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Schüler im NRW-Schulsystem steigen eher ab als auf

30.10.2012 | 18:24 Uhr
Schüler im NRW-Schulsystem steigen eher ab als auf
Vierte Klasse, Grundschule. Und was kommt danach?Foto: dapd

Berlin.   Vom Gymnasium auf die Real- oder gleich die Hauptschule: In NRW sind Schulen meist nur in eine Richtung durchlässig – nach unten. In Bayern ist das anders, so eine Studie der Bertelsmann-Stiftung. Unter den Bundesländern mit einem mehrgliedrigen Schulsystem landet NRW in der Mitte.

Im Schuljahr 2010/2011 haben in Nordrhein-Westfalen 10 411 Heranwachsende der Sekundarstufe I auf eine niedrigere Schulform wechseln müssen, weil ihre Leistungen nicht gut genug waren. Ein Aufstieg gelang nur 1873 Fünft- bis Zehntklässlern. Unter dem Strich kommt an Rhein und Ruhr so ein Aufsteiger auf 5,6 Absteiger. Dies geht aus einer Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor, die die Durchlässigkeit der Schulsysteme aller Bundesländer untersucht hat. Demnach haben 1,8 Prozent aller NRW-Schüler die Schulform gewechselt.

NRW im Mittelfeld

Unter den Bundesländern mit einem mehrgliedrigen Schulsystem landet NRW mit seiner Auf- und Absteigerquote in der Mitte. Während in Bayern rein statistisch auf einen Aufsteiger nur 0,9 Absteiger kommen, sind es beim Schlusslicht Niedersachsen sogar 10,3 Absteiger.

Schul-Vergleich
NRW-Grundschüler mittelmäßig

Die Grundschüler in NRW liegen im Vergleich zu anderen Bundesländern beim Lesen, Schreiben, Rechnen und Zuhören knapp unter dem Bundesdurchschnitt. Immerhin: NRW-Kinder mit zwei im Ausland geborenen Elternteilen haben beim Lesen im Bundesvergleich den geringsten Rückstand.

Die Autorin der Studie, Gabriele Bellenberg von der Bochumer Ruhr-Uni, begründete das ungünstige Verhältnis in NRW mit der schwachen Rolle der Hauptschule, in der nur noch zehn Prozent aller Schüler sind. Bellenberg sprach von einer „Restschule“, in der sich vor allem Jugendliche befänden, deren Schullaufbahn von Misserfolgen geprägt sei. Aus ihrer Sicht haben die NRW-Hauptschulen schlicht zu wenig Lernende mit Potenzial für mehr. So schafften nur 1181 den Sprung von der Haupt- auf die Realschule. Dass NRW im Vergleich zu Hessen oder Niedersachsen besser abschneidet, begründet die Bildungsforscherin mit der Pflicht für Lehrer, die Aufstiegsmöglichkeiten jedes Schülers zu prüfen.

Schulsystem
Die Folgen der Vielfalt - von Birgitta Stauber-Klein
Die Folgen der Vielfalt - von Birgitta Stauber-Klein

In Bayern ist es ganz einfach: Dort gibt es Haupt- und Realschule sowie das Gymnasium und Schluss. Da alle drei Schulformen ordentliche Schülerzahlen brauchen, wird entsprechend gesiebt. Die Folge: Spätentwicklern bleibt zunächst einmal der Gang aufs Gymnasium verwehrt, doch ein späterer Aufstieg scheint, so die Zahlen, durchaus realistisch.

In NRW wie in etlichen anderen Bundesländern haben Eltern die Qual der Wahl: Es gibt 22 verschiedene Bezeichnungen für Schulen der Sekundarstufe 1, von denen die meisten ein späteres Abitur nicht ausschließen.

Bei diesen Möglichkeiten werden nur wenige Eltern zulassen, dass ihr Kind auf der Hauptschule landet. Also verkommt seit Jahren die Hauptschule zur Restschule, von der man kaum wegkommt. Die Studie zeigt: Hauptschulen können nicht funktionieren, wenn sie in Konkurrenz zur erfolgreichen Gesamtschule stehen. Und: Das größte Übel ist ein Nebeneinander so vieler Schulformen.

