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Islamunterricht

Juristen warnen, islamischer Religionsunterricht könnte verfassungswidrig sein

08.08.2012 | 17:42 Uhr
Juristen warnen, islamischer Religionsunterricht könnte verfassungswidrig sein
In NRW steht Islamkunde seit 1999 auf dem Lehrplan. Ab dem kommenden Schuljahr soll auch islamische Religion unterrichtet werden. Foto: WR

Düsseldorf.   In Nordrhein-Westfalen startet zum neuen Schuljahr der islamische Religionsunterricht an Grundschulen. Die bundesweit erste Umsetzung des Projekts ist rechtlich umstritten. Juristen sehen sogar ein Verfassungsproblem, weil der Staat den Religionsunterricht anbietet.

NRW ist das erste Bundesland, das islamischen Religionsunterricht anbietet. Zum neuen Schuljahr startet der bekenntnisorientierte Unterricht für einen zunächst kleinen Teil der insgesamt 320 000 muslimischen Schüler an einigen Grundschulen. Die genauen Zahlen stellt das Schulministerium gerade zusammen. Doch der Ehrgeiz hat seinen Preis: Der Lehrplan wird erst im Herbst fertig sein, und theologisch ausgebildete islamische Religionslehrer gibt es noch nicht.

Der bisher einzige Studiengang „Islamische Religionslehre“ des Landes beginnt erst in diesem Wintersemester an der Universität Münster. Zudem befürchten Kritiker, dass der Staat in den Religionsunterricht eingreift.

Die rot-grüne Landesregierung hatte im vergangenen Jahr zusammen mit der CDU das entsprechende Schulgesetz beschlossen. Die FDP enthielt sich und die Linke stimmte im Landtag dagegen.

Das Projekt ist eine Herzensangelegenheit von Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) , die darin einen „Meilenstein zur Verwirklichung von Grundrechten“ sieht. Mit den Grundrechten ist das aber so ein Problem. Viel mehr mit dem Grundgesetz. Dort steht, dass bekenntnisorientierter Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaft erteilt wird. So soll die Trennung von Staat und Kirche gewährleistet bleiben.

Keine einheitliche Religionsgemeinschaft

Eine einheitliche islamische Religionsgemeinschaft in der Form, wie es die christlichen Kirchen sind, gibt es jedoch in Deutschland nicht. Zu unterschiedlich sind die Strömungen innerhalb der muslimischen Gemeinde. Um dennoch einen Ansprechpartner zu haben, hat die Landesregierung den „Beirat zur Einführung des islamischen Religionsunterricht in NRW“ installiert. Das Gremium besteht aus acht muslimischen Mitgliedern, vier davon haben islamische Organisationen nominiert, vier hat das Schulministerium benannt. Es wählt die Lehrer aus und arbeitet an den Lehrplänen mit.

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Juristen sehen das kritisch. Der Beirat ist keine Körperschaft öffentlichen Rechts, sondern beim Ministerium angedockt. Somit ist der Staat quasi an der Gestaltung des Religionsunterrichts beteiligt. Ein Widerspruch zum Grundgesetz. „So lange es keine anerkannte Religionsgemeinschaft gibt, dürfte man den islamischen Religionsunterricht nicht anbieten“, sagte Yvonne Gebauer, Schul-Expertin der NRW-FDP, die das Vorhaben aber prinzipiell unterstützt.

Die Landesregierung weiß um dieses Problem und verweist deshalb darauf, dass der Beirat nur eine Übergangslösung bis 2019 darstellt. Dann sollen die ersten Absolventen des Studiengangs „Islamische Religionslehre“ für den Schuldienst zur Verfügung stehen. So lange übernehmen Islamkunde-Lehrer diese Aufgabe. Das Fach steht in NRW seit 1999 auf dem Lehrplan und wird von 130 Lehrern bekenntnisfrei unterrichtet. Um auch islamische Religion lehren zu dürfen, benötigen sie eine Unterrichtserlaubnis des Beirats.

Blockseminar für Religionslehrer

Die Bewerber sind Islamwissenschaftler muslimischen Glaubens, einen theologischen Hintergrund besitzen sie nicht. Die „notwendigen theologischen und religionspädagogischen Kompetenzen“, sagt das Schulministerium, sind in einem Blockseminar am Wochenende vermittelt worden. Zunächst müssen sie sich jedoch nicht sehr umstellen.

Bis wohl im November der Lehrplan fertig gestellt sein wird, unterrichten sie auf der Basis des Buches „Islamkunde in deutscher Sprache“, das sie kennen.

Gregor Boldt



Kommentare
17.08.2012
23:26
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10.08.2012
16:37
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1 Antwort
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09.08.2012
22:05
Juristen warnen, islamischer Religionsunterricht könnte verfassungswidrig sein
von taosnm | #47

Der geplante Islam-Unterricht ist der Situation geschuldet, dass man falsche Indoktrination in den Koranschulen verhindern will. Das Problem jedoch ist, dass der Islam nicht nur eine Religion ist, sondern darauf ausgerichtet ist, die Gesellschaft zu verändern. Mir ist nicht klar, wie durch Islam-Unterricht an den Schulen diese ureigenste Forderung des Islam verhindert werden soll. Islam-Unterricht kann ein Feigenblatt sein, sonst aber nichts. Angesichts der Tatsache, dass ausser den drei grossen Religionen in unserem Land viele weitere Religionen praktiziert werden, ist zu überlegen, den Religionsunterricht, der entstand, als es in Deutschland nur christliche Religionen gab, völlig abzuschaffen zugunsten eines Ethik-Unterrichtes, der natürlich über alle Religionen informiert, dennoch neutrale und allgemein wichtige Grundlagen ver mittelt.

