Das aktuelle Wetter NRW 19°C
Rededuell

Steinbrück greift im Rededuell an - Merkel bleibt kühl

18.10.2012 | 18:42 Uhr
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) versuchte Peer Steinbrück (SPD) so gut es ging zu ignorieren.Foto: Reuters/Thomas Peter

Berlin.   Die europäische Krise stand im Mittelpunkt des ersten Rededuells zwischen dem SPD-Herausforderer und der Bundeskanzlerin im Bundestag. Die Auseinandersetzung gibt den Ton des anstehenden Wahlkampfs vor. Die Stärken und Schwächen der Kontrahenten im Überblick.

Es war das erste Rededuell der Kanzlerin mit ihrem frisch gekürten SPD-Herausforderer Peer Steinbrück : Im Bundestag versuchte Angela Merkel am Donnerstag, mit einem Zukunftsszenario für Europa Punkte zu machen – Kanzlerkandidat Steinbrück schaltete auf Angriff, warf Merkel ein Doppelspiel in ihrer Europapolitik vor.

Die Analyse des Duells:

Auftritt: Merkel gab sich staatsmännisch-präsidial als nüchterne Krisenmanagerin und versuchte, dem Duell auszuweichen. Adressaten waren teils nicht die Abgeordneten, sondern ihre EU-Kollegen vor dem Gipfeltreffen.

Steinbrück verkörperte eine Mischung aus Staatsmann und Wahlkämpfer. Er hatte eine klare Botschaft vor allem an die eigenen Anhänger: Jetzt wird angegriffen und mit Merkels Krisenmanagement abgerechnet.

Kernaussagen: Merkel forderte, die EU müsse bis Jahresende zu einer neuen Qualität der Zusammenarbeit kommen – in der Finanz-, Geld- und Wirtschaftspolitik. Deutschland wolle einen Währungskommissar, der bei Verstößen echte Durchgriffsrechte gegenüber nationalen Haushalten habe.

Video
SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat Kanzlerin Angela Merkel am Donnerstag im Bundestag aufgefordert, den Bürgern endlich zu sagen, welche Verpflichtungen auf Deutschland bei der Rettung Griechenlands noch zukommen werden.

Steinbrück kritisierte vor allem das Krisenmanagement Merkels. Sie hinke als „Getriebene“ der Entwicklung stets hinterher, wechsle ihre Positionen, lasse die Bürger über die Folgen der Euro-Krise im Unklaren. Merkel müsse jetzt endlich sagen, dass die Hilfe für Griechenland mehr kosten werde.

Merkel mied direkte Konfrontation mit Steinbrück

Angriffe: Die Kanzlerin mied die direkte Auseinandersetzung, ignorierte Steinbrück. Versuchte sogar, mit einem Dank für die breiten Bundestags-Mehrheiten zu Euro-Beschlüssen SPD und Grünen Wind aus den Segeln zu nehmen.

Video
Der Parteivorstand der SPD hat am Montag einstimmig für Peer Steinbrück als Kanzlerkandidat bei der Bundestagswahl 2013 votiert. Auf der anschließenden Pressekonferenz schaltete Steinbrück auch gleich in den Wahlkampfmodus.

Steinbrück suchte die direkte Konfrontation. Erste Attacke auf „Frau Bundeskanzlerin“ nach vier Minuten: Ihre Rede komme zwei Jahre zu spät. Danach sprach er Merkel 18mal an, 12mal mit direkten Vorwürfen: Sie missbrauche die Krise für innenpolitische Händel und lasse Koalitionspolitiker monatelang „Mobbing gegen Griechenland“ betreiben: „Selten war Deutschland in Europa so isoliert wie heute.“

Rhetorik: Merkels Regierungserklärung, teilweise frei gehalten, dauerte 40 Minuten: Klar strukturiert, nüchtern, teilweise auch visionär. Als erste Rednerin im Nachteil, sie war offenbar nervös, vor allem am Anfang: 19mal versprach sich die Kanzlerin. Kaum Blickkontakt mit der Opposition.

