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Nebeneinkünfte

Peer Steinbrück droht wegen Honorar-Millionen Ärger mit Basis

30.10.2012 | 19:36 Uhr
Peer Steinbrück droht wegen Honorar-Millionen Ärger mit Basis
Peer Steinbrück legt seine Einkünfte offen.Foto: afp

Berlin.   Der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat 1,25 Millionen Euro in drei Jahren für Vorträge kassiert. Politik-Experten sehen die Nebeneinkünfte bei Stammwählern der Partei schwer vermittelbar. Auch wenn Steinbrück sich allem Anschein nach formal korrekt verhalten hat, droht ihm ein Konflikt mit der Basis.

Peer Steinbrück war in der SPD immer schon ein streitbarer Geist und ist nicht bei allen Genossen beliebt. In seiner Zeit als Finanzminister der Großen Koalition unter Angela Merkel sahen viele in ihm eher den CDU-Mann als einen Sozialdemokraten. Nun hat Steinbrück in Berlin auf öffentlichen Druck seine Nebeneinkünfte veröffentlicht – und erneut droht ein Konflikt mit der Parteibasis.

Zwischen 2009 und 2012 hat er als Abgeordneter für Vorträge außerhalb des Bundestags rund 1,25 Millionen Euro verdient. Aus Sicht von Politikwissenschaftler Gerd Langguth von der Uni Bonn ein weiterer Punkt, der für die SPD und viele Stammwähler schwer vermittelbar ist: „Zum einen hat er sich zu lange gegen eine komplette Veröffentlichung gewehrt, zum anderen passen solche Summen nicht ins Weltbild der klassischen SPD-Wähler.“

Peer Steinbrück
Wofür sich Peer Steinbrück in Essen bezahlen ließ

Für einen Vortrag bei der National-Bank in Essen im September hat Peer Steinbrück sich 15.000 Euro bezahlen lassen. Lobbyarbeit? Mitnichten, denn der Auftraggeber kam in Steinbrücks Rede nur am Rande vor. Der SPD-Kanzlerkandidat spulte routiniert sein Programm ab, wie man es aus Talkshows kennt.

Steinbrück wähnt sich auf der Flucht nach vorn: „Mit der Veröffentlichung gehe ich weit über die derzeitigen Transparenzregeln hinaus “. Diese Feststellung ist ihm so wichtig, dass er sie gestern in Berlin gleich zweimal zum Besten gab. Für Ulrich von Alemann, Politikwissenschaftler der Uni Düsseldorf, aus gutem Grund: „Er hat mehr getan als verlangt wurde. Jetzt sind die Gutverdiener von CDU/CSU und FDP am Zug.“

Dass er zwei Vorträge nicht ordnungsgemäß beim Bundestagspräsidenten gemeldet hatte, gab Steinbrück hingegen zerknirscht zu: „Das habe ich verschwitzt.“ Der Fehler sei inzwischen korrigiert. Zudem räumte er ein, 2009 und 2011 sieben Sitzungstage im Parlament geschwänzt zu haben, darunter einige mit namentlichen Abstimmungen.

15 000 Euro „Standardhonorar“

Die Summe von 1,25 Millionen Euro, die Steinbrück von Wirtschaftsprüfern hat ermitteln lassen, speist sich aus den Honoraren für 89 Vorträge, die er unter anderem für Finanzinstitute, Wirtschaftsverbände, aber zum Beispiel auch bei den „Küchen-Kompetenz-Tagen“ eines Möbelhauses gehalten hat. 74 der Reden sind mit einem „Standardhonorar“ von 15 000 Euro vergütet worden. Davon bleiben unterm Strich 7300 Euro netto. Wie aus den Unterlagen hervorgeht, sprach der SPD-Politiker auch auf Veranstaltungen der Volksbank Dortmund und der Stadtwerke Bochum. Für den Bochumer „Atriumtalk“ im November 2011 erhielt Steinbrück sogar 25 000 Euro, die jedoch, wie vertraglich vereinbart, gespendet wurden. Für die Rede in Dortmund im März 2012 bekam er 15 000 Euro.

Steinbrück
Nichts zu meckern

Peer Steinbrück kennt seinen Marktwert und lässt sich seine Auftritte entsprechend bezahlen. Na, und? Es ist weder ehrenrührig noch unmoralisch, als Sozialdemokrat gut zu verdienen. Auch Helmut Schmidt, ein Säulenheiliger der SPD, macht sein Wissen und seine Prominenz zu Geld. Meckert da vielleicht...

