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Schuldenkrise

Leser fühlen sich in der Schuldenkrise für dumm verkauft

07.08.2012 | 16:23 Uhr
Leser fühlen sich in der Schuldenkrise für dumm verkauft
Verkauft die Politik das Volk für dumm? Viele unserer Leser haben diese Befürchtung - und artikulieren sie deutlich.Foto: dapd

Essen  Soll Deutschland für die Schulden Griechenlands zahlen? Sigmar Gabriels Vorschlag lässt die Gemüter hochkochen. Unter unseren Lesern findet Gabriels Vorschlag Annerkennung. Allerdings finden immer mehr Nutzer, dass die Politik die Bürger nicht ausreichend an wichtigen Entscheidungen beteiligt.

Wollte man die Schulden der Euroländer vergemeinschaften, dann wäre eine Verfassungsänderung von Nöten, die allerdings nur durch eine Volksabstimmung zu legitimieren wäre. Damit möchte Sigmar Gabriel eine Alternative zur bisherigen Europapolitik bieten. Dieser Vorschlag trifft seitens der Union auf wenig Zustimmung. Unsere Leser sehen die Sachlage ein wenig differenzierter und ziehen die Vergemeinschaftung der Schulden einem möglichen Totalausfall vor.

Ein „dummes sachunkundiges Volk“?

Für Hugo60 führt kein Weg an einer Haftungsunion vorbei: „[…]es gibt zwei Alternativen: Totalverlust durch den Zusammenbruch der Euro-Zone oder eine Haftungsvergemeinschaftung. Nur Idioten wählen Ersteres.“Aber das müsse man einem „dummen sachunkundigen Volk“ erst einmal vermitteln.

Befürworter der Haftungsunion sehen in ihr eine Möglichkeit, dem Teufelskreislauf zu entkommen, denn die Südländer seien keine Täter, sondern lediglich Opfer der Finanzmärkte. Auch wkah kommentiert: „Es glauben anscheinend immer noch einige, die Schuldenkrise liege daran, dass ein Italiener oder Franzose mit 60 in die Rente geht.“ Die Situation des Euros sei einfach komplexer. So wären die Rettungsversuche der Bundesrepublik keine Nächstenliebe, sondern reiner Eigennutz.

Droht eine krachende Niederlage?

Doch diese Meinung teilen bei weitem nicht Alle. Und so wartet auch die Gegenseite mit stichhaltigen Argumenten auf:„Eine vollkommene Utopie, “ meint  joerge, „Niemals werden alle Eu-Staaten unter einen Hut zu bekommen sein […] Nicht ohne Grund haben bisher alle Regierungen in Deutschland eine Volksabstimmung zum Thema Euro abgelehnt.“ Er prognostiziert eine „krachende Niederlage“.

Prorevier macht aus seiner geringen Wertschätzung für den hält Gabriel schlicht weg für „zu inkompetent für eine eigene Meinung.“

Während so mancher User deswegen dem Glauben verfällt, die SPD müsse sich angesichts solcher Äußerungen ihres Vorsitzenden recht wohl in der Opposition fühlen, hat pucky2 zumindest die Wurzel des Übels ausgemacht: „Griechenland hat das Geld einfach verprasst und Italien musste schließlich auch noch die Mafia mit durchfüttern.“

Transparenz statt Kungelei

Was jedoch Verfechter und Gegner von Gabriels jüngster Idee eint, ist der Wunsch nach einem baldigen Ende der Krise, Transparenz und Ehrlichkeit. Rally 8 möchte schlicht weg „Politiker, die in der Euro-Krise noch die Übersicht haben und uns herausführen.“ Und auch JanundPitt fasst die Lage mit „dem Bürger bleibt nur Verwirrung, vollständiger Vertrauensverlust und Politikverdrossenheit.“ zusammen. Denn niemand könne garantieren, die Bevölkerung relativ unbeschadet aus der Krise herauszuholen, weil sie alle zusammen hilflos im Nebel stocherten.

Egal also ob pro oder kontra: Hinter den meisten Meinungen steht auch der Wunsch nach kompetenter Aufklärung. Der Wunsch, die Partizipation der Bevölkerung möge wieder das Gerüst unserer Demokratie sein und nicht nur Randerscheinung im Kampf um den vermeintlich besseren Weg.

Sarah Belzner

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Kommentare
08.08.2012
18:52
Leser fühlen sich in der Schuldenkrise für dumm verkauft
von Hugo60 | #46

@Purana
Stiglitz schreibt: "das mediane Haushaltseinkommen in den Vereinigten
Staaten (lag) im Jahr 2008 inflationsbereinigt um etwa 4
Prozent niedriger als im Jahr 2000, obgleich das Pro-
Kopf-BIP (ein Durchschnittsmaß) um 10 Prozent
gestiegen war"

Das BIP entspricht in etwa dem Einkommen der Wirtschaftssubjekte. Das Land ist also nicht "gar nicht reicher" geworden. sondern es ist reicher geworden.
Um 10% je Kopf, durchschnittlich.

