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CDU-Landesparteitag

NRW-CDU übt sich in kollektiver Verdrängung

30.06.2012 | 13:37 Uhr
NRW-CDU übt sich in kollektiver Verdrängung
Der CDU-Landesparteitag hat einen neuen Vorsitzenden für NRW gewählt: Armin Laschet.Foto: dapd

Krefeld.  Nach der historischen Wahlpleite bei der NRW-Landtagswahl kürt der CDU-Landesparteitag Armin Laschet mit gerade einmal 80 Prozent zum neuen Vorsitzenden und Nachfolger des gescheiterten Ex-Bundesumweltminister Norbert Röttgen. Scherbengericht oder Selbstkritik fallen aus.

Unpassender hätte der Tagungsort eigentlich nicht sein können. Gut sechs Wochen nach der schlimmsten Wahlniederlage ihrer Geschichte, der Landtagswahl in NRW, traf sich die NRW-CDU am Samstag im „Königpalast“ in der „Samt- und Seidenstadt“ Krefeld zum Landesparteitag. Verlangten die desaströsen 26,3 Prozent bei der Landtagswahl am 13. Mai nicht eher nach ruppigen Auseinandersetzungen und Scherbengericht?

Nein, die offene Konfrontation ist nicht Sache der nordrhein-westfälischen Christdemokraten. Landsmannschaftliche Eifersüchteleien, Flügelstreitigkeiten und persönliche Animositäten werden traditionell hinter vorgehaltener Hand ausgetragen. Nach der jüngsten Wahlschlappe eint die immer noch mitgliederstärkste Partei in NRW zudem die ernste Sorge, an Rhein und Ruhr auf viele Jahre wieder von der SPD abgehängt zu sein. Der historische Wahlerfolg von 2005 mit fast 45 Prozent wirkt heute wie aus einer anderen Epoche. Krefelds CDU-Oberbürgermeister Gregor Kathstede dürfte als Gastgeber manchen Delegierten aus der Seele gesprochen haben, als er gleich bei der Begrüßung barmte: „Ich wünsche mir, dass unsere gemeinsame Wahldepresssion heute ein Ende findet."

Röttgen pries seine Erfolge in NRW

Der scheidende Landesvorsitzende Norbert Röttgen zumindest muss über magische Fähigkeiten zur Selbstmotivation und Realitätsverweigerung verfügen. Man hätte einen zerknirschten, tieftraurigen, deprimierten Mann erwartet, denn selten ist ein Spitzenpolitiker innerhalb kürzester Zeit so tief gestürzt. Bei der Landtagswahl wegen seines fehlenden NRW-Bekenntnisses auch ganz persönlich abgestraft, als Bundesminister von der Kanzlerin eiskalt rausgeschmissen, politisch so gut wie am Ende.

Doch Röttgen blendete diese Wahrheiten erfolgreich aus , pries seine Erfolge als zweijähriger Landeschef wie den „Schulkonsens“ wortreich an, fabulierte über Europas Schuldenkrise, dankte seinem für einen dramatisch verkorksten Wahlkampf verantwortlichen Generalsekretär Oliver Wittke für einen „tollen Job“. Der eigene Rücktritt? „Ein Gebot der politischen Verantwortung“, findet Röttgen, als müsste er einen Schicksalsschlag aus heiterem Himmel verarbeiten. Gewiss, er räumt auch „Fehler und Fehleinschätzungen“ ein. Trotzdem: Röttgen hat es „große Freude gemacht“. Applaus, Danksagungen, nette Worte –  derartige kollektive Verdrängungskunst gibt es wohl nur bei der CDU.

Leutseliger, aber sprunghafter Laschet als neuer Vorsitzender

Der Wiederaufbau des größten Landesverbandes obliegt nun ausgerechnet dem Mann, der Röttgen vor zwei Jahren in einem Mitgliederentscheid klar unterlegen war: Armin Laschet . Der ehemalige NRW-Integrationsminister teilt sich die Verantwortung mit Landtagsfraktionschef Karl-Josef Laumann, weil keinem von beiden die alleinige Oppositionsführerschaft zugetraut wurde. Ein kraftvoller Neuanfang sieht anders aus.

Der 51-jährige Aachener ist zwar wortgewandt, ein Ideenbündel, leutseliger als Röttgen, aber eben auch ein etwas sprunghafter Vertreter der liberalen Großstadt-CDU, der in konservativen Bastionen schwer vermittelbar erscheint. „Der Gegner liegt nicht im eigenen Bett“, mahnte Laschet deshalb parteiinterne Kritiker. Zugleich mühte er sich, mit einer etwas unsortierten Rede so etwas wie Aufbruchstimmung zu verbreiten. Er schwor die NRW-CDU auf die Bundestagswahl 2013 ein. Wenn der größte Landesverband nicht schnell wieder aufstehe, sei die CDU-geführte Bundesregierung als „letzter Stabilitätsanker Europas“ in der Eurokrise verloren.