Kommentar
Ausritt der Kavallerie - von Winfried Dolderer

Peer Steinbrück im Bundestag: Ein schneidiger Kavallerist war da zu erleben. Die Frage für den Herausforderer lautet, ob die Europapolitik wirklich das Feld ist, auf dem sein Weizen blühen kann.

Steinbrück hielt eine kürzere Rede (28 Minuten), war aber rhetorisch deutlich überlegen. Sofort auf Temperatur, in teils freier Rede souverän, pointierte Formulierungen, nutzte viele rhetorische Mittel, nahm schnell Kontakt mit dem Gegner auf, ging schlagfertig auf Zwischenrufer ein, vermied Polemik. 6 Versprecher, eher zum Ende.

Größte Schwäche: Steinbrück setzte auf Merkel-Kritik, brachte aber zu wenig zum Thema EU-Reformdiskussion.

Merkel benutzte viele Wiederholungen aus früheren Reden und den bekannten EU-Reformplänen. Vorschläge blieben vage, finanzielle Konsequenzen für Deutschland offen.

Christian Kerl


Kommentare
20.10.2012
12:43
Steinbrück greift im Rededuell an - Merkel bleibt kühl
von meinemeinungdazu | #8

Während Seehofer und Merkel bereits an einem Programm feilen (Renten, Kinderanrechnung vor 1992, Verbreiterung einer angemessenen Lohnuntergrenze ... ) kommt von Rot-Grün nichts, außer Steuererhöhungen, die bei Rot-Grün immer obenan stehen. Kein Wort zu den sozialen Untaten der Vergangenheit, kein Wort der Überprüfung und Gerechtigkeit gegenüber Millionen Rentnern und Arbeitnehmern. Nein, Rot-Grün ist nicht wählbar, weil sie aus der Vergangenheit nichts gelernt haben. Als früheres SPD-Mitglied, wofür ich mich heute schäme, sehe ich keinen einzigen Grund zu dieser Partei zurückzukehren. Steinbrück bestätigt nur diesen Irrweg der SPD!

19.10.2012
20:19
Steinbrück greift im Rededuell an - Merkel bleibt kühl
von rally88 | #7

Wir wollen uns doch nicht weh tun - das muß ja auch nicht sein!
Da wollen zwei Gleichgesinnte im Wahlwettbewerb um die Führung streiten und am Ende fallen sie sich in die Arme. Wahlkampf aber kennt konträre Ziele, sodaß der Wähler sich auch entscheiden kann. Diese Scheinreden bringen die beiden, Mutti und der Honorarvizekanzlerkandidat, am Ende wieder in der gleiche Regierung zusammen.
Da wird nicht nur der Wähler ungefragt das gleiche bekommen, sondern der Ruf der spd noch kleiner, auch in der Quantität der Stimmen!
Unwählbar! Der Kandidat hat 0 Punkte und tritt zurück!

19.10.2012
12:12
Steinbrück greift im Rededuell an - Merkel bleibt kühl
von meinemeinungdazu | #6

Nach dem Steinbrück-Desaster WestLB kann doch im Ernst kein Mensch diesen Mann als Kanzler wollen. Siehe WDR-Dokumentation.

19.10.2012
10:30
Bankrotteure
von wohlzufrieden | #5

Steinbrück und Merkel waren beide für die Deregulierung der Finanzmärkte, die Maßgebend für die Krise mit verantwortlich ist. Sie waren beide in der politischen Verantwortung, als die Krise über Deutschland herein brach. Sie sind beide totale Versager auf Augenhöhe.

