer unterstützten, schon die magische Zahl 1000. Eines ist jetzt schon sicher: Auch 2013 wird wieder auf Schloss Walbeck zu Ehren des Erfolgsautors gefeiert.

Elf Fantasy Fair Arcen

Die Höhepunkte des vierten Tolkien-Tags: Professor Dr. Rudolf Siemek, einer der führenden Germanisten, Mediavisten und Skandinavisten mit Lehrstühlen in Wien, Bonn und Glasgow, referiert über „Trolle bei Tolkien und Kinderbuchautoren des 20. Jahrhunderts“. Dr. Frank Weinreich, freier Autor, Lektor und promovierter Philosoph aus Bochum, beantwortet die Frage „Warum Tolkien lesen?“ Experte Friedhelm Schneidewind, einer der „Vorreiter in der Fantasy-Forschung“, beleuchtet das Thema „Monster, Mode und Moneten“. Und Gothic-Autor Myk Jung liest aus seinem Roman „Der Herr der Ohrringe“. Zwischen unterhaltsamen und wissenschaftlichen Vorträgen, Lesungen und Workshops spielt die Mittelalter-Folk-Band „Fafnir“ vor dem Schlossportal auf, Derweil trällert eine Gruppe fröhliche Hobbit-Wanderlieder, Motto „Hiking, Singing, Walking“. Dutzende Kinder spielen munter, versuchen sich beim Bogenschießen.

Dazwischen streifen überall diese seltsamen Gestalten über das insgesamt 32 700 Quadratmeter große Schlossgelände, verleihen dieser „Mittelerde“ erst das richtige Leben: Hobbits, Orks, Elfen, Zwerge, Zauberer, Reiter und Ritter. Nur einer fehlt: „Gollum“, der verzweifelt „seinen Schatz“ sucht, den Allmacht verleihenden Ring. Das kleine glitschige Menschmonster ist derart hässlich, dass niemand auf dem Tolkien-Tag seine Rolle spielen mag. Dennoch: Der verblichene Meister hätte im Auenland Walbeck seine helle Freude gehabt…

Martin Krampitz



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