Kritik vom Lehrerverband

Wie NRW insgesamt im bundesweiten Vergleich abschneidet, geht aus der Studie nicht hervor. Auf ein direktes Ranking verzichtete Bellenberg schon deswegen, weil die Bundesländer unterschiedliche Schulsysteme haben. Den Weg für bessere Aufstiegschancen sieht die Erhebung daher nicht in Strukturdebatten, sondern in einer besseren Einzelförderung der Schüler.

Der Deutsche Philologenverband hat die Studie am Dienstag massiv kritisiert. Dessen Vorsitzender Heinz-Peter Meidinger sprach von falschen Ergebnissen. 30 Prozent der Hauptschüler machten später die Mittlere Reife und über ein Drittel der Realschüler später das Abitur. „Diese Aufstiege blendet die Studie einfach aus“, sagte der DPhV-Vorsitzende.

Häufig Abi am Berufskolleg

Das NRW-Schulministerium verwies auf die Rolle der Berufsschulen. Dort haben 2011 gut 76 000 Schüler einen allgemeinbildenden Schulabschluss bekommen, darunter 36 700 das Fachabitur und 8200 das Abitur, wie das Statistische Landesamt gestern mitteilte.

Nicht umsonst kommt die Bertelsmann-Studie zu dem Schluss, dass das NRW-Schulsystem gute Chancen auf das Abi bietet. So erreicht Nordrhein-Westfalen immerhin einen Top-Wert im Ländervergleich: Mit 56,6 Prozent Studienberechtigten liegt es bundesweit auf Platz eins. „Dies zeigt, dass wir zwar unterschiedliche, aber vor allem zielführende Wege zum Abitur anbieten“, sagte Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne).

Daniel Freudenreich

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Kommentare
31.10.2012
12:46
Jagdsaison
von wohlzufrieden | #10

Selbstverständlich, zunehmende Verblödung ist doch gewollt. Die Elite wird dann billig in Indien eingefangen, und die doofen kommen zur Bundeswehr....

31.10.2012
12:18
Schüler im NRW-Schulsystem steigen eher ab als auf
von meinemeinungdazu | #9

So ist es auch mit der Politik. Es wird immer schlimmer. Verschuldungen und Bevormundungen lassen grüßen. Bürgernähe: Fehlanzeige!

31.10.2012
09:03
Schüler im NRW-Schulsystem steigen eher ab als auf
von prorevier | #8

Das zeigt doch nur, wie wichtig eine richtige Einstufung durch die Grundschule ist. Zum Glück haben wir noch nicht die Verhältnisse wie in Baden-Würtemberg. Dort kann man jetzt nur noch aufsteigen, aber das Absteigen ist nicht mehr zulässig. Da haben wir ja in Kürze eine echte Chance im Pisa-Vergleich.

31.10.2012
08:40
Schüler im NRW-Schulsystem steigen eher ab als auf
von B.Schmitz | #7

Der Fisch fängt immer am Kopf an zu stinken. Die Frage warum in NRW das Schulsystem absteigt ist doch wohl ganz klar. Nirgendwo gibt es so viele Migranten die kein Deutsch können. Man muss sich doch nur mal die Hauptschulen ansehen wer dort hingeht. Mein Kind käme dort nicht hin. Selbst die Grundschulen muss man sich genau ansehen und dementsprechend Wege in Kauf nehmen.

31.10.2012
05:51
Schüler im NRW-Schulsystem steigen eher ab als auf
von lyx7 | #6

Kein Wunder: Jeder Insider weiß, dass es in NRWs Realschulen und Gymnasien mit Klassen von über 30 Schülern völlig unmöglich ist, schwache Schüler angemessen zu fördern. So bleiben für sie nur 3 Möglichkeiten: teure Nachhilfe, teure Privatschule oder der Wechsel an eine untergeordnete Schulform.

31.10.2012
01:18
Man kann sich nur wundern...
von creck | #5

Die Aussagekraft dieser Studie ist mal wieder nahe bei Null.
Die Zahlen kann man nämlich auch diametral andersrum bewerten.
Dass allerdings die WAZ eine Studie der Bertelsmannstiftung so unkommentiert veröffentlicht, erstaunt.
Jetzt fehlt noch die tägliche Kolumne von Friede Springer in der Rundschau und das Ringel-Rangel-Rosel-Spiel der deutschen Medienlandschaft ist komplett.

31.10.2012
00:00
Schüler im NRW-Schulsystem steigen eher ab als auf
von Jorgel | #4

Trau keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Das bewahrheitet sich hier wieder anschaulich.

