Das aktuelle Wetter NRW 24°C
Studie

NRW-Schüler können nicht zwischen Demokratie und Diktatur unterscheiden

27.06.2012 | 14:15 Uhr
Alarmierende Studie: Schüler aus NRW haben ein besonders schlechtes Wissen über politisch-geschichtliche Zusammenhänge. Selbst die Differenzierung von Demokratie und Diktatur fällt ihnen schwer.Foto: dapd

Berlin.  Eine bundesweite Umfrage mit 7500 Schülern schockiert nicht nur Politikwissenschaftler. Deutsche Schüler kennen nur unzureichend die Unterschiede zwischen Demokratien und Diktaturen. Besonders schlecht schnitten bei politischen Fragen die Schüler aus NRW ab.

Viele Jugendliche können einer Studie zufolge nicht zwischen Demokratie und Diktatur unterscheiden. Rund 40 Prozent sehen kaum Unterschiede zwischen Nationalsozialismus, der DDR sowie der Bundesrepublik vor und nach der Wiedervereinigung, wie die am Mittwoch vorgestellte Untersuchung der FU Berlin ergab. Diese Schüler glauben demnach, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte seien in allen vier Systemen etwa gleich ausgeprägt.

In der Befragung des Forschungsverbundes SED-Staat der Freien Universität Berlin ordnete nur etwa die Hälfte der Schüler den NS-Staat zweifelsfrei als Diktatur ein, die DDR stufte nur gut ein Drittel als diktatorisches System ein . Zugleich schätzte nur rund die Hälfte der Befragten die Bundesrepublik vor der Wiedervereinigung als demokratisch ein, lediglich rund 60 Prozent halten das wiedervereinigte Deutschland für eine Demokratie.

Schüler wissen zu wenig über Politik und Geschichte - NRW schneidet besonders schlecht ab

Ursache dieser Fehleinschätzungen ist nach Einschätzung der Forscher um den Politikwissenschaftler Klaus Schroeder das geringe politisch-historische Wissen von Schülern. Als Konsequenz der Ergebnisse sei eine wertorientierte Kenntnisvermittlung im Sinne der freiheitlich-demokratischen Grundordnung im Schulunterricht dringend geboten, betonten die Autoren der Untersuchung.

Befragt wurden zwischen 2009 und 2012 knapp 5000 Schüler der Klassenstufen neun und zehn in Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Außerdem basiert die Studie auf zusätzlichen Befragungen von mehr als 2000 Schülern, die Gedenkstätten besuchten oder im Laufe eines Jahres mehrfach befragt wurden. Beim politisch-historische Wissen schnitten Schüler aus Thüringen und Sachsen-Anhalt am besten ab, am schlechtesten Schüler aus Nordrhein-Westfalen .

Jugendliche mit Gedenkstätten-Erfahrung sind nicht schlauer

Schüler mit DDR-Eltern oder mit mindestens einem ausländischen Elternteil sahen bei der Befragung den Nationalsozialismus und die DDR positiver als Schüler, deren Eltern ihre Wurzeln in der alten Bundesrepublik haben. Die Bundesrepublik vor und nach der Wiedervereinigung sahen Jugendliche mit DDR-Eltern sowie Migrantenkinder dagegen negativer als ihre Altersgenossen mit BRD-Eltern.

Politiker der DDR

Zusätzlich erforschten die Wissenschaftler den Einfluss von Besuchen in Gedenkstätten . Dabei stellten sie keinen eindeutig positiven Effekt dieser Besuche fest. Als Hauptgrund nannten die Forscher die mangelnde Einordnung der in den Gedenkstätten angebotenen Informationen in große Zusammenhänge. Hier seien vor allem die Schulen gefordert. Sie sollten statt auf ein "Gedenkstättenhopping" auf soliden Geschichtsunterricht setzten, der die gründliche Vor- und Nachbereitung von Gedenkstättenbesuchen einschließen müsse.

Kulturstaatsminister Neumann (CDU): Schulunterricht gefordert

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) erklärte zu den Studienergebnissen, es müsse "alle Verantwortlichen in Deutschland wachrütteln", dass eine Mehrheit der befragten Jugendlichen nur über sehr geringe zeitgeschichtliche Kenntnisse verfüge. Neumann verwies darauf, dass der Bund in den vergangenen Jahren die Mittel für die Aufarbeitung beider Diktaturen in Deutschland um 50 Prozent erhöht habe, "um authentische Orte der NS-Terrorherrschaft und der SED-Diktatur zu erhalten und Gedenkstätten als außerschulische Lernorte auszubauen".

