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Studiengebühren

Uni-Professor kritisiert Abschaffung von Studiengebühren

16.10.2012 | 16:38 Uhr
Uni-Professor kritisiert Abschaffung von Studiengebühren
In NRW wurden die Studiengebühren zum Wintersemester 2011/12 abgeschafft. Was Studenten mehrheitlich freute, trifft bis heute auf die Kritik von Professoren. Einer der schärfsten Kritiker dieses Entschlusses ist der Bochumer Stefan Winter.Foto: dapd

Düsseldorf.   Stefan Winter ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Ruhr-Uni Bochum. In seinem Buch „Die Studiengebühren-Lüge“ rechnet er mit dem „weltanschaulich verbrämten Gequatsche von sozialer Gerechtigkeit“ ab. Dabei bedient er sich eines Stils, den man im Wissenschaftsbetrieb nicht oft vernimmt.

Stefan Winter verdient als Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Ruhr-Uni Bochum nach eigener Auskunft 5000 Euro netto im Monat. Freiwillig überweise er seiner alten Hochschule in Hannover, an der er selbst gelernt hat, monatlich 100 Euro als „nachträgliche Studiengebühren“ . Es war bislang sein eher stiller Protest gegen die Abschaffung des Beitragsmodells an den NRW-Hochschulen durch die rot-grüne Landesregierung. Jetzt hat Winter mit einer bemerkenswerten Schmähschrift nachgelegt, die im akademischen Betrieb und in der Landesregierung für Aufsehen sorgen dürfte.

„Wer wohlhabenden Akademikern wie mir Studienplätze schenkt und das auch noch als Ausfluss gelungener Sozialpolitik verkaufen will, kann weder selbst alle Tassen im Schrank haben noch irgendeine Achtung vor den tatsächlich Benachteiligten dieses Landes“, schreibt Winter in seinem Buch „Die Studiengebühren-Lüge“ (Europäischer Universitätsverlag, 9,90 Euro), das er gemeinsam mit dem Doktoranden Alexander Pfitzner verfasste.

Er zerfleddert rot-grüne Werte

Auf 130 Seiten zerlegen die Autoren das rot-grüne Credo von der „Bildungsfreiheit für alle“ und befleißigen sich dabei eines Tons, den man im Wissenschaftsbetrieb nicht oft vernimmt. Die These, dass Studiengebühren arme Kinder von den Unis ausschlössen, sei trivial, dumm und falsch. Es profitierten heute Besserverdienende, die zumindest nach dem Examen der Gemeinschaft der Steuerzahler einen Teil ihrer Ausbildungskosten zurückzahlen sollten. Das Ergebnis „gerechter“ Gebührenfreiheit seien Studentenmassen, die auf den Hörsaal-Treppen kauerten.

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Ein Uni-Professor findet deutliche Worte: Er ist gegen die Abschaffung von Studiengebühren . Sie auch?

Ein Uni-Professor findet deutliche Worte: Er ist gegen die Abschaffung von Studiengebühren . Sie auch?

 

Winter weiß, dass seine Streitschrift gegen das „weltanschaulich verbrämte Gequatsche von sozialer Gerechtigkeit“ nicht ohne Echo bleiben dürfte. Bislang seien Befürworter von Studiengebühren im Landtag dem Totschlagargument „sozialer Kälte“ hilflos begegnet.

„Ich gelte als soziales Dreckschwein“

Selbst ein Thesenpapier Winters und anderer Bochumer Forscher pro Studienbeiträge fand 2010 wenig Beachtung. Daher nun der Versuch einer „emotionalen Antwort“, die vor Polemik strotzt. Winter stellt etwa in den Raum, dass gut verdienende Landtagspolitiker mit der Abschaffung der „Campus-Maut“ nicht zuletzt die eigenen Kinder und den eigenen Geldbeutel schonen wollten. Das Buch ist nie langweilig und schrammt erfrischend an der Freiheitsgrenze der Forschung entlang. Fürchtet er Konsequenzen? „In einigen Kreisen“, so Winter, „gelte ich ohnehin als soziales Dreckschwein.“

Tobias Blasius



Kommentare
19.11.2012
19:07
Uni-Professor kritisiert Abschaffung von Studiengebühren
von perotta | #41

Ich bezfeifel dass dieser Professor für sein Studium wie heute, leider üblich, selber aufkommen musste, sonst würde er anders darüber denken.

21.10.2012
01:57
Reiche Eltern für alle!
von creck | #40

Wenn der Mann so einen Kreuzzug für Studiengebühren führt, kann er doch die Tantiemen seiner Buchveröffentlichung für die Verbesserung der Lehre spenden.

Ist im übrigen ein einfaches Rechenexempel. Wenn Studium dem Studi zu teuer wird, lässt er es halt oder flüchtet dorthin, wo es bezahlbar ist. Dann ist hier erstmal Ende aus, Nikolaus mit Tüftlern, Dichtern und Denkern.
Dann werden in Deutschland für 150€ im Monat i-Phones zusammengeschraubt.
Die Profs mit ihrem Hintern im Warmen können gut quatschen.
Und die Kinderlosen, die haben zu dem Thema auch immer dicke Backe.