19.10.2012
09:34
Steinbrück greift im Rededuell an - Merkel bleibt kühl
von woelly | #4

Das sehe ich auch so! Merkel hat vorgelegt. Dann kam ein vorgestanzter, mit vielen bekannten Sprechschleifen und Sprechblasen ausgeschmückter Honorar Vortrag eines Honorarkanzlerkandidat der SPD. Die angesprochen Themen sind allesamt bekannt und zu 80 bis 90% abgearbeitet oder in der Bearbeitung bei der EU und in Deutschland. Die Kanzlerin ist da weit voraus! Da war nichts neues! Wie denn auch? Steinbrück ist ein Besserwisser, aber immer nur im Nachhinein. Die Kanzlerin hat sich das in aller Ruhe angehört und ist dann zur Arbeit nach Brüssel geflogen. Das wars auch schon!

18.10.2012
22:02
Steinbrück greift im Rededuell an - Merkel bleibt kühl
von bloss-keine-Katsche | #3

Mal ehrlich, wo liegt der Unterschied?
Merkel ist die Bankengehilfin am Hebel der Macht,
Steinbrück bekommt Geld von den Banken.
mit Demokratie hat das alles nichts zu tun!
Das einzige was sich Steinbrück und Merkel auf die Fahne schreiben können ist, dass sie die zu erwartende Alterarmut eingeführt haben.
nur wenn diese zieht werden beide von den vielen Schmiergeldern der Babnken auf ihrem Altersruhesitz ein luxuriöses Leben führen!

18.10.2012
21:21
Steinbrück greift im Rededuell an - Merkel bleibt kühl
von kuba4711 | #2

Rededuell zwischen zwei neoliberalen Lobbyisten der Finanzwirtschaft?
Das ist ein politischer ,weißer Schimmel!

18.10.2012
20:52
Steinbrück
von knueppeljunge | #1

Steinbrück ist "nebenberuflich" Redner - hat in den letzten Monaten sehr regelmäßig geübt - aber eben nur Reden - nicht Inhalte.

Aus dem Ressort
Innenministerium verteidigt Überwachung sozialer Netzwerke
Überwachung
Der Bundesnachrichtendienst und die Bundeswehr wollen künftig auch soziale Medien wie Facebook und Twitter beobachten, um internationale Trends frühzeitig zu entdecken. Diese Art der Überwachung würde sich im Rahmen des Grundrechts bewegen, rechtfertigt das Bundesinnenministerium.
Gesundheitskarte - Pannenprojekt oder digitale Revolution?
eGK
Teuer, kompliziert, nutzlos? Die elektronische Gesundheitskarte (eGK) macht bisher viel Ärger. Doch auf die Versicherten und Ärzte rollt eine Welle neuer Möglichkeiten zu. Ab Ende 2015 sollen etwa Adresse und Versichertenstatus auf der Karte online überprüft werden können.
Obama scheut die große Konfrontation mit Widersacher Putin
Analyse
Ukraine, Gaza, Irak, Syrien, Afghanistan, Iran - es gab außenpolitisch einfachere Zeiten für einen amerikanischen Präsidenten. In keiner der genannten Regionen kann Barack Obama Erfolge verbuchen. Passivität ist jedoch das Gegenteil von fahrlässiger Destabilisierung, die Obama oft unterstellt wird.
Jugendämter nehmen so viele Kinder in Obhut wie nie zuvor
Behörden
Wenn Eltern mit der Betreuung ihres Nachwuchses völlig überfordert sind - oder Kindern und Jugendlichen aus anderen Gründen Gefahr droht, greifen die Behörden ein. Offenbar wird dies immer öfter notwendig. Denn noch nie haben die Jugendämter so viele Kinder in Obhut genommen wie im vergangenen Jahr.
Israels Sicherheitskabinett berät über Waffenruhe
Nahostkonflikt
Israel hält bislang am Gaza-Einsatz fest. Es gibt immer mehr zivile Opfer. Inzwischen starben 788 Menschen seit Kriegsbeginn. In mehreren deutschen Städten sind am Freitag Demonstrationen geplant. Im Westjordanland gab es in der Nacht erneut Gefechte mit Toten. Bringt ein US-Friedensplan die Wende?
Umfrage
S-Bahnen in NRW sollen bald wieder mit Außenwerbung auf den Zügen herumfahren. Was halten Sie davon?