Dies könne aber "nur eine Ergänzung und kein Ersatz für entsprechenden Schulunterricht sein", unterstrich Neumann. Deshalb blieben die Länder nachdrücklich aufgefordert, auch ihren Beitrag in den Schulen zu verstärken. (afp)



Kommentare
06.07.2012
20:55
NRW-Schüler können nicht zwischen Demokratie und Diktatur unterscheiden
von a_ha | #53

Da wird es doch höchste Zeit, das Wahlalter auf 16 herabzusetzen....

Bin gespannt, wann auch der Letzte in NRW merkt, dass hier grundsätzlich etwas verkehrt läuft.
Und damit meine ich keine Großbanken.

06.07.2012
11:41
NRW-Schüler können nicht zwischen Demokratie und Diktatur unterscheiden
von Imaz | #52

ZU #51
Einmal "Namen" zuviel

06.07.2012
11:39
NRW-Schüler können nicht zwischen Demokratie und Diktatur unterscheiden
von Imaz | #51

Ich habe die Nazis erlebt und anschließend die "Demokratie".
Was war anders geworden? So gut wie NICHTS!
Da waren in Wirtschaft und Politik die gleichen Leute am Werk, die man schon
kannte.
Die Nazis holten sich ihren "Persilschein" und wurden über Nacht zu Demokraten.
Glaubt wirklich jemand, die hätten ihre Gesinnung geändert? So einfach über
Nacht?
Nur die Namen der Parteien hatten andere Namen.
Ällmählich entwickelte sich die Diktatur des Geldes. Die am meisten hatten,
bestimmten,was gespielt wurde. Der normale Bürger durfte alle 4 Jahre sein Kreuz
machen, im Übrigen die Klappe halten sonst war er ein Feind der "Demokratie",
(des großen Geldes).
Da hat sich bis heute nichts geändert.

1 Antwort
Imaz kann keinen Unterschied zwischen Demokratie und Diktatur feststellen.
von a_ha | #51-1

Sie tun mir leid.
Ich hoffe, Sie waren nicht der Lehrer der Schüler.
Der Verdacht liegt allerdings nahe.

05.07.2012
21:33
NRW-Schüler können nicht zwischen Demokratie und Diktatur unterscheiden
von ChristlicherDemokrat | #50

Ja,
wer genau hinsieht erkennt,
da gibts immer weniger unterschiede,
pressefreiheit hier, grundeinkommen dort,
arbeitslosigkeit hier - ausbildung und einkommen dort,
dikttur der banken-diktatur der Partei,

....

29.06.2012
08:16
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #49

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

28.06.2012
18:13
NRW-Schüler können nicht zwischen Demokratie und Diktatur unterscheiden
von DifesSanoscri | #48


Und das nach all den Jahren der "Qualitätssicherung" und des "Zentralabiturs"!

28.06.2012
15:29
NRW-Schüler können nicht zwischen Demokratie und Diktatur unterscheiden
von DifesSanoscri | #47


Lange wurde heftig abgestritten, wie tief das Niveau abgesunken ist oder abgesenkt wurde.
So zunächst auch ein Wissenschaftler letzten Samstag in derr Sendung "Campus und Karriere" des Deutschlandfunks.
Dann aber hat es ganz überraschend Frau Ulla Burchardt, SPD, zugegeben.
Man traute seinen Ohren kaum, wie das auf einmal?
Die Lösung des Rätsels: sie begründete damit die Forderung nach Ganztagsschulen.
Was lernen wir daraus?
Aber was ist schlimmer: unwissende Schüler oder ein Journalist, der in den "Nachrichten für Kinder" den Beginn der Nazi-Diktatur mit "vor rund 70 Jahren" datiert?
Ungefähr 1942 war das Ende näher als der Anfang!
Aber das ist doch alles egal, ob 70 Jahre oder 80 Jahre, ob Demokratie oder Diktatur ...
Das darf man alles nicht so verbissen sehen, die rheinische Frohnatur macht sich da keinen Kopp drum, et kütt wie et kütt, und et hätt noch immer jot jejange ...
Wundert sich jemand wirklich über das Niveau?

28.06.2012
11:55
NRW-Schüler können nicht zwischen Demokratie und Diktatur unterscheiden
von Emil1972 | #46

Nun ja da sich unsere "Demokratie" eh immer mehr in Richtung Diktatur entwickelt, ist das nicht weiter schlimm. Die einen Diktaturen sind politischer Herkunft, die anderen wirtschaftlicher Herkunft. Und da die Verantwortlichen kein Interesse daran haben, dies zu ändern, erübrigt sich diese Debatte.