Politologe Langguth findet, dass Peer Steinbrück seine Vorträge hätte kostenlos halten sollen: „Das machen andere Bundestagsabgeordnete auch so. In erster Linie ist Steinbrück im Hauptberuf Mandatsträger und kein Redenhalter wie ehemalige US-Präsidenten.“ Dieter Wiefelspütz, innenpolitischer Sprecher der SPD im Bundestag, nimmt Steinbrück dagegen in Schutz: „Das ist eine sehr deutsche Diskussion, die sehr stark von Neid besetzt ist.“

Die SPD tut sich mit Besserverdienern schwer

In vorderster Verteidigungslinie steht immer noch Steinbrück selbst: Gestern widersprach er zum wiederholten Mal dem Vorwurf, durch seine Vorträge in eine Abhängigkeit zu seinen Auftraggebern geraten zu sein. „Das ist absurd.“ Es sei Aufgabe eines Politikers, den Kontakt zu den Bürgern zu suchen. Er wolle auch Menschen erreichen, die nicht zur Stammklientel der Sozialdemokraten gehören, sagte Steinbrück. Nur stellt man sich eben vor, dass Politiker ihre Botschaft unentgeltlich unters Publikum bringen.

Zudem hilft ihm seine Argumentation nicht weiter, wenn man Kanzlerkandidat einer Partei ist, deren klassische Klientel sich mit Besserverdienern schwer tut. Die Sorgen der SPD jedenfalls sind mit Steinbrücks Auftritt wohl nicht restlos ausgeräumt. „Steinbrück möchte für die Wahl im nächsten Jahr auch Menschen, die wenig Geld besitzen, für sich gewinnen. Auch Arbeitslose. In dieser Schicht der Wählerschaft hat er jetzt einen wunden Punkt. Für die ist er auf Grund seines Verdienstes ,keiner von uns’“, sagt Politikwissenschaftler Ulrich von Alemann. Doch das seien die ebenfalls gut verdienenden Willy Brandt, Helmut Schmidt und Gerhard Schröder auch nicht gewesen.

Gregor Boldt und Winfried Dolderer



Kommentare
01.11.2012
13:10
Peer Steinbrück droht wegen Honorar-Millionen Ärger mit Basis
von meinemeinung47 | #55

Nebenverdienste die ein Abgeordneter nur aufgrund senes Abgeordnetenstatus bezieht, gehören verboten!
Oder glaubt jemand, daß Peer Steinbrück nur wegen seines "Sachverstandes" als Redner gebucht wurde?

2 Antworten
Peer Steinbrück droht wegen Honorar-Millionen Ärger mit Basis
von marwang | #55-1

er ist einer der wenigen die was auf dem kasten haben

Peer Steinbrück droht wegen Honorar-Millionen Ärger mit Basis
von meinemeinungdazu | #55-2

Und der die WestLB finanziell mit vor die Wand gefahren hat.

31.10.2012
18:52
Peer Steinbrück droht wegen Honorar-Millionen Ärger mit Basis
von wimmel | #54

Höre gerade das es neuerdings möglich ist, ältere Arbeitslose frühzeitig zwangszuverrenten, gegen ihren Willen und vor allem auch mit den Abschlägen, was die Altersarmut nochmal in ungeahnte Höhen treiben wird.
Wann kämpfen die Menschen endlich gegen so etwas an, als sich von Nebensächlichkeiten ablenken zu lassen ?

31.10.2012
18:41
Blinder Spiegel
von wohlzufrieden | #53

Wenn sich die Kommentare in den Wahlergebnissen Widerspiegeln würden, kämen CDU/SPD noch nicht einmal auf fünf Prozent. Merkwürdig...

31.10.2012
18:41
Peer Steinbrück droht wegen Honorar-Millionen Ärger mit Basis
von wimmel | #52

Mir geht das getue um Nebeneinkünfte auf den Zeiger, weil es vom eigentlichen Problem ablenkt, die SPD, wie Sie heute da steht, darf einfach nicht mehr in Regierungsverantwortung kommen. Wähler vergessen schnell, man muss Sie immer wieder darauf hinweisen, dass es die ROT/GRÜNEN waren die Ihre Wähler: Arbeitnehmer, Arbeitslose, Rentner und Kranke an Banken, Versicherungen und Wirtschaft verraten und verkauft haben. Die Schwarz/Gelben haben den Ball dann mehr als willig aufgenommen und treiben ihn Heute brutal weiter voran, die kann auch kein abhängig Arbeitender mehr wählen !
Wer sich gut verkaufen kann der soll das, wenn er damit keinem schadet, auch tun können. alles andere ist doch nur Neid :-))

31.10.2012
18:30
Durchschaubar
von wohlzufrieden | #51

Menschen , die demnächst vor den Sozialämtern stehen, weil sie nach 45 Jahren harter Arbeit von ihrer Rente nicht leben können, müssten dort ihr letztes Hemd ausziehen, wenn sie denn noch eins hätten.

