Wie Silvio Berlusconi Europa zittern lässt
10.12.2012 | 17:39 Uhr 2012-12-10T17:39:00+0100
Rom/Brüssel. Der frühere Regierungschef will zum fünften Mal Regierungschef werden und gilt als starker Wahlkämpfer. Deutschland und andere europäische Partner fürchten nun neue Gefahren für den Euro. Bundesaußenminister Guido Westerwelle befürchtet neue Turbulenzen für Italien und Europa.
In Mailand sackt die Börse ab, der Risikoaufschlag für italienische Anleihen steigt – und in Europa warnen die Politiker Italien vor einem Rückfall in unselige Zeiten.
Die Ankündigung Silvio Berlusconis, erneut für das Amt des Regierungschefs in Rom anzutreten, löst im EU-Raum die Angst vor einem neuen Rückschlag im Kampf um den Euro aus. Und ganz Italien spekuliert über die Chancen des Mannes, der schon viermal Ministerpräsident war.
Italiens Medienzar und ehemaliger Regierungschef Silvio Berlusconi soll den Fiskus beim Ankauf von Fernsehrechten massiv betrogen haben. Dafür ist er zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt worden. Ob er sie antreten muss, ist unklar: Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Italien wählt, so erwarten es nun alle Beobachter, im Februar. Silvio Berlusconi hat im Trainingszentrum seines Fußballklubs AC Milan angekündigt, er trete „wie immer an, um zu gewinnen“.
Um dies zu schaffen, muss er aber einen Rückstand von 15 Punkten gegenüber den Sozialdemokraten von Pier Luigi Bersani aufholen.
„Abseitsfalle“ im italienischen Wahlrecht
Unmöglich? Nun ja. Italienische Kommentatoren überlegen: Berlusconis Partei „Volk der Freiheit“ könnte auch deshalb auf ihr historisches Umfragetief – 16 Prozent – gestürzt sein, weil in der Partei das Chaos herrschte und keiner wusste, wer die Führung übernehmen würde. Diese Unsicherheit hat Berlusconi nun in seinem „Staatsstreich von oben“ beendet.
Silvio Berlusconi wittert in Haftstrafe gegen sich ein "politisches Urteil", legt Berufung ein - und will in der Politik bleiben. Während seine Anwälte ankündigten, bis zum 9. November einen Antrag beim Berufungsgericht vorzulegen, fühlt sich der 76-Jährige berufen, das "Justizwesen zu reformieren".
Zudem gilt Berlusconi als der wohl stärkste Wahlkämpfer Italiens. Und er greift eine Missstimmung im Volk auf, wenn er gegen soziale Einschnitte, die gestiegene Arbeitslosigkeit, die erhöhten Steuern, überhaupt gegen die „alles verschlimmernde Regierung Monti“ polemisiert.
Berlusconi spekuliert auf ein Patt
Vor allem aber, darauf weist der Politologe Roberto D’Alimonte hin, gibt es eine Art Abseitsfalle im Wahlrecht. Die zwei Kammern des Parlaments werden auf unterschiedliche Weise besetzt: Für das Abgeordnetenhaus zählt man die Stimmen landesweit aus; keiner zweifelt daran, dass der Sieg an die Sozialdemokraten gehen wird.
Der Senat hingegen setzt sich aus den Einzelergebnissen der zwanzig Regionen zusammen. Es genügt, wenn Berlusconi seine strategisch wichtige Lombardei hält – und schon können die Sozialdemokraten mit ihrer Mehrheit im Abgeordnetenhaus nichts mehr anfangen.
Aus einer solchen Pattsituation, auf die Berlusconi offenbar hofft, könnte eine neue Regierung Monti erstehen. Allerdings haben die Chefs der Sozialdemokraten und des Volk der Freiheit bereits einstimmig erklärt, sie wetteten „keinen Cent“ auf eine solche Lösung.
Könnte Monti auch durch die Stimme des Volkes wieder an die Macht kommen? Ferrari-Chef Luca Cordero di Montezemolo bemüht sich um eine überparteiliche parlamentarische Plattform für ihn; die kleinen Christdemokraten wollen Monti als Zugpferd vor ihren Parteikarren spannen. Eine „Initiative pro Monti“, so Umfragen, käme auf 15 bis 20 Prozent.