20.10.2012
15:31
Uni-Professor kritisiert Abschaffung von Studiengebühren
von Alter-MAnn59 | #39

„Ich gelte als soziales Dreckschwein“ - Da will ich nicht widersprechen.

Wer studiert bezahlt später sehr sehr viel mehr Steuern u. Abgaben.

Arbeiten u. studieren - es ist hart. Da braucht man nicht noch zusätzliche Kosten.
14-16 Stunden pro Tag und das an 7 Tagen in der Woche.

Erst einmal soziale Gerechtigkeit schaffen.
Für alle Kinder gleiche Höhe Kindergeld - ca. 500 Euro.
Reiche Freibetrag 7008 Euro p.a. Beamte u. öffentlicher Dienst - siehe und staune.
Normales Kindergeld plus Ortzulage plus Beamtenkindergeld ab 1999.

Da will einer nur sein Buch verkaufen - auf Kosten von Studenten.
Warum überweist er nicht 500 Euro pro Monat oder 1000 Euro ?

Warum soll man nicht gleich für die Grundschule usw. bezahlen?

Der Fehler im System ist, daß die z.B. Meister-Ausbildung nicht kostenlos ist.

Nur so: Welchen Rohstoff - außer den Fähigkeiten und Fachwissen der Bürger hat die BRD (wenn man Kohle nicht berücksichtigt?) ?

Wenn den Autoren die Zustände nicht passen können Sie gehen.

20.10.2012
12:42
Uni-Professor kritisiert Abschaffung von Studiengebühren
von juergen2504 | #38

Der Professor hat vollkommen recht. Ich bin für Studiengebühren. Allerdings sollte diese wieder in die Ausbildung an UNIs und Schulen fließen. Alle Student könnten über Darlehenssysteme diese Gebühren finanzieren und später zurückzahlen. DIese Sozialmeierei führt doch zu nichts. Der Staat hat Schulden ohne Ende. ABer hier in NRW können wir ja ruhig weiter fleissig Geld ausgeben was wir nicht haben. Aber wir sind ja soooo sozial. Die nächsten Generation werden die Suppen schon auslöffeln. Das sind unsere SPD Minster schon lange in Rente ( wer die dann wohl bezahlt :-) ) .

19.10.2012
11:18
Uni-Professor kritisiert Abschaffung von Studiengebühren
von creck | #37

Ist das etwa auch einer dieser Wirtschaftswissenschaftler, die jetzt ihre Wachstumsprognose von 1,7% auf 1,0% korrigiert haben?
Von denen haben wir sowieso mehr als genug. Schlimm, dass sich so etwas Wissenschaft nennen darf.
Eigentlich müssten die noch Geld zur Arbeit mitbringen.
Die hässliche Kartenlegerin von 9live hat da bessere Trefferquoten.

18.10.2012
11:58
Uni-Professor kritisiert Abschaffung von Studiengebühren ???
von cwkl | #36

Als einzigen Kritikpunkt lese ich in diesem Artikel das Argument der überfüllten Hörsäle.
In ausgesuchten Studienfächern waren die Studentenzahlen immer so hoch, dass Sitzplätze in Hörsälen und Seminarräumen rar waren - unabhängig von den Phasen von Studiengebühren. Dieses Argument greift daher nicht.
Es wäre ebenso falsch zu behaupten, dass auf den Autobahnen die Verkehrsstaus nachlassen würden, sobald eine allgemeine Mautpflicht eingeführt wird.

Fazit: Der Artikel liefert keine Antworten auf den einleitenden Titel und ist im Grunde nur oberflächliche Werbung für das Pamphlet des Professors. Es fehlt komplett eine journalistische Auseinandersetzung mit dem Thema.
Informationsgehalt = 0

18.10.2012
09:24
Uni-Professor kritisiert Abschaffung von Studiengebühren
von Ergonomy | #35

Ich werde mir das Buch kaufen.
Muß ja interesannt sein wenn sich alle hier so aufregen.

3 Antworten
Und dann...
von mellow | #35-1

...stell es inr Regal neben den Mist von Sarrazin und fühl Dich als Rebell, der Denkverbote glaubt durchbrochen zu haben.

hoppla
von mellow | #35-2

inr = ins

Uni-Professor kritisiert Abschaffung von Studiengebühren
von Ergonomy | #35-3

von mellow | #35-1
Nee stimmt, habe ich glatt vergessen, Denkverbote kann man hier nicht durchbrechen.

17.10.2012
22:26
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Name von Moderation entfernt | #34

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17.10.2012
21:37
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Name von Moderation entfernt | #33

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1 Antwort
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #33-1

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17.10.2012
21:05
Uni-Professor kritisiert Abschaffung von Studiengebühren
von DasEcho | #32

Und nebenbei: Bei nachgelagerten Studiengebühren zahlt man erst ab einem bestimmten Einkommen nach Abschluss des Studiums. Also passt die ganze:Die armen-Familien-Argumentation nicht. Schon mal mitbekommen, wie viel Geld eine Familie im Schnitt für einen Kita-Platz ausgeben muss, da die ja auch viel zu wenig vorhanden sind?? Akademiker können nachgelagert zahlen, Familien mit Kindern wird das aber direkt aus den Rippen geleiert...Aber das steht auf nem andern Blatt.

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