An seinem Beispiel kann man sehen, dass die Einkommen immer mehr von unten nach oben verteilt werden.

08.08.2012
16:40
Leser fühlen sich in der Schuldenkrise für dumm verkauft
von Purana | #45

Hab die Tage ein interessantes Buch gelesen (Joseph Stiglitz: Im freien Fall - Vom Versagen der Märkte zur Neuordnung der Weltwirtschaft). Der gut Mann ist Nobelpreisträger und scheint Ahnung zu sagen.
Bei der Lohnentwicklung meint er wichtig wäre vor allem sich den Median der Gehaltsentwicklung anzusehen. An der Zahl kann man sehen, dass die angeblich immer reicheren Länder in Wahrheit gar nicht reicher werden, weil immer weniger Leute immer mehr Geld nach Hause tragen und die Mehrheit der Menschen in Wahrheit immer weniger verdient. Nichts wirklich neues aber er zieht daraus ein paar interessante Schlußfolgerungen.

Der andere Punkt den er benennt ist, dass er vorschglägt dass man Bankenrettungsfonds und alle diesen "coolen" Instrumente nicht so hippe Namen geben sollte. In Wahrheit wäre der Name "Sozialhilfe für Konzerne" der korrekte Name. Und er wundert sich darüber, dass man ausgerechnet Leuten, die Geld ohne Ende vernichtet haben damit helfen will in dem man ihnen Geld gibt.

08.08.2012
14:55
Leser fühlen sich in der Schuldenkrise für dumm verkauft
von michalek | #44

Obwohl seit 2011 die wesentlichen Wirtschaft- und Finanzexperten Frau Merkel von einer so umfangreichen und Risiko vollen Rettung- und Unterstützungsaktion Griechenlands gewarnt haben, meinte sie es besser zu wissen und musste es durch ziehen.
Jetzt ist auch ihr und allen Fürsprechern klar das dieser Versuch gescheitert ist und man die Mittel hierfür lieber anderen angeschlagenen EU Länder zur Verfügung gestellt hätte.
Dafür hat Deutschland jetzt durch Moondy´s den ersten Schuss vor dem BUG bekommen.
Hoffentlich noch rechtzeitig genug,

08.08.2012
13:46
Leser fühlen sich in der Schuldenkrise für dumm verkauft
von Hugo60 | #43

Das Schlimme an DKWF12 ist die Tatsache, dass er nationalistische Töne anschlägt, oder besser gesagt: nationalistische Ressentiments schürt (schüren will?)

In Spanien und Greichenland sind die Preise in den letzten zehn Jahren um 30% gestiegen. In Deutschland um 17%.

Eine Währungsunion kann so nicht funktonieren, mit divergierenden Inflationsraten und einem Land, das seit Jahren Lohndumping betreibt (D)

Bereits 2005 vor der Krise (!) sagte Flassbeck (chefvolkswirt der UNCTAD)
:Die schwache Lohnentwicklung in Deutschland stellt zunehmend die Funktionsfähigkeit der Europäischen Währungsunion in Frage. "







2 Antworten
Leser fühlen sich in der Schuldenkrise für dumm verkauft
von DKWF12 | #43-1

Und was haben die jetzigen Probleme mit dem Bretton-Wood System zu tun?

Bevor Sie mit Begriffen um sich werfen, sollten Sie sich zumindest ein minimales Wissen darüber angelesen haben.

Informieren Sie sich hier über das Brettop-Wood System.

http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/bretton-woods-abkommen/bretton-woods-abkommen.htm

http://de.wikipedia.org/wiki/Bretton-Woods-System

Leser fühlen sich in der Schuldenkrise für dumm verkauft
von DKWF12 | #43-2

Ach nee, keine Argumente mehr und dann mit, nationalistische Töne, nationalistische Ressentiments, kommen wollen.
Wer auf Grund meiner Kommentare zu diesen Feststellungen kommt, der tickt doch nicht mehr sauber.

In Ländern in denen die Löhne bis zu 30% gestiegen sind, entwickeln sich auch die Preise dementsprechend.
Im Übrigen spielen diese Preise, bei der Destabilisierung des €, auch eine nicht unwesentliche Rolle.

Als Lafontaine Kurzeitfinanzminister war, wollte Lafontaine, Flassbeck und der damalige französische Finanzminister Dominique Strauss-Kahn das keynesianische Finanz- und Währungspolitik auf europäischer Ebene einführen.

Wissen den überhaupt womit sich die UNCTAD beschäftigt?