28.06.2012
10:59
NRW-Schüler können nicht zwischen Demokratie und Diktatur unterscheiden
von KuKu | #45

Warum sollte das verwunderlich sein? Wenn ich mir die Kommentare zu den verschiedensten Themen ansehe, ich gehe mal davon aus, dass sie meist von Erwachsenen geschrieben wurden, beweifel ich ebenso die Fähigkeit vieler Erwachsener zwischen einem Rechtsstaat und einem Unrechtsstaat unterscheiden zu können. Da passt dann auch die Meinung vieler Kommentatoren man sollte es jetzt mal gut sein lassen mit dem Holocaustgedenken und der Erinnerung an das, was unter dem verbrecherischen Naziregime geschehen ist. Erst wird relativiert, dann vergessen und dann?

27.06.2012
23:57
NRW-Schüler können nicht zwischen Demokratie und Diktatur unterscheiden
von drasos | #44

Und noch etwas.....

#31

Zitat:
In der Diktatur gehen die Gewalten von einer Person oder Gruppe bzw. Partei aus. Bezeichnend ist die Aussage, dass die Partei immer recht hat., so dass sich das Recht ins Unrecht umsetzen kann bzw. umsetzt. Daraus ergibt sich die Unterscheidung zwischen Rechtsstaat und Unrechtsstaat. Zitat Ende

Die Partei hat immer Recht.....das ist alternativlos.....oder auch Basta!!!

Na...dämmert der Zusammenhang?

Wenn alles was der Wähler nicht will mit dem Begriff "alternativlos" durchgedrückt werden kann dann braucht man auch keine Wahlen mehr....

1 Antwort
NRW-Schüler können nicht zwischen Demokratie und Diktatur unterscheiden
von lightmyfire | #44-1

Der Zusammenhang dämmert mir. Im Kommentar der WAZ ging es aber um das Grundsätzliche, um den Unterschied zwischen Demokratie und Diktatur zu verdeutlichen und vielen ist das nicht bewußt. Es ist für mich gefährlicher diesen Unterschied nicht zu kennen als die berechtigte Kritik an unseren jetzigen politischen Verhältnisse.

Aus dem Ressort
Rechtsanspruch auf Inklusion und Kita-Reform werden wirksam
Reformprogramm
Regelschule auch für Behinderte und bessere Betreuung für die Kleinsten: Das kommt zum 1. August. Damit investiert NRW jährlich 100 Millionen Euro zusätzlich in die Qualität von Kitas und bis 2018 eine Milliarde Euro in inklusives Lernen an Schulen. Kritik kommt von Kommunen und Lehrerverbänden.
NRW hat die kaputtesten Eisenbahnbrücken in ganz Deutschland
Verkehr
Die Grünen im Bundestag wollten es wissen, nun gab’s die Antwort. NRW bildet unter allen Bundesländern dass Schlusslicht, wenn es um den Zustand von Eisenbahnbrücken geht. Fast die Hälfte aller Brücken weisen Beschädigungen auf. Auf den Schienen droht der Verkehrsinfarkt.
US-Geheimdienst NSA meldet Patent auf Kindersitz an
Geheimdienstarbeit
Die Entwicklungsabteilung des US-Geheimdienstes NSA hat mit der Anmeldung einer Reihe von Patenten überrascht. Neben Erfindungen auf den Gebieten Datenverschlüsselung und Übersetzung wurde auch ein Patent für einen Autokindersitz angemeldet, der sich über die Jahre der Größe des Kindes anpasst.
Ukraine führt 1,5 Prozent Kriegssteuer auf Einkommen ein
Ukraine
Das Parlament in Kiew hat am Donnerstag das Rücktrittsgesuch von Regierungschef Jazenjuk abgelehnt und eine Kriegsabgabe von 1,5 Prozent auf alle steuerpflichtigen Privateinkommen im Land eingeführt. Derweil hat die ukrainische Führung eine eintätige Waffenruhe im umkämpften Osten angekündigt.
Gericht lehnt Zschäpes Befangenheitsantrag im NSU-Prozess ab
NSU-Prozess
Das Oberlandesgericht München hat den Befangenheitsantrag von Beate Zschäpe abgelehnt. Die Verteidiger der Hauptangeklagten im NSU-Prozess hatten geltend gemacht, dass der Senat einen Zeugen einseitig befragt habe. Die Bundesanwaltschaft nannte den Antrag "absurd"
Umfrage
Die Bundesregierung erwägt, Arzttermine zentral zu vergeben , um lange Wartezeiten zu verhindern. Eine gute Idee?

Die Bundesregierung erwägt, Arzttermine zentral zu vergeben , um lange Wartezeiten zu verhindern. Eine gute Idee?