09.08.2012
21:38
Juristen warnen, islamischer Religionsunterricht könnte verfassungswidrig sein
von a_ha | #46

bigkahuna 32-3 schrieb:

"Vergessen wird bei alledem, daß es u.a. auch darum geht, zu verhindern, daß muslimische Kinder und Jugendliche ihre religiöse Bildung unkontrollierbar in ihrer Moschee erwerben, Stichwort "Haßprediger"!"

Interessante Befürchtung. Da bin mal ganz bei Ihnen. Die Konsequenz muss dann aber doch lauten, Rausschmiss von Hasspredigern und ein vermittelnder Ethikunterricht für alle. In dem die Gemeinsamkeiten betont und die Unterschiede erklärt werden.
Denn laut R.Erdogan gibt es nur einen Islam. Und der ist nicht ungläubigenfreundlich, hat somit an einer deutschen Schule nix verloren. Wenn Sie Gleichheit wollen, weshalb auch immer, dann schaffen Sie halt den christlichen Unterricht ab.


2 Antworten
Juristen warnen, islamischer Religionsunterricht könnte verfassungswidrig sein
von kahlewumpe | #46-1

Es ist mehr als nötig, dass diesen kleinen verwöhnten Prinzen mit Allmachtsphantasien im Ethikunterricht solche Dinge wie Gleichberechtigung, Meinungsfreiheit, Menschenwürde (Jaaa, auch für Frauen) eingebläut wird.

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09.08.2012
21:30
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09.08.2012
20:22
Juristen warnen, islamischer Religionsunterricht könnte verfassungswidrig sein
von gatagorda | #44

Egal, ob christlich, juedisch , islamisch, hinduistisch oder buddhistisch- Religionsunterricht hat an oefffentlichen, weltlichen Schulen nichts verloren

09.08.2012
16:19
Juristen warnen, islamischer Religionsunterricht könnte verfassungswidrig sein
von Der.Luedenscheider | #43

Im vergangenen Jahr von rot, grün und schwarz beschlossen und auf einmal fällt auf die Zeit wird knapp und man braucht dann halt einen "Beirat" als Provisorium, der eventuell sogar verfassungswidrig ist??????????????

Entschuldigung, aber wie däm.... ist das denn von dem grünen Rotweingürtel? Da kann man ja nur schwarz sehen... Und wieder hängt ein Problem bei den Schulen und Lehrern. Die kriegen dann einen auf die Nase, weil das nicht so läuft wie gewünscht. Es sind ja noch nicht einmal Lehrpläne fertig. Wie sollen dann die Stundenpläne, Räume, Lehrer, etc. geplant werden? Das kann für die Schulen nur im Chaos enden...

Das sei ein Herzensprojekt? Oje, oje, wie schlecht werden dann erst Dinge behandelt, die den Politikern nicht so "am Herzen" liegen?

09.08.2012
15:07
Juristen warnen, islamischer Religionsunterricht könnte verfassungswidrig sein
von Mondschatten | #42

Die Vergangenheit Europas der letzten 2000 Jahre hat zur Entwicklung des Staates und der Gesellschaft geführt, in denen wir heute Leben. Um also Staat und Gesellschaft zu verstehen, muss man dessen Entstehung kennen. Dazu haben wir Geschichtsunterricht.

Nun war die Entwicklung Europas stest von Religionen bestimmt: das Christentum, das die Politik und das Denken der Menschen maßgeblich bestimmt, das Judentum, an dem sich Politik und Denken der Menschen manifestierte, und der Islam der Politik und Denken berührte und beeinflusste.

Um also die historische Entwicklung Europas zu verstehen, muss man die Religionen und ihre Wirkung aufeinander und auf Politik und Gesellschaft verstehen: Wie sind sie entstanden, wie kamen sie nach Europa, welche Menschen- Welt-, und Selbstbilder stehen dahinter, welche Berührungs- und Konfliktpunkte gibt es, wie entwickeltte sich ihr Verhältnis?

Alles darüber hinaus ist Bekenntnisunterricht und gehärt mMn nicht in die Schule. Dann lieber Ethik.

09.08.2012
14:21
Juristen warnen, Islamkunde könnte verfassungswidrig sein
von ExWalsumer | #41

Ich finde es generell nicht in Ordnung, das Religionen welche auch immer im Unterricht geprädigt werden.

Was aber sinnvoll sein könnte, wäre ein allgeimens Fach für alle in dem sämtliche Glaubensrichtungen erklärt werden. Wer missioniert wie, wie werden diese Glaubensgemeinschaften in Deutschland finanziert usw.
Würde vielleicht auch das Verständnis für einander stärken, statt jeden Glauben für sich zu isolieren.

09.08.2012
12:54
Juristen warnen, Islamkunde könnte verfassungswidrig sein
von Rally8 | #40

"Religion sollte Privatsache sein"!
Auch mein Verständnis von Trennung zwischen Kirche und Staat geht dahin, die staatliche Förderung und auch die fiskalische Forderung für alle Kirchen einzustellen und verweise auf regelmäßige Spenden oder Kollekten durch ihre Mitglieder! Dann wäre auch wieder die Nähe zu den Gläubigen gegeben und der kirchliche Einfluß würde sich auf das Seelenheil beschränken! Aber so geht mir die gegenseitige Unterstützung zu weit!
Sparen müssen wir alle!

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