08.08.2012
13:12
Leser fühlen sich in der Schuldenkrise für dumm verkauft
von tomatenkiller_neo | #42

#26 und #34 : Es bringt nichts, mit diesem "Oberlehrer" zu diskutieren.
Außer seiner angelesen Schmalspur sieht er nichts.
Mittlerweile sind von den 41 Kommentaren zu diesem Artikel gefühlte 35
von diesem Troll; einfach ignorieren und warten, wer nächstes Jahr
für den Nobelpreis für Wirtschaft vorgeschlagen wird :-)))

08.08.2012
13:00
Leser fühlen sich in der Schuldenkrise für dumm verkauft
von Hugo60 | #41

@DKWF12

Sagt Ihne Bretton Woods etwas?
Offensichtlich nicht!

Wer außenwirtschaftlcihe Ungleichgewichte mit Ihren Worten beantwortet ("Wer wegen zu hohen Löhnen nicht mehr wettbewerbsfähig ist, bleibt auf seine Waren und Dienstleistungen sitzen") hat nichts verstanden.

Die deutschen maßgeblichen Lohnstückkosten sind seit 2000 jährlich real nur um 0,7% gestiegen, d.h. die Lohnstückkosten sind in 12 Jahren lediglich um 8,8% gestiegen.
Reale Lohnsteigerungen hat es kaum gegeben.

2006 wurden etwa 20% der deutschen Wirtschaftsleistung exportiert.
Mittlerweile sind es fast 45%.
Dies dürfte sich allerdings bald wieder ändern. Dann, wenn unsere Kundschaft im europäischen Ausland nicht mehr zahlen kann,.




1 Antwort
Leser fühlen sich in der Schuldenkrise für dumm verkauft
von DKWF12 | #41-1

Und was haben die jetzigen Probleme mit dem Bretton-Wood System zu tun?

Bevor Sie mit Begriffen um sich werfen, sollten Sie sich zumindest ein minimales Wissen darüber angelesen haben.

Informieren Sie sich hier über das Brettop-Wood System.

http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/bretton-woods-abkommen/bretton-woods-abkommen.htm

http://de.wikipedia.org/wiki/Bretton-Woods-System

08.08.2012
13:00
Leser fühlen sich in der Schuldenkrise für dumm verkauft
von wkah | #40

Übrigens
wie sagte es der Ministerpräsident von Bulgarien richtig:

"Wenn es nach niedirgen Löhnen, geringen Sozialleistungen, usw. - also nach Wettbewerbsfähigkeit geht, müsste Bulgarien ein reiches Land sein. Sind wir aber nicht - wieso ?"

08.08.2012
12:45
Leser fühlen sich in der Schuldenkrise für dumm verkauft
von wkah | #39

http://www.rp-online.de/wirtschaft/finanzen/armut-waechst-staerker-als-im-eu-schnitt-1.2843699

http://www.derwesten.de/politik/nrw-hat-rund-300-millionen-euro-mehr-sozialhilfe-gezahlt-id6938126.html

http://www.wiwo.de/politik/deutschland/wirtschaftsstudie-kaufkraft-der-deutschen-so-niedrig-wie-vor-20-jahren/6915692.html


NA - wie lange soll ihr "Wirtschaftswunder" Deutschland noch gut gehen

08.08.2012
12:40
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von wkah | #38

und das empfinden sie dann als Hochlohnländer

übrigens Deutschland
24 % arbeiten im Niedriglognsektor
jeder 3. Euro an ALG 2 Zahlungen gehen für Aufstocker drauf

Na - da sind wir doch wettbewerbsfähig

Ok - die Altersarmut steigt - aber was soll es

08.08.2012
12:11
#35 Löhne Spanien
von DKWF12 | #37

Festgelegt werden die Löhne in Spanien durch einen individuellen Vertrag oder nach Tarif. Der Lohn setzt sich zusammen aus:

Quelle: http://www.hr-rose.de/?thema=spanien_loehne

• Grundlohn (Salario base)
• Lohnzuschläge (Complementos salariales)
für besondere Ausgaben und Aufwendungen
Der jährliche Mindestlohn im Monat beträgt 624 Euro. Zudem darf der Jahreslohn für eine Vollzeitbeschäftigung inklusive der Zuschlägen 8.736 € nicht unterschreiten.
Als Rezeptionist in einem Hotel (Recepcionista de hotel) verdient man in Spanien 1 BigMac die Stunde (6.61 Euro). Ein Peon (Hilfsarbeiter) verdient zwischen 25 - 107 Euro / Tag. In Madrid und Barcelona sind die Löhne am höchsten. Die niedrigsten Löhne werden in der Extremadura und Andalusien bezahlt. Die höchsten Löhne werden mit 4.257 Euro im Kredit- und Versicherungsgewerbe mit 4.257 € brutto bezahlt. Mit 1.488 € brutto werden die niedrigsten Löhne in der

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