Er ruft: „Die Geschichte gewährt keine Auszeit.“ Statt Selbstzerfleischung fordert er den Stolz der irischen Fußball-Fans, die bei der Europameisterschaft auch in sportlich aussichtsloser Lage die Konkurrenz in Grund und Boden gesungen hätten. Tradition, Selbstvergewisserung, geistiges Zentrum der Bundes-CDU – Armin Laschet arbeitete sich rhetorisch durch viele Facetten seiner Partei. Der nordrhein-westfälische Landesverband müsse „stehen wie eine westfälische Eiche“ und "nett" sein wie SPD-Ministerpräsidentin Kraft. Noch Fragen?

Weniger als 80 Prozent wählten Laschet

Laschet, zu dem es keine wirkliche personelle Alternative gab , war zuletzt durch fast alle 54 Kreisverbände getourt, um einen Vertrauensvorschuss zu erhalten. Der Bittgang an der Basis hat sich zumindest ausweislich der Parteitagsarithmetik kaum gelohnt: Er wurde mit nur 80 Prozent Zustimmung zum neuen Parteichef gekürt; rechnet man die Enthaltungen ein, waren es sogar nur 77,6 Prozent.

Am Ende fragt man sich, warum eine Partei, die sich derart selbstzufrieden geriert, in den vergangenen sieben Jahren fast 20 Prozentpunkte an Bürger-Zustimmung einbüßte. Man habe die Landtagswahl verloren, „aber nicht unsere Überzeugungen und unser Selbstbewusstsein“, hatte Norbert Röttgen dem Parteitag zugerufen. Letzteres gilt offenkundig nicht nur für den gescheiterten Landeschef.

Tobias Blasius

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Kommentare
01.07.2012
09:05
NRW-CDU übt sich in kollektiver Verdrängung
von feder24 | #8

Zitat aus Bericht:
..Er schwor die NRW-CDU auf die Bundestagswahl 2013 ein...
Was soll das? Ersoll der SPD/Grün Koalition auf die "Füße treten", so wie im Fußball die Gegner angehen.
Z.B. auf den Landesentwicklungsplan NRW, der aus 1996 stammt ( von SPD/GRÜN) und mit dem die Grünen Industrieanlagen stilllegen (Datteln,Lünen und viele andere, Bärbel Höhn lässt grüßen). Oder ist der Gang ins Archiv zu anstrengend!

01.07.2012
00:07
NRW-CDU übt sich in kollektiver Verdrängung
von supergerd | #7

Die CDU hat doch weise Entscheidungen gefällt:

Herr Wüst, der Mann des rent-a-rüttgers, wurde gleich zweimal in die Wüst(e) geschickt. Als Stellvertreter und als Beisitzer durchgefallen.

Sogar die ganzen Karrieristen-JU-Kandidaten hat der Parteitag erfolgreich abgemeiert. Nichts im Berufsleben auf die Reihe bekommen, aber strikt nach dem Motto Kreißsaal-Hörsaal-Plenarsaal streben a la Mißfelder.

1 Antwort
NRW-CDU übt sich in kollektiver Verdrängung
von Murphy07 | #7-1

Wüst und die Anderen abgehalfterten noch aus der Rüttgers Ära sind nicht mehr an erster Stelle und die Span und Mißfelder-Verschnitte bekamen die Rote Karte...hoffentlich wird die CDU Basis jetzt endlich wach!!!!!!!!!!!
Eine Frage ....was wurde aus Wittke????????????????

30.06.2012
23:47
NRW-CDU übt sich in kollektiver Verdrängung
von daphnina | #6

Laschet hat die CDU "verdient", denn ein politischer Schwadroneur endet dort wo er hingehört, an ersterer Stelle einer ehemaligen großen Volkspartei, der CDU. Die
Verkennung der politischen Realitäten in NRW führen dazu, dass Laschet nur sein persönliches Ziel sieht, es ist die "Macht" (oder Ohnmacht) in einer Partei.
Es wird dort enden, wo schon viele Vorgänger gelandet sind. Sie werden weg gelobt nach Berlin, Brüssel oder in lukrative Posten von Verbänden oder Industrie.