Belastungsprobe für die Europäische Union
Mahnende Worte Richtung Rom kamen gestern auch aus der Europäischen Union. So warnte der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (FDP): Italien dürfe jetzt auf zwei Drittel des Reformprozesses nicht stehen bleiben. „Das würde nicht nur Italien, sondern auch Europa neue Turbulenzen bringen“, sagte er Spiegel Online. Dies wolle Westerwelle aus „Sorge um Europa“ zum Ausdruck bringen.
„In Europa brauchen wir ein starkes und stabiles Italien“, erklärte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Und der Chef des Euro-Rettungsfonds, Klaus Regling, sagte der Süddeutschen Zeitung: „Italien hat im vergangenen Jahr wichtige Reformen angeschoben.
Das haben die Märkte bislang honoriert, allerdings haben sie auf die aktuellen Entwicklungen Ende vergangener Woche beunruhigt reagiert.“ Für Italien wie für die Währungsunion sei es wichtig, dass der Reformprozess fortgesetzt werde.
Der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz (SPD), sagte, falls Berlusconi zurückkehre, sei das „eine Bedrohung für Italien und Europa“. Denn Silvio Berlusconi sei „das Gegenteil von Stabilität“.
FDP | Guido Westerwelle | SPD | Silvio Berlusconi | Börse

07:07
Verstehe ich nicht so ganz. Wenn die italienische Bevölkerung so doof ist und den wählen sind sie selber schuld. Genauso ist es doch auch in allen anderen Ländern. Wer hier in Deutschland noch die Lobbyistenpartei und lügende und betrügende Partei von Merkel wählt ist doch nicht zu bedauern.
06:45
Wenn die Ankündigung von diesem Schaumschläger, Herrn Berlusconi, erneut zu kandidieren
"Deutschland und andere europäische Partner fürchten nun neue Gefahren für den Euro"
eine solche Reaktion auslöst ist es der Euro nicht wert am Leben erhalten zu werden.
00:00
Die Macht des Geldes.... schönen Tag noch
22:38
Die Menschen in Tunesien, Ägypten, Syrien können sich wehren.
Warum sollten das die Menschen in Italien und Europa nicht auch können?
Wenn sie da einen Typen hoffieren, der ohne juristisch-politische Trixerei durchaus auf 20 Jahre Gefängnis geschätzt wird - tja was sagt das uns dann?
Über Europa, Friedensnobelpreis, Korruption, Menschenwürde, ....
Er hat auf jeden Fall bewiesen: Schon ab ein paar Millionen kann sich der Mensch aus der verfassungsmäßigen und gesetzlichen Rechenschaft schleichen.
Und dass MUSS schnell geändert werden - sonst gibt es keine Zukunft für die "Guten".
21:24
Bei ihm wisen wir doch wo wir dran sind,
gefährlicher sind doch Leute wie Merkel oder Steinbrück,
die nehmen die Leute aus und die sind noch fröhlich dabei.
Von der Presse geschützt können die in Ruhe ihre Kriege führen, die Altersarmut einführen, die Menschen bis zum Tod arbeiten lassen, ....
Über Berlusconi kann man sich wenigstens amüsieren,
über deutsche Politiker nur weinen!
20:24
Dieser 76 Jahre alte Kerl, wird Italien und auch Europa noch in den Abgrund führen.
Der hat seinen Verstand bein Bunga-Bunga verloren.
20:17
Völlig unverständlich, dass Berlusconi von der Mehrheit der Italiener in freien Wahlen bereits mehrmals (!) wiedergewählt wurde. Das läßt nicht für die Zukunft hoffen: Warum sollten sie den Mann nicht noch einmal an die Macht bringen? Das nachfolgende Chaos wurde bereits sehenden Auges in Kauf genommen. Hauptsache, der Fernseher (am besten mit Berlusconi-Sendern) läuft.
Von daher bleibt #3 Radfahrers Frage offen im Raum.
19:40
Der Silvio ist mir irgendwie sympatisch.
19:13
Sind die Italiener alle so intelligent?
19:12
Die Mafia will wieder an die Macht! Ich vermute sobald Berlusconi Italien unter den Rettungsschirm gebracht hat, läßt sich für die Paten gutes Geld abzweigen! Und wer löhnt das?
Armes Deutschland!