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Wenn Politiker-Kinder in die Fußstapfen ihrer Eltern treten

05.06.2008 | 21:36 Uhr

Berlin. Ihre Mütter oder Väter regieren die Welt. Aber nur selten zieht es Töchter und Söhne selbst in die Politik. Jetzt macht sich wieder einer daran, in die großen Schuhe seines Vaters zu steigen. ...

Die Kinder des langjährigen CSU-Politikers Franz-Josef Strauß: Monika Hohlmeier, die es ebenfalls in die Politik zog, und ihre Bürder Max (links) und Franz-Georg Strauss. (Bild: Joerg Koch/ddp)

... Dominic Stoiber, 28-jähriger Filius des langjährigen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, kandidiert für den oberbayerischen Bezirkstag - natürlich für die CSU. Dass ihm der Name Stoiber bei der politischen Karriere nutzen kann, nimmt der gelernte Bankkaufmann in Kauf: "Mein Name kann mir sicher nutzen." Eine Garantie dafür gibt es jedoch nicht: "Aber er bringt auch Nachteile: Ich muss ständig beweisen, dass ich ein eigenständiger Mensch mit einem eigenen politischen Profil bin. Insgesamt gleichen sich Vor- und Nachteile aus."

Zunächst einmal will sich der Stoiber-Sohn der lokalen Politik widmen. Sich um alte und pflegebedürftige Menschen in der Region um seinen Heimatort Wolfratshausen kümmern, um Berufsschulen und Bildungseinrichtungen. Das Interesse des studierten Politologen aber gilt der großen Politik in München, in Deutschland und Europa. Der erste Schritt dorthin soll mit der bayerischen Landtagswahl am 28. September gelingen.

Zwar ist auch in Bayern die Monarchie abgeschafft. Anders als im Rest der Republik aber besitzen Familiendynastien im Alpenvorland in der Politik eine gewisse Tradition. Zum Beispiel folgte Bayerns Wissenschaftsminister Thomas Goppel seinem Vater Alfons Goppel, der Bayern von 1962 bis 1978 regierte, in die Politik.

Nicht so glatt verliefen die Karrieren der Kinder von CSU-Übervater Franz-Josef Strauss. Sohn Max verstrickte sich in Finanz- und Steueraffären. Tochter Monika Hohlmeier kandidiert nach der Affäre um gefälschte Parteianträge gerade wieder für den Landtag und hofft auf ein Comeback.

Mehr Fortune und Spürsinn im politischen Geschäft beweist Ursula von der Leyen (CDU). Die Tochter von CDU-Ikone Ernst Albrecht krempelte als Seiteneinsteigerin die Familienpolitik der Union im Handstreich um. So viel Durchsetzungskraft hatten der vom Vater zärtlich "Röschen" gerufenen zierlichen Frau selbst Parteifreunde nicht zugetraut. Hessens amtierenden CDU-Ministerpräsidenten Roland Koch zog es wie seinen Vater Karl-Heinz Koch, Hessens Justizminister von 1987 bis 1991, ins Politikgeschäft.

In der SPD trägt Anke Fuchs, ehemals Bundesministerin und heute Vorsitzende der Friedrich-Ebert-Stiftung, die Familientradition. Sie ist die Tochter von Paul Nevermann, der für die SPD von 1961 an vier Jahre lang die Hansestadt Hamburg regierte.

Trotzdem: Politische Erbschaften im Familienclan blieben bisher in Deutschland Ausnahme. Kein Bundeskanzler schaffte es wie Papa Bush in den USA, seinen Sohn ebenfalls ins höchste Staatsamt zu dirigieren. Die Familiennamen Kennedy und Roosevelt stehen für politische Dynastien, wie sie Deutschland nicht kennt.

Nur kurz währte etwa die Bundestagskarriere von Carl Eduard Graf von Bismarck. Den Ururenkel des Reichskanzlers Otto von Bismarck trieb die CDU als "faulsten Abgeordneten Deutschlands" wegen dauernder Abwesenheit vom Berliner Politikbetrieb aus dem "Hohen Haus".

Von Lothar Klein



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