Das aktuelle Wetter NRW 23°C
Kommentar

Nach dem Blutbad brauchen die USA eine Debatte über ihre menschenfeindlich laxen Waffengesetze

20.07.2012 | 17:51 Uhr
Mit Kerzen erinnern Menschen auf dem Kino-Glände an die Opfer des Todesschützen.

Washington.   Welche Lektionen werden die USA aus dem Blutbad in einem Kino in Colorado ziehen? Natürlich werden wieder die bekannten Stichworte fallen: Soziale Ausgrenzung, psychische Krankhaftigkeit, Verführung durch Computerspiele und allüberall leicht verfügbare Gewaltdarstellung. Dabei brauchen die USA eigentlich eine Debatte über ihre menschenfeindlich laxen Waffengesetze.

Schon wieder ein selbst ernannter „Terminator“. Schon wieder eine kranke Seele, die sich in der Rolle des einsamen Rächers gefällt; verkleidet wie ein Bösewicht aus der Illusionsfabrik Hollywood. Nur 20 Meilen entfernt von Littleton, einem anderen Schauplatz der nicht enden wollenden amerikanischen Tragödien, hat ein 24-Jähriger den Schauplatz der Fiktion zum Ort der realen Katastrophe gemacht. Keine Schule, keine Universität war diesmal das Ziel des einsamen Amokläufers. James Holmes suchte sich den amerikanischsten Ort für Zerstreuung und Kurzweil aus, um der Welt seinen Namen einzustanzen: das Kino. „Bad Man“ statt „Batman“. Was für eine zynische Selbststilisierung.

Es wird jetzt wieder die große Debatte losgehen. Über charakterlich ungefestigte, vorzugsweise junge Männer im modernen Medienzeitalter, die ihre eigenen übermächtig gewordenen inneren Energien in den cineastischen Reflexionen über Gewalt wiedererkennen. Und schleichend in ihre eigene verbogene Lebenserzählung einfügen. Bis der innere Überdruss und Selbsthass so groß wird, dass diesen Zeitgenossen der blutige Ausbruch in die Wirklichkeit als einzige Lösung erscheint.

Auch werden wieder die bekannten Stichworte fallen: Soziale Ausgrenzung, psychische Krankhaftigkeit, Verführung durch Computerspiele und allüberall leicht verfügbare Gewaltdarstellung. Aber es wird wie immer sein: Einfache Erklärungen funktionieren nicht. Niemand wird in den Kopf von James Holmes gucken können, niemand verlässlich sagen können, wer und was ihn über welchen Zeitraum in eine Scheinwelt hat abdriften lassen, aus der er sich nur mit einem todbringenden Schnellfeuergewehr Marke AK 47 zu befreien können glaubte.

Artikel auf einer Seite lesen
  1. Seite 1: Nach dem Blutbad brauchen die USA eine Debatte über ihre menschenfeindlich laxen Waffengesetze
    Seite 2: Vernunft in Sachen Waffenrecht ist in den USA nicht mehrheitsfähig

1 | 2

Kommentare
22.07.2012
19:37
Nach dem Blutbad brauchen die USA eine Debatte über ihre menschenfeindlich laxen Waffengesetze
von wohlzufrieden | #23

Was dem Ami die Knarre, dem Deutschen die Karre. Sollten aus Umweltgründen alle Autos auf 70 PS beschränkt werden, Morgen wäre Mord, Totschlag und...
Weiterlesen

Funktionen
Fotos und Videos
article
6900968
Nach dem Blutbad brauchen die USA eine Debatte über ihre menschenfeindlich laxen Waffengesetze
Nach dem Blutbad brauchen die USA eine Debatte über ihre menschenfeindlich laxen Waffengesetze
$description$
http://www.derwesten.de/nrz/politik/nach-dem-blutbad-brauchen-die-usa-eine-debatte-ueber-ihre-menschenfeindlich-laxen-waffengesetze-id6900968.html
2012-07-20 17:51
USA, Waffen, Waffengesetze, Aurora, Kino, Batman
Politik