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"New York Times" und "Wall Street Journal" im Visier von Hackern

01.02.2013 | 18:37 Uhr
Foto: /ddp/Nigel Treblin

Chinesische Hacker sollen die Computernetzwerke zweier renommierter US-Zeitungen ins Visier genommen haben. Nach der "New York Times" meldete das "Wall Street Journal" am Freitag, es sei von der Volksrepublik ausgespäht worden. Möglicherweise hätten die Hacker Verbindungen zur Regierung in Peking, meldete die Zeitung. China wies die Vorwürfe strikt zurück.

Peking (dapd). Chinesische Hacker sollen die Computernetzwerke zweier renommierter US-Zeitungen ins Visier genommen haben. Nach der "New York Times" meldete das "Wall Street Journal" am Freitag, es sei von der Volksrepublik ausgespäht worden. Möglicherweise hätten die Hacker Verbindungen zur Regierung in Peking, meldete die Zeitung. China wies die Vorwürfe strikt zurück. "Solche Anschuldigungen sind unverantwortlich, wenn es keine soliden Beweise gibt", sagte ein Sprecher der chinesischen Botschaft in den USA der Zeitung.

Bei der "New York Times" sollen die Angreifer in den vergangenen Monaten sowohl Passwörter von Journalisten gestohlen als auch nach Rechercheergebnissen über die Geschäfte der Familie von Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao gesucht haben. Von der Zeitung beauftragte Sicherheitsexperten hätten beim jüngsten Angriff Parallelen zu vorherigen Hacker-Attacken entdeckt, hieß es.

Diese seien damals bis hin zu den chinesischen Streitkräften zurückverfolgt worden. Die Zeitung hatte im vergangenen Herbst einen brisanten Artikel über Wen veröffentlicht. Darin ging es um die Frage, wie die Familie des Ministerpräsidenten ein Vermögen von mehr als zwei Milliarden Dollar (1,48 Milliarden Euro) anhäufen konnte.

Computerspezialisten hätten keine Anhaltspunkte dafür gefunden, dass die Hacker sensible E-Mails oder Informationen zum Artikel über die Wen-Dynastie kopiert oder heruntergeladen hätten, hieß es in dem Zeitungsartikel weiter. Persönliche Daten der Journalisten seien ebenfalls nicht gestohlen worden, obwohl die Hacker die Passwörter von 53 persönlichen Computern geknackt hätten. Unklar bleibe, auf welche Daten oder Informationen die Hacker bei ihren Angriffen tatsächlich zugreifen konnten. Eine Sprecherin der Zeitung wollte am Donnerstag keinen weiteren Kommentar abgeben.

Dem "Wall Street Journal" wiederum lägen Beweise vor, "dass die Infiltrierungsversuche der Überwachung der China-Berichterstattung galten - und nicht etwa kommerziellen Vorteilen oder dem Missbrauch von Kundeninformationen", sagte eine Sprecherin der Mutterfirma Dow Jones, die wiederum zum Medienkonzern News Corporation gehört.

Mit den zuständigen Behörden und externen Sicherheitsspezialisten werde daran gearbeitet, Kunden, Mitarbeiter und Journalisten sowie deren Quellen zu schützen. Die technischen Sicherheitsvorkehrungen seien hochgefahren worden.

"Wir haben absolut vor, den aggressiven und unabhängigen Journalismus weiter zu betreiben, für den wir bekannt sind", sagte die Sprecherin. Auf seiner Internetseite schrieb das "Wall Street Journal", mit dem Vorfall vertrauten Personen zufolge sei das Firmennetzwerk unter anderem über das Pekinger Bürosystem der Zeitung angegriffen worden. In den vergangenen Jahren sei die Zeitung mehrfach mit Hacker-Attacken konfrontiert gewesen.

"Die chinesische Regierung verbietet Cyberattacken und hat getan, was sie konnte, um solche Aktivitäten zu unterbinden", sagte der Botschaftssprecher weiter. Auch die Volksrepublik sei Opfer solcher Angriffe geworden, habe aber nie über die mögliche Herkunft gesprochen. Das Außen- und Verteidigungsministerium in Peking nannte die Vorwürfe der "New York Times" haltlos. Zudem wies das Ministerium jegliche Spekulationen über einen Zusammenhang mit den chinesischen Streitkräften zurück.

dapd

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