1 Antwort
NRW-CDU übt sich in kollektiver Verdrängung
von Murphy07 | #6-1

Laschet hat nie etwas anderes getan wie kriechen und schleimen zu seinem eigenen Wohl...bitte nie für Andere oder es standen Kameras und Mikrophone vor ihm, dann konnte man das Gesäusele hören. Die Politik das ich nicht lache...er wollte an die Macht, jetzt hat er sie in einer Partei die Keiner mehr ernst nimmt und der Laumännchen soll einmal ganz vorsichtig sein...bei sägegeräusche die er hören wird..garantiert...sägt Laschet an seinem Stuhl....WETTEN.....Er hat jetzt endlich einen TITEL::::

30.06.2012
21:09
eine null geht und eine neue 0 kommt
von trickflyer | #5

in der zwischenzeit versorgt laschet seine günstlinge....allaf und helau in absurdistan,oder sagt man bananenrepublik?

30.06.2012
15:45
NRW-CDU übt sich in kollektiver Verdrängung
von Murphy07 | #4

Die persönlichen Verlierer und Täter für die verlorene Wahl sind wieder durch Postenschieberei an der Macht. Was ist da neues oder an Aufarbeitung zu sehen...GAR NICHTS. Sie sind ja Allesamt zu feige und verlogenen sich wirklich mit dem Wahldebakel und deren Ursachen auseinander zusetzten. Selbst Röttgen der dort geredet hat, sie nicht ein, dass er der größte Verursacher der Angelegenheit ist..sein Fazit: er hat alles richtig gemacht, aber zu seinem Verhalten , seine Absage als Oppositionsführer in NRW zubleiben wollte er nicht kommentieren. Er sollte wirklich für immer seinen Mund halten.
Wer nicht bereit ist öffentlich seine Fehler einzugestehen, hat auch im öffentlichen Leben und Politik nichts mehr zusuchen.
Und die CDU Mitglieder sind wie Lämmer...sie stehen still herum und warten auf den Metzger...keiner sagt aus Angst seinen Posten zuverlieren auch nur ein Wort der Kritik. Alle zum abgewöhnen.....

1 Antwort
NRW-CDU übt sich in kollektiver Verdrängung
von turboschnecke1951 | #4-1

wo bleibt denn das grußwort von mutti????

oder ist diese ihrer cdu böse, weil einige abgordnete mit verstand und gewissen, ihr die kanzlermehrheit für ihren fäkal- tschuldigung fiskalpakt, mit der unendlichen deutschen steuergeldvernichtung nicht gegönnt haben.

ich würde mich freuen, wenn die verfassungsrichter diesen ganzen, gelb-schwarzen merkel schäublekrampf kassieren würden.

30.06.2012
15:23
NRW-CDU übt sich in kollektiver Verdrängung
von gamleman | #3

Wow! Was für ein Neubeginn. Endlich ist der lasche Armin, zu dem es bekanntlich keine Alternative gab, am Ziel seiner Wünsche angekommen. Schaun wir mal, was er ausser Selbstbewusstsein noch zu bieten hat. Eine Führungspersönlichkeit? Ein Konzept? Ein Programm? Eine Mannschaft, der man das abnimmt? Das wäre wohl doch etwas zu optimistisch gedacht.

30.06.2012
14:36
NRW-CDU übt sich in kollektiver Verdrängung
von Pit01 | #2

Die CDU hatte die Chance zu einer neuen Politik in NRW , doch mit der FDP gemeinsam alles hoffnungslos vergeigt.

30.06.2012
13:43
NRW-CDU übt sich in kollektiver Verdrängung
von meinemeinungdazu | #1

In NRW wird diese zerbröselte CDU keine Macht mehr erreichen können. Auch in den traditionellen Wahlbezirken in Südwestfalen kippen die klaren Mehrheiten: Das sagt doch alles über diese bürgerferne Partei.

3 Antworten
NRW-CDU übt sich in kollektiver Verdrängung
von wilbec | #1-1

Ja die SPD-Propagandamaschine funktioniert.
Ansonsten nichts zu bieten, siehe West-LB.

NRW-CDU übt sich in kollektiver Verdrängung
von Catman55 | #1-2

@wilbec | #1-1

Aber sie müssen schon zugeben, dass die NRW-CDU ein ziemlich desolates Bild abgibt.

NRW-CDU übt sich in kollektiver Verdrängung
von Murphy07 | #1-3

Catmann nicht aufregenb..Wilbec ist hoffungslos CDU ler..egal was kommt. Für gute und belegbare Argumente jederzeit verschlossen. Auf jede angebrachte CDU kritik kommt ein alter Hit gegen die SPD..so wie früher bei der SED...darum gehört zu den ewiggestrigen......

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