Die eine Seite vertreten durch die Autorin der Studie, Gabriele Bellenberg von der Bochumer Ruhr-Uni: "So schafften nur 1181 den Sprung von der Haupt- auf die Realschule."

Die andere Seite vertreten durch den Vorsitzenden des Deutschen Philologenverbandes Heinz-Peter Meidinger: "30 Prozent der Hauptschüler machten später die Mittlere Reife und über ein Drittel der Realschüler später das Abitur. „Diese Aufstiege blendet die Studie einfach aus“.

Eben, das die Hauptschule selbst den entsprechenden Realschulabschluß, nämlich den 10 B Abschluß anbietet - und somit der Wechsel zur Realschule schlicht überflüssig ist, verschweigt Frau Bellenberg schamvoll. Das paßt wohl nicht in ihr Konzept die Hauptschule kaputtzureden...

30.10.2012
22:55
Schüler im NRW-Schulsystem steigen eher ab als auf
von Klug99 | #3

In Bayern klappt auch die Integration von Asylanten. So bewirbt sich gerade ein Aylanten-Kind als Ausgebildeter Jurist mit hervorragenden Deutschkenntnissen um ein Spitzenamt in der bayrischen Politik!

1 Antwort
Schüler im NRW-Schulsystem steigen eher ab als auf
von creck | #3-1

Meinen Sie Söder oder das Dobrindt?

30.10.2012
22:42
Schüler im NRW-Schulsystem steigen eher ab als auf
von peerkeinstueck | #2

Und was sagt uns das?
Nicht so viel.

Wenn man Schüler zunächst massenhaft auf die Hauptschule schickt, ist die Chance, dass ein paar von denen sich noch hocharbeitet, natürlich relativ groß.

Die Kinder, die in Bayern den Wechsel auf eine höhere Schulform geschafft haben, wären in NRW vermutlich gleich da gelandet. Wo liegt jetzt in Bayern der Vorteil?
Insgesamt hat die strengere Handhabung in Bayern zur Folge, dass am Ende zu wenige Abitur machen und die bayrischen Hochschulen auf Studenten aus anderen Ländern, auch NRW angewiesen sind.

2 Antworten
Schüler im NRW-Schulsystem steigen eher ab als auf
von Jorgio | #2-1

in Bayern liegt eben auch der Vorteil das die Schüler bei ,,Pisa" eben in D auch ganz weit vorn stehen, Bildung ist ein wichtiges Gut,daher muss man nicht auf Bayern neidisch sein , sondern versuchen von Ihnen zu lernen.Das recht auf gute Bildung sollten in D möglichst alle Schüler/innen bekommen.

Schüler im NRW-Schulsystem steigen eher ab als auf
von peerkeinstueck | #2-2

Was heißt Neid auf Bayern?
Wo lesen Sie in meinem Beitrag etwas von Neid?

Vierlleicht lesen Sie meinen Kommentar noch einmal, versuchen ihn zu verstehen und melden sich dann noch mal.

30.10.2012
22:11
Schüler im NRW-Schulsystem steigen eher ab als auf
von DifesSanoscri | #1

Unverkrampfte, ideologiefreie Logik lässt hier nur eine Schlussfolgerung zu:
zu viele Schüler werden zunächst zu hoch eingestuft.
Ihr Fleiß entspricht nicht den übersteigerten Erwartungen.
Die Klagen von Professoren wie Handwerksmeistern über das mangelnde Niveau zu vieler junger Leute belegen das.
Und kürzlich hat sogar Ulla Burchardt, die Bildungsexpertin der SPD im Bundestag in der Sendung "Campus und Karriere" des Deutschlandfunks der Klage einer Anruferin aus Berlin über den katastrophalen Niveauverlust an den Schulen zugestimmt, was bislang jeder SPD-Politiker vehement bestritten hat und mit dem üblichen Schimpfen der Alten auf die Jungen abkanzeln wollte.
Und warum hat sie das jetzt eingestandenermaßen zugegeben?
Weil sie damit ihre Forderung nach Ganztagsschulen begründen wollte.
Wenn es also den parteipolitischen Zielen dient, dann wird die Realität zugegeben.

1 Antwort
Schüler im NRW-Schulsystem steigen eher ab als auf
von runningvalentino | #1-1

Sehr guter Kommentar ; 100% Zustimmung :-)

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