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Türkischer Pianist Say wegen Verunglimpfung des Islams vor Gericht

18.10.2012 | 13:57 Uhr
Foto: /AP Pool/Virginia Mayo

Wegen Beleidigung des Islams hat sich der türkische Star-Pianist Fazil Say am Donnerstag vor einem Istanbuler Gericht verantworten müssen. Fay soll sich im April in einer Nachricht auf der Internetplattform Twitter über einen Gebetsaufruf lustig gemacht haben, der lediglich 22 Sekunden dauerte.

Istanbul (dapd). Wegen Beleidigung des Islams hat sich der türkische Star-Pianist Fazil Say am Donnerstag vor einem Istanbuler Gericht verantworten müssen. Fay soll sich im April in einer Nachricht auf der Internetplattform Twitter über einen Gebetsaufruf lustig gemacht haben, der lediglich 22 Sekunden dauerte. "Warum so eine Eile? Hast du eine Geliebte, die auf dich wartet, oder einen Raki auf dem Tisch?", soll der Künstler geschrieben haben, der bereits mit der New Yorker Philharmonie und dem Berliner Symphonieorchester auftrat.

Say habe damit religiöse Werte verunglimpft, erklärte die Staatsanwaltschaft im Juni. Say habe die Vorwürfe zurückgewiesen und einen Freispruch gefordert, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Im Falle einer Verurteilung drohen dem Musiker bis zu 18 Monate Haft, die allerdings zur Bewährung ausgesetzt werden dürften. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Dogan wurde der Prozess auf den 18. Februar kommenden Jahres vertagt. Aus Rücksicht auf seine Konzerttermine muss Say bei künftigen Anhörung nicht mehr vor Gericht erscheinen.

Die Vorwürfe gegen Say lösten unter säkularen Türken Empörung aus. Am Donnerstag protestierten Hunderte Menschen vor dem Gerichtsgebäude gegen das Verfahren. Auf Transparenten war zu lesen "Fazil Say ist nicht allein" und "Freie Kunst, freie Welt".

Say gilt als Kritiker der islamisch-konservativen Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. In einem in der vergangenen Woche veröffentlichten Bericht der Europäischen Union über die Fortschritte der Türkei auf dem Weg zu einer Mitgliedschaft wurden "andauernde Einschränkungen der Meinungsfreiheit und des Rechts auf einen fairen Prozess" kritisiert.

Der für die Beziehungen zur EU zuständige Minister Egemen Bagis legte am Donnerstag nahe, die Anklage gegen Say solle fallen gelassen werden. Die Twitter-Nachrichten fielen unter Says "Recht auf Geschwätz". Allerdings sagte er auch, der Pianist habe "den Glauben und die Werte der Menschen verletzt".

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