31.10.2012
17:49
Peer Steinbrück droht wegen Honorar-Millionen Ärger mit Basis
von Grundges | #50

Es ist Unglaublich wie in Deutschland mal wieder so richtig geheuchelt wird.
Absolute Transparenz wird gefordert, und auf den Cent genau habe der SPD Kanzlerkandidat seine Nebenverdienste offenzulegen, so tönten Schwarze und Gelbe.
Und übersehen dabei, dass sie die meisten Nebenverdiener im Bundestag haben.
Und das sie seit Jahren ein Gesetz zur offenlegung von Nebenverdiensten blockieren scheint auch wieder vergessen.
Dies zeigt das neue Stufenmodel auf das sich Union und FDP verständigt haben.
Von wegen Transparenz, noch komplizierter und undurchsichtiger gehts wohl nicht ?
In der Sache Steinbrück hätten sie besser geschwiegen.

1 Antwort
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #50-1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

31.10.2012
17:47
Peer Prost!
von wohlzufrieden | #49

Peer hat sich gegen die Erhöhung der ALG II-Regelsätze für Kinder mit der Begründung ausgesprochen, das dafür ohne hin nur "ein paar große Pils" gekauft werden. Da darf man bei ihm wohl davon ausgehen, das er Mittlerweile Brauereibesitzer ist...

2 Antworten
Peer Steinbrück droht wegen Honorar-Millionen Ärger mit Basis
von meinemeinungdazu | #49-1

Ich will keinen Laberkanzler!

Peer Steinbrück droht wegen Honorar-Millionen Ärger mit Basis
von marwang | #49-2

immer noch besser als die geldverschleuderer kanzlerin

31.10.2012
16:51
Peer Steinbrück droht wegen Honorar-Millionen Ärger mit Basis
von rally88 | #48

Mein Interesse an der Debatte um Steinbrück gilt der Aufmerksamkeit durch die Medien. Hier soll der Honorarvizekanzlerkandidat gepusht werden, obwohl viele sPD-Anhänger ihn nicht verhindern können.
Seine Nebeneinkünfte kann man ihm ohne Neid doch gönnen, das verdienen manche andere auch, aber es darf seine Abgeordnetentätigkeit nicht behindern! Schlimmer ist mir seine unsoziale Einstellung auch besonders als sPD-Vertreter!
Unwählbar!

31.10.2012
16:40
Peer Steinbrück droht wegen Honorar-Millionen Ärger mit Basis
von dsnero | #47

O je - schon wieder son Versuch der Stimmungsmache.
Herr Steinbrück wird sich darum kümmern, dass die Geringverdiener mehr bekommen, wenn diese bereit sind ihn in großem Stil zu wählen und sich zu erinnern, welche Richtungen dies in den letzten Jahren immer wieder verhindert haben.
Davon, dass Herr Steinbrück ein solches angebotenes Standardhonorar nicht nimmt (so wie viele andere Politiker und Führungskräfte der Industrie auch) hat der "Geringverdiener" dagegen nichts.
Auch Helmut Schmidt hat (nach seiner Bundeskanzlerzeit) ordentlich Geld für Vorträge bekommen - und es hat ihm nicht geschadet, und auch den Geringverdienern nicht.

1 Antwort
Peer Steinbrück droht wegen Honorar-Millionen Ärger mit Basis
von grundwissen | #47-1

Steinbrück hat neben Gerhard Schröder an der AGEDA 2010 mitgewirkt, die zum Ziel hatte die Beschäftigten stärker zu belasten, die Sozialsysteme zugunsten der Privatwirtschaft insbesondere der Versicherungskonzerne herunterzuwirtschaften, die Kommunen und Städte stärker mit Aufgaben zu belasten von der sich der Bund und die Länder zurückgeszogen hatten, schlicht der Umverteilungspoltik Vorschub zu geben. Ganz davon abgesehen, dass das Werk von Steinbrück und Konsorten darin lag, die Finanzmärkte zu deregulieren, also die Regeln fiskaler und gesetzlicher Einflussnahmen abzubauen. Was zur Folge hatte, dass in der BRD Finanzierungsgesellschaften Einfluss auf Unternehmen gewinnen konnten, die Müntefehring als Heuschrecken bezeichnet hatte. Das heißt seine eigenen Parteigenossen hatten die Mafia an Bord geholt. Und da meinen Sie, das hat noch keinem geschadet. Hey, aufwachen Opa!

31.10.2012
15:37
Peer Steinbrück droht wegen Honorar-Millionen Ärger mit Basis
von dextra | #46

verlogene Welt ,Steinbrück sucht die Sympathie der "kleinen Leute" also die der Leiharbeiter für 7.89 Euro Stundenlohn oder die der Rentner um rund 800 Euro pro Monat.
Er selber bewertet sich aber mit einem Nebenverdienst von 15.000 Euro pro Stunde!!!
Ja gehts noch, das wird auch den letzten Hartz IV Empfänger ins grübeln bringen.

1 Antwort
Peer Steinbrück droht wegen Honorar-Millionen Ärger mit Basis
von wkah | #46-1

nach ihrer Theorie würde kein Politiker mehr gewählt

die verdienen alle nicht schlecht.

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