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Fachkräftemangel

Zuzug von Fachkräften bleibt aus

18.10.2012 | 20:00 Uhr
Zuzug von Fachkräften bleibt aus
Deutschland braucht dringend Fachkräfte.Foto: Franz Luthe

Essen.   Bisher kaum Zuwanderung aus den EU-Krisenländern. Ab 2013 sollen auch Auszubildende aus dem Ausland angeworben werden.

Arbeitgeber in Deutschland interessieren sich immer mehr für Fachkräfte aus dem Ausland. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) bemüht sich zurzeit besonders darum, Fachkräfte aus Spanien, Portugal, Bosnien-Herzegowina, Vietnam und Indonesien nach Deutschland zu holen, sagt Raimund Becker, Vorstand der BA. Allerdings ist die große Zuwanderung von Arbeitnehmern aus dem Ausland bislang ausgeblieben.

Aus den südeuropäischen Krisenländern wie Spanien, Portugal, Griechenland und auch Italien sind von Mai 2011 bis Mai 2012 28.000 Menschen nach Deutschland gekommen, um hier einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nachzugehen, sagte Becker. Auch die Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes Richtung Osteuropa hat nicht den erwartet hohen Effekt gehabt. Im gleichen Zeitraum sind 100.000 in die BRD eingewandert. Statt nach Deutschland sind viele Arbeitnehmer aus Osteuropa nach Großbritannien ausgewandert, so Becker. Zwar sei das Interesse an Deutschland groß, Sprachschulen und Goethe-Institute würden überrannt, „aber wir rechnen mit keiner nennenswerten Zuwanderungswelle“, prognostiziert Becker.

Ein Problem sei zum Beispiel auch die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse. Seit Inkrafttreten des Anerkennungsgesetzes im April sind erst rund 100 Qualifikationen akzeptiert worden. „Das Anerkennungsgesetz ist ein Schritt in die richtige Richtung“, meint Becker, „aber es ist unheimlich bürokratisch.“

„Sympathische Willkommenskultur schaffen“

Angesichts des Fachkräftemangels brauche Deutschland aber dringend qualifizierte Zuwanderer. „Deutschland muss aufpassen, den Anschluss nicht zu verlieren“, sagt Becker. Die BA erwartet nach neuesten Berechnungen, dass bis zum Jahr 2025 3,5 Millionen Fachkräfte in Deutschland fehlen werden. Gegensteuern will sie mit einer gezielten Anwerbung. Derzeit gibt es in der Zentralstelle für Auslandsvermittlung (ZAV) in Bonn rund 2000 Menschen aus europäischen Staaten, die in Deutschland arbeiten möchten, 500 von ihnen als Ingenieure. Ab 2013 soll auch um junge Menschen geworben werden, die in Deutschland ausgebildet werden sollen. Im Januar wird es dazu eine Jugendkonferenz in Berlin mit zehn europäischen Ländern, die besonders von hoher Jugendarbeitslosigkeit betroffen sind, geben. „Es geht jetzt darum, eine sympathische Willkommenskultur zu schaffen“, sagte Becker. „Um das zu erreichen, müssen auf politischer Ebene die Rahmenbedingungen geschaffen werden.“

Denise Ludwig



Kommentare
19.10.2012
16:31
Zuzug von Fachkräften bleibt aus. Woran liegt das wohl???
von Finnjet | #1

Es gibt sehr wohl schon eine Willkommenskultur für die, die hier arbeiten und sich ein selbstbestimmtes Leben aufbauen wollen. Nur ist leider Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen (Nord-) Ländern einfach unantraktiv, weil hier der soziale Mix seit 10 Jahren vollkommen verloren geht. Deutschland ist hauptsächlich interessant für Zuzügler, die an den Sozialleistungen (Hartz4, Asylgeld) interessiert sind, und das hat sich bei den oft gut informierten Fachkräften schon lange rumgesprochen. Das Interesse an der deutschen Sprache (Goethe-Institute etc.) muss man so werten, dass in anderen Ländern die Firmen gerne Bewerber mit Deutschkenntnissen suchen, um eben Geschäfte mit Deutschland zu machen. Das hat überhaupt nichts damit zu tun, dass die Fachkräfte nach Deutschland kommen wollen. Wir haben hier nur eine Chance, wenn wir für die wirklich Arbeitsuchenden ein besseres Umfeld schaffen und die Arbeitsverweigerer vor die Wahl stellen: Mitmachen oder es gibt weniger Geld!

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