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Parteibasis redet mit Bundeskanzlerin Merkel Tacheles

10.10.2012 | 21:46 Uhr
Foto: /dapd/Carsten Albert

Eigentlich hätte Angela Merkel leichtes Spiel haben sollen bei der Regionalkonferenz der CDU-Landesverbände Hessen und Thüringen in Fulda. Die Bundeskanzlerin hält im voll besetzten Kongresszentrum am Mittwochabend eine für ihre Klientel gefällige Rede, benutzt basistaugliche Gemeinplätze zur Eurokrise, zur Integration und dem Wert der Familie. Sie erntet dafür viel Beifall...

Fulda (dapd-hes). Eigentlich hätte Angela Merkel leichtes Spiel haben sollen bei der Regionalkonferenz der CDU-Landesverbände Hessen und Thüringen in Fulda. Die Bundeskanzlerin hält im voll besetzten Kongresszentrum am Mittwochabend eine für ihre Klientel gefällige Rede, benutzt basistaugliche Gemeinplätze zur Eurokrise, zur Integration und dem Wert der Familie. Sie erntet dafür viel Beifall. Aber bei der anschließenden Fragerunde reden jedoch einige Mitglieder mit ihrer Parteivorsitzenden Klartext: Sie vermissen die Werte bei der Union.

Merkel benennt in ihrer Rede zu Beginn die für sie wichtigsten Zukunftsthemen. Sie spricht viel über Europa und über die Vorteile der sozialen Marktwirtschaft. Sie gefällt sich in der Rolle als Euroretterin - einige Mitglieder danken ihr später bei der Regionalkonferenz ausdrücklich "für ihr Engagement" in dieser Sache.

Merkel sieht Hessen bei Integration vorn

Die Eurokrise sei das Produkt "einer Art des Wirtschaftens im Finanzbereich gewesen, das genau nicht den Prinzipien von sozialer Marktwirtschaft entsprochen hat", betont Merkel und fordert die soziale Marktwirtschaft weltweit zu verankern. Nur so könne der nächsten Finanzkrise vorgebeugt werden. "Wenn nur Europa, und wenn bei Europa manchmal noch nicht einmal der Finanzplatz London folgt, dann reicht das natürlich nicht", betonte sie.

Die Kanzlerin schwenkt über zur Integration - auch das sei eines der künftigen Kernthemen. Hier sieht sie Hessen als Vorreiter, da das Land als erstes Sprachtests eingeführt habe. Die CDU-Vorsitzende benennt die Herausforderungen des demografischen Wandels und die Anrechnung von Kindererziehung auf die Rente. Das "muss berücksichtigt werden", sagt sie und gibt sich selbst das Stichwort für den nächsten Punkt: "In einer Familie werden Werte gelebt, die kein Staat befehlen kann", sagt sie. Und deshalb tue die Bundesrepublik gut daran, die Ehe und die Familie auch zu schützen - diese Sicht sei "ein Riesen Unterschied zwischen den Christ- und den Sozialdemokraten".

"Klimakanzlerin" kritisch bei Solaranlagen

Ein Thema nach dem anderen hakt Merkel in 25 Minuten ab. Eines spart sie jedoch aus: die Energiewende. Als hätte sie nur darauf gewartet, greift sie eine Frage hierzu bereitwillig auf. Die einstige "Klimakanzlerin" referiert lange über den Energieverbrauch und wie viel - beziehungsweise wie wenig - Gigawatt derzeit aus Windkraft- und Solaranlagen gewonnen werde. "Ich bin sehr für den Ausbau erneuerbarer Energien", betont Merkel, aber es gebe viele die beim Betrieb von Photovoltaikanlagen Eigeninteressen verfolgten. "Es spricht die Vernunft dafür, dass wir das Begrenzen", schließlich scheine die Sonne nicht den ganzen Tag.

"Gestatten Sie mir eine Bemerkung", sagt ein älterer Mann an Merkel gewandt. "Dass Ihr Generalsekretär Sie in der Öffentlichkeit duzt, entspricht nicht meinem Stil", moniert er. Viele Mitglieder in Fulda lachen bei dieser Kritik. Indes bemängeln viele den dahinterstehenden Grundsatz - ein Mittzwanziger formuliert das Problem geschickter: Die Partei verliere seit 2005 kontinuierlich bei Wahlen, "Grund dafür ist hauptsächlich das Wegfallen konservativer Werte in der CDU". Als "neo-konservativer Anti-Kommunist" sehe er sich immer weniger vertreten. Ein anderer will, dass die Kanzlerin zum Islam Stellung bezieht.

Die Sache mit den Werten und die Partei mit dem "C"

Merkel stellt sich. Mit diplomatischem Geschick geht sie auf die Fragen ein. Mit den konservativen Werten sei das immer so eine Sache, sagt sie. "Den Kommunismus haben wir ja jetzt weitestgehend besiegt", scherzt sie.

Aber beim Thema Frauenquote und Familie divergierten beispielsweise die Ansichten. Sie halte die "Flexi-Quote" von Familienministerin Christina Schröder (CDU) für einen "sehr interessanten Ansatz" - eine starre Quote nicht. Aber gerade bei den großen Betrieben sei es wünschenswert, dass "ab und zu mal" eine Frau den Weg an die Spitze schaffe, sagt sie.

Der Islam als Religion gehöre "in gewisser Weise zu Deutschland", aber maßgeblich geprägt habe dieser das Land nicht, betont Merkel. "Wir sollten als die Partei, die das 'C' im Namen trägt, uns eher damit beschäftigen, was uns als Christen unverwechselbar macht", fordert Merkel - im katholischen Fulda kommt das gut an, der Applaus ist laut und langanhaltend.

"Sie hat mir richtig von der Seele geredet", sagt Besucherin Giesela Feuerstein hinterher. Die Kanzlerin habe die berührenden Themen richtig angesprochen. Purer Konservativismus "das geht in der heutigen, bunten Welt nicht mehr", und das habe die Parteivorsitzende deutlich gemacht.

dapd

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