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Libysche Demonstranten stürmen Extremisten-Lager in Bengasi

22.09.2012 | 20:38 Uhr
Foto: /AP/Mohammad Hannon

Wütende Demonstranten haben in Libyen die Lager von Extremisten gestürmt, die hinter dem Angriff auf den US-Botschafter in dem Land stecken sollen. Tausende Demonstranten stürmten am frühen Samstagmorgen in Bengasi im Nordosten des Landes die Lager zweier islamistischer Gruppen.

Bengasi (dapd). Wütende Demonstranten haben in Libyen die Lager von Extremisten gestürmt, die hinter dem Angriff auf den US-Botschafter in dem Land stecken sollen. Tausende Demonstranten stürmten am frühen Samstagmorgen in Bengasi im Nordosten des Landes die Lager zweier islamistischer Gruppen. Dabei kamen laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur vier Demonstranten ums Leben, mindestens 70 wurden verletzt.

Zunächst vertrieben die Demonstranten die Kämpfer der Ansar al Scharia aus deren Stützpunkt und steckten das Gebäude dann in Brand. Danach griffen Demonstranten den Stützpunkt einer weiteren Miliz, Rafallah Sahati, an. Deren Kämpfer schossen in die weitgehend unbewaffnete Menge. Dabei wurden den Angaben zufolge vier Demonstranten getötet und Dutzende verletzt.

Bereits zuvor waren in der nordlibyschen Stadt rund 30.000 Menschen gegen Ansar al Scharia auf die Straße gegangen. "Nein, nein zu den Milizen", riefen sie. Die Demonstration war die größte seit dem Sturz von Machthaber Muammar al Gaddafi im August 2011.

Die zahlreichen schwer bewaffneten Milizen sind im nach-revolutionären Libyen zu einem der größten Probleme geworden. Viele Libyer werfen ihnen vor, die Zivilbevölkerung nach ihren radikalen Vorstellungen zu gängeln. "Ich will nicht, dass Männer in afghanisch aussehender Kleidung mich in der Straße anhalten und mir Befehle erteilen, ich will nur Leute in Uniform sehen", brachte der Student Omar Mohammed die Empörung derer auf den Punkt, die wie er das Gebäude von Ansar al Scharia stürmten. Demonstranten erklärten, die Aktion sei in Unterstützung von Polizei und Militär erfolgt.

Trauerbekundungen nach Tod von US-Botschafter

In Libyen agieren noch immer zahlreiche Milizen, die teils besser bewaffnet sind als die offiziellen Sicherheitskräfte. Sie stellen sich selbst als Wächter der libyschen Revolution dar, die die Sicherheit dort gewährleisteten, wo die Polizei nicht dazu in der Lage sei. Kritiker werfen ihnen jedoch vor, wir kriminelle Banden vorzugehen, die Gegner einschüchtern und Morde verüben. Der Übergangsregierung gelang es nach dem Sturz Gaddafis nicht, die Milizen unter staatliche Kontrolle zu bringen oder sie in die regulären Truppen zu integrieren.

Ansar al Scharia steht in Verdacht, den Protest gegen ein anti-islamisches Schmähvideo am 11. September für einen Angriff auf das US-Konsulat genutzt zu haben. Dabei wurde US-Botschafter Chris Stevens getötet. Bei der Demonstration trauerten Demonstranten auch um Stevens und die anderen drei US-Bürger. Einige trugen Schilder mit der Aufschrift: "Der Botschafter war Libyens Freund" und "Libyen hat einen